Heute im Labor..

Hui, geschäftiges Treiben heute im Labor. Fast komme ich mir vor wie eine Laborbiene.

Heute kam mal wieder ein Techniker ins Haus. Leider dieses Mal kein njam njam, weswegen gedankliches Spotlight und musikalische Untermalung sich einfach mal in dir vorzeitige Pause verabschiedeten und das gedankliche Filmset, dass mich doch stark an die Coca Cola Light Werbung von früher erinnerte, in sich zusammenbrach.
Da hieß es nun trotzdem einen beschäftigten Eindruck machen. Aber wie soll man bloß 3 Stunden lang beschäftigt wirken, wenn absolut nichts los ist?! Zumal der Techniksklave eins meiner Geräte blockiert.
Zum Glück habe ich ja meine Pappnasen. Die brachten nämlich mal wieder Proben, darunter auch eine Anforderung auf Ammoniak. Proben für Ammoniakanalysen müssen unbedingt gekühlt werden, denn sonst gibts verfälschte Werte, was das Ziel einer Anforderung irgendwie verfehlt. Nun lag das Röhrchen aber selbstverständlich nicht in einer Thermoskanne voller Eiswürfel, sondern fröhlich bei all den anderen Proben. Da musste ich dann auch nicht mehr so tun, als hätte ich Arbeit. Die drängte sich mir dann plötzlich praktisch auf.
Also machte ich mich, mal wieder, auf die Suche nach der geistig umnachteten Pappnase, die da ihren Job wieder nicht richtig machen wollte.
Die war, ich konnte es erst gar nicht glauben, schnell gefunden. Irgendso ein Pfleger Horst wieder. Ich würde ja jetzt augenverdrehend seufzen „Typisch Männer in Frauenberufen“, aber die Weiber hier sind ja auch nicht besser.
Schnell stellte sich heraus, der Gutste hat einfach nicht daran gedacht und die Anforderung wäre ja auch nicht so wichtig.

IST MIR EGAL!!! Ich bin diejenige welche, die eins auf den Deckel bekommt, wenn irgendetwas schief läuft. Also zugesehen, dass das Röhrchen, welches von mir noch vor diesem erquickenden Telefongespräch kurzerhand in den Kühlschrank verfrachtet wurde, in eine Thermoskanne voller Eiswürfel umziehen kann.  Und weil ich damit gerade wohl so unglaublich unterfordert scheine, steht plötzlich der Mann von der Regeneration da und will meine Wasserpatrone austauschen. Prima, bitte Nummer ziehen.
Zunächst musste ich zur Ambulanz rennen, um mir Eiswürfel zu schnorren. Ich habe zwar so viele Kühlpads, dass ich mir ohne weiteres ein Iglu daraus bauen könnte, aber keinen einzigen Eiswürfel. Ambulanz konnte helfen. In solchen Momenten kann ich es ja sagen: Ich liebe die Kollegen von der Ambulanz. Ein Trupp voll kompetenter Menschen. Sind auch die Einzigen, die ich ohne Würgereiz als meine Kollegen bezeichnen kann. Das Röhrchen also aus dem Kühlschrank gepflückt, es in die Thermoskanne samt Eiswürfel gefriemelt und diese wieder, bis zu ihrer Abholung dem Kühlschrank zugeführt. Schnell noch ein Klebchen geschrieben, dass sich da was im Kühlschrank befindet, das mit ins Haupthaus muss (denn ohne Klebis geht einfach nichts..) und schon wieder ist ein Problem erfolgreich gelöst.

Nun zu dem Regenerationsheini. Schnell gezeigt wo die Patrone ist und wo die Rechnung hin soll und war der auch glücklich. Hätte ich gewusst, dass der so einfach zu erfreuen ist, hätte ich mich zuerst um ihn gekümmert.

Ich hatte gerade noch Zeit diesen Gedanken zuende zu denken, als mir schon wieder mit Notfallproben vor der Nase herumgewedelt wurde. Blöder Weise für genau das Gerät, dass gerade der Techniker besetzte. Die Information, dass man auf die Ergebnisse jetzt aber einige Stunden warten müsse, weil der Techniker immernoch am Gerät rumbastelt, schien der Probenbringerin eine vollkommen neue zu sein. Der Zettel an meiner Tür, der Fett verkündete, dass ich ab Mittag nicht messen kann, hing ja auch erst seit Anfang der Woche da. Naiv von mir zu glauben, das wäre genug Zeit, um von allen zur Kenntnis genommen zu werden.

Die Zeit verging, aber der Techniker fand einfach kein Ende. Mit viel Liebe putzte und polierte er den Kasten und ging ganz in seiner Arbeit auf, während sich bei mir so langsam die zu messenden Proben stapelten.
Plötzlich, als ich ihn da beim Arbeiten beobachtete, viel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war der gleiche Techniksklave, der mir vor einem halben Jahr, bei der letzten Wartung das ganze Labor geflutet hat, weil er vergessen hatte einen Schlauch richtig anzuschließen. Das Wasser lief damals bis in den Krankenhausflur. Wenigstens hat er geholfen alles wieder aufzuwischen.
Immerhin ist dieses Mal alles trocken geblieben. Nur meinen 99%igen Alkohol hat er mal wieder offen stehen lassen. Alkohol verflüchtigt sich, wenn man ihn offen stehen lässt. Dann ist es irgendwann kein 99%iger Alkohol mehr. Sollte der Techniksklave doch eigentlich wissen.

Irgendwann war er dann aber auch fertig mit frickeln und schickt den Kasten in den Probelauf, um mir währenddessen all die Fragen zu Stellen, die ich wirklich zum ersten Mal beantworten muss.

Von wann bis wann arbeiten Sie? – von 8 bis 18 Uhr
Puh, das ist aber ein langer Tag – Ach was?!
Und sie arbeiten hier ganz allein? – (Niemals, all meine unsichtbaren Kollegen wuseln die ganze Zeit um uns herum! ) Öhm..Joa..
Ist das nicht einsam? – ganz offensichtlich

Immer die gleiche Leier. Ich bin wirklich nicht gut in Sachen smalltalk, weswegen wir uns dann auch wieder auf das Schweigen konzentrieren., während das Gerät fröhlich ackert.
Der Probelauf sagt, irgendwas hat der Trottel falsch gemacht. Fast alle Analyten bewegen sich außerhalb ihrer Kontrollgrenzen. Wehe die Pappnase hat das kaputt gemacht!
HA!! Dieses Mal bin nicht ich diejenige, die mit dem Detektivhut auf dem Kopf auf Fehlersuche gehen muss. Also zurücklehnen und anderen dabei zusehen. Wenigstens ist der Fehler schnell gefunden. Mal wieder ein Schlauch, der nicht richtig angeschlossen war. Ein wirklich unaufmerksamer Techniksklave ist das. Was natürlich dazu führt, dass sich das ganze Procedere nun noch länger hin zieht, weil noch ein Kontrolllauf gestartet werden muss. Der zweite lief auch noch nicht so richtig glatt, aber beim dritten Mal lief der Kasten dann zu neuer Form auf. Es war mittlerweile auch schon halb vier. Und ich dachte heute würde es langweilig werden. Jetzt noch rasch alle Proben abarbeiten, die sich angesammelt haben, in der Hoffnung, es mögen nicht noch mehr dazu kommen und dann auf den Feierabend freuen. Jedoch hat sich der olle Kasten wohl in den Kopf gesetzt, diesen Zustand noch so weit wie möglich herauszuzögern, da noch drei weitere Neustarts von Nöten waren, bis ich ihn endlich so weit hatte seiner Arbeit nachzugehen.
Die Proben waren aber schnell abgearbeitet und es kamen auch kaum Neue hinzu. Ausnahmsweise ein tadelloser Feierabend.

Noch 1x arbeiten, dann ist Wochenende.

Ein Gedanke zu “Heute im Labor..

  1. Du liebe Güte… Deinen Job möchte ich nicht haben.
    Du scheinst ja von echten Kompetenzkanonen umgeben zu sein. Aber wie in jedem Job: Solange der Feierabend pünktlich ist, ist der Tag in Ordnung gewesen

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