Die inneren Werte..

Wie oft hat man schon gehört, dass es die inneren Werte sind, die zählen? Wie oft hat man es selbst schon von sich gegeben? Und wie oft hat man diesen Ausspruch schon mit Füßen getreten, weil man sich, innerlich sabbernd, in den Augen des schnuckeligen Kerls (oder der Dame, je nach Leser..), der (oder die..) einem im Zug gegenüber sitzt verloren oder  dem niedlichen Typ (oder der Dame..) im Club erstmal minuten lang auf den, ähm….Gluteus maximus geglotzt hat?
Innere Werte sind super, keine Frage, aber die inneren Werte trägt man nunmal leider nicht auf der Stirn.

Und weil sich heutzutage niemand mehr ausschließlich nur für die inneren Werte interessiert, stand heute die Frau vom Krankenhausinternen Marketing in meinen Räumlichkeiten und ging mir erstmal damit auf den Geist, dass sie gepflegt ignorierte, dass ich sie ignorierte. Meine gesamte Aufmerksamkeit gehörte nämlich einem wirklich fesselnden Telefongespräch mit einer Schwester über Patientendaten. Ein fragendes -Hallo?- der Marketingfrau reihte sich an das Nächste, in der Hoffnung Beachtung zu finden. Vorerst vergebens.
Unverschämt von mir, an einem Donnerstag morgen in einem Krankenhauslabor tatsächlich meinem Beruf nachgehen zu wollen, ich weiß. Irgendwann dann aber, war auch die Krankenschwester endlich zufriedengestellt und ich konnte der Marketingfrau meine geballte Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. So berichtete sie mir, ich solle meine „Türschilder“ austauschen, weil diese, ich formuliere es mal etwas diplomatisch, nicht so schön aussehen.
Würd ich so unterschreiben, hat sie vollkommen Recht.
Denn bei diesen „Schildern“ handelt es sich aktuell um drei einfache Din A 4 Zettel, die mit Tesafilm an die Tür gepappt sind. Hat aber auch über ein Jahr lang scheinbar vollkommen ausgereicht und mal ehrlich, so richtig interessiert hats eigentlich auch keinen.

Jetzt muss also was hübsches her. Nun hab ich den Glitter, die Strasssteine und die Herzchensticker blöder Weise zu hause vergessen und auch meine Laubsäge ist mir irgendwie abhanden gekommen.
Wo ist das „Wohnen nach Wunsch“ Team, wenn man es mal tatsächlich braucht?!
Die Marketingfrau hat aber gleich einen höchst kreativen Vorschlag zu unterbreiten. Zwei von drei Zetteln könne man ja laminieren.
Meinetwegen, vielleicht geht die Frau dann ja weg..
Ich ihr also das Dokument mit den Öffnungszeiten und das mit dem subtilen Hinweis, dass auch Laborfeen irgendwann einmal Feierabend haben, in die Hand gedrückt und sie zum Laminieren geschickt.
Ein paar Minuten Seelenfrieden waren mir gewiss. Leider gehörte die Gute zu der flotten Truppe und stand schon nach wenigen Minuten wieder in meinem Reich und wedelte mit zwei laminierten „Schildern“ vor meiner Nase. So laminiert sähe das auch gleich viel besser aus.
Ähm..jaaaaaa…Es sind die gleichen Zettel wie vorher, nur dass man ihnen eine Folie angezogen hat und man sie deswegen nun abswischen kann..wunderschön!
Das war selbstverständlich nur gedacht. Stattdessen suchte ich in meinen vielen Gesichtsausdrücken nach einem besonders bezaubernden Lächeln und nicke einfach. Wenn man nichts nettes zu sagen hat, sagt man besser gar nichts.
Fehlt jetzt noch ein Schild, das meine Tür eindeutig als Labortür ausweist. Ist natürlich auch in Zettelform vorhanden, der aber ganz und gar verblasst im Glanz der neuen „Schilder“ (Ich weigere mich einfach, laminiertes Papier als Schild zu bezeichnen!).
Marketingfrau sagte, am Besten was mit einem schönen Schriftzug und Logo des Labors.
Das auch noch. Muss ich mir kurz aus den Rippen schneiden, kleinen Moment.
Diplomatisch wie ich eben nunmal bin, bot ich ihr an, weil ich an einem Donnerstag morgen in einem Krankenhauslabor wirklich wirklich nichts anderes zu tun habe, als mich mit der Ästhetik meiner Labortür zu befassen, bei den Kollegen im Haupthaus nach einem Schild zu fragen, in der Hoffnung, mich dann wieder mit anderen Dingen befassen zu dürfen.

Das stimmte sie zumindest so weit gnädig, dass sie immerhin schonmal das Labor verließ. Beim Raus gehen drohte sie mir allerdings schon mit einem „Bis später“, weswegen ich nun einfach vermuten möchte, dass dieser Eiertanz, um das Aussehen einer Tür, noch ein wenig weiter geht.

Selbstverständlich bin ich meinem Pflichtbewusstsein nachgekommen und habe den Kollegen, den ich mit eigentlich allem nerve, von der Ästhetikproblematik in Kenntnis gesetzt. Erstmal via EMail, denn auch das Haupthaus hat an einem Donnerstag morgen wirklich wirklich nichts anderes zu tun, als sich mit Türästhetik zu befassen. Dieser schrieb auch prompt zurück, dass das eine super tolle Idee sei.
(Er hat natürlich Recht. Wirkt professioneller und repräsentiert das Haupthaus besser, kommt nur irgendwie spät..)
Mir drängte sich spontan die Frage auf, wieso man mir dann nich gleich von Anfang an ein ordentliches Schild gesponsort hat, doch ich hielt es für sinnvoller, sie unter den Teppich der nie gestellten Fragen zu kehren. Dieses höchst dringliche Anliegen wird nun also im Haupthaus besprochen.

Es sind eben doch nicht nur die inneren Werte, die zählen. Nicht einmal bei einer Labortür.

Zum Schluss noch ein kleines Update, damit ihr alle auf dem neusten Stand seid: Die EDV funktioniert wieder 😉

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