CSI – Labor

Wie-So denn immer Montags?! Was, um Himmels willen, habe ich Murphy bloß getan?! Der Knilch!! Und dem back ich nochmal Kekse…

Alles begann wie ein ganz normaler Montag. Die Straßen waren wieder vollkommen überladen, aber ich muss auch an der Uni vorbei und dieser Tage ist mal wieder Klausurzeit. War also irgendwie zu erwarten.
Im Labor angekommen, fing ich an meine Kontrollreagenzien aufzulösen und diese dann auch gleich zu messen, alles gut. Bis auf einen kleinen Ausreißer, aber eine Neukalibration konnte dieses Problem schnell aus der Welt schaffen.

Mit Beginn der Tagesroutine, zeichnete sich aber schnell ab, welche Ärgernisse der Tag für mich bereit halten würde. Es waren zwei an der Zahl. Das erste, nicht ganz so ärgerlich, weil ganz normaler Laborwahnsinn. Heute war wieder ein Schleichtag. Ein Schleichtag zeichnet sich dadurch aus, dass der Großteil der Menschen mein Labor nicht lautstark betritt und mir die Proben beherzt auf die Theke klatscht, sondern sich reinschleicht, die Proben leise auf die Theke legt und sich, von mir unbemerkt, wieder hinausschleicht. Prima bei Eilproben übrigens.
Das sind meistens die Praktikanten und Azubis, die glauben, es würde stören, wenn sie zu laut sind. Die können ja nicht wissen, dass ich fürs Arbeiten bezahlt werde. Aber wie gesagt, das ist Laborwahnsinn. Manchmal sind sie eben alle geistig umnachtet. Schieben wir es einfach auf den aufkeimenden Frühling und die daraus resultierenden hormonellen Schübe..oder so.

Das zweite Ärgernis war ungleich schlimmer, denn es ging mit der Erkenntnis einher, dass mein Großgerät wieder einmal irgendeine Kinderkrankheit ausbrütet. Nicht, dass der Techniksklave das Ding am Donnerstag doch geschrottet hat…
Das Problem gestaltet sich wiefolgt: In der ersten Probenmessung wurde mir ein Wert ausgespuckt, der etwa bei >1000 lag. Viel zu hoch, also ging es in die Kontrollmessung. Diese ergab jedoch nur noch einen Wert von 10 und auch im dritten Durchlauf blieb der Wert bei 10.
Es gibts zwar Schwankungen zwischen den Messungen, das ist normal, aber keine von etwa 1000mg/dl.

Also muss wieder einmal ermittelt werden, wo der Fehler liegt. Doch zunächst sah ich es als eine Notwendigkeit an zwei Runden schreiend im Kreis zu laufen, um dann in Panik das Haupthaus zu kontaktieren. Ich habe natürlich wieder den gleichen Kollegen angenölt, den ich in solchen Fällen immer annöle, der kennt das schon und hatte auch auch gleich ein paar gute Ermittlungstipps, die aber alle nicht zur Ergreifung des Täters führen konnten. Und weil er auch noch Feierabend hatte, war ich wieder auf mich allein gestellt. Mist!!

Ich setzte also gedanklich die Horatio Cane Gedächtnis Sonnenbrille auf, verschwende kurz einen Gedanken daran, dass es wirklich schade ist, dass ich keinen Partnersklaven hier haber, den ich im schnellen Wechsel zwischen Sonnenbrille auf-und wieder absetzen, namentlich blöd von der Seite anquatschen kann, weil es einfach nur stilecht wäre und machte mich an die weiteren Ermittlungen. Wäre doch gelacht, wenn ich den Knilch, der mir nachhaltig die Laune verdirbt nicht erwischen würde.

Die ersten Schritte gehörten zu den Einfachen..
1. das Reagenz wurde ausgetauscht. Kann ja immer mal sein, dass da was reingekommen ist, was da nicht drin sein darf.
2. die Reagenznadeln bekamen eine Intensivkur im Wellnessbereich. Soll heißen, eine Spülung mit Hypochlorid und destilliertem Wasser.
Das Hypochlorid killt alles, was sich in so einer Nadel verkriechen könnte und nicht bei drei auf dem Baum sitzt (und wer seine schwarze Kleidung spontan in orangene verwandeln möchte sollte sich das Zeug unbedingt mal über die Klamotten kippen..)
Das destillierte Wasser sorgt dafür, dass es nicht auch noch die Probe, nebst Reagenz killt. So weit so gut. Danach folgte eine Messung der Kontrollen, um zu schauen, ob alles auch vernünftig misst.
Da in der Zwischenzeit aber wieder eine Welle von Proben gekommen ist, da ja Gott seis gedankt(!!), heute Montag ist, musste ich die Horatio Cane Gedächtnis Sonnenbrille kurz absetzen und mein Augenmerk auf die zügige Abarbeitung der Proben legen.

Der nächste Schritt nach der Abarbeitung war die Probe, in der dieser wahnsinns Ausreißer stattgefunden hat, nebst einer Partnerprobe, welche die gleiche Symptomatik zeigte, noch mehrere Male zu messen, um sehen zu können, ob vielleicht gewisse Analytkombinationen zu verschleppungen beim Pipettieren führen könnten. Ein Ausreißer wäre in diesem Schritt ausdrücklich wünschenswert, da ich dann die Ermittlungen hätte abschließen und den Täter dingfest machen können. Beide Proben wurden je 5x in diversen Kombinationen gemessen. Selbstverständlich brachte diese Versuchsreihe nicht auch nur das geringste verwertbare Ergebnis. Wobei, doch. Einen mini Ausreißer in einer der beiden Proben. Zwar nicht viel, aber immerhin etwas, an das man anknüpfen kann. Versuchsreihe 2 startete umgehend, in der Hoffnung auf ein Zeichen.
Das Zeichen zeigte sich in Form eines viel zu hohen Wertes in einer regulären Probe. Die Versuchsreihe selbst war schrott. Kein brauchbares Ergebnis. Die Werte der Routineprobe veranlassten mich aber noch eine dritte Versuchsreihe zu starten und diese brachte dann endlich den gewünschten Ausreißer. Nur einen zwar, aber wenigstens schon mal ein Ergebnis.
Dummer Weise eins, mit dem sich nicht das Geringste anfangen ließ, da es erstmal nur zeigte, dass in unregelmäßigen Abständen Ausreißer stattfinden. Könnte vielleicht heißen, dass es dem Wert in der Kombination mit dem gemessenen Anderen nicht gefällt. Der vorläufige Bericht wurde gleich in digitaler Form an den Kollegen gesendet, der ihn zwar heute nicht mehr liest, ihn aber wenigstens schonmal hat. Ich weiß nämlich ganz genau, dass ich morgen keinerlei Durchblick mehr haben werde, meine Notizen betreffend und dass ich die Hälfte bis morgen ohnehin wieder vergessen oder verloren habe. Am Wahrscheinlichsten ist sogar beides. Die eine Hälfte vergessen, die Andere verloren. Ja ja, auch digitale Klebis sind Klebis.

Also werden die Ermittlungen morgen fortgesetzt, wieder ein Grund zu schreiben morgen.

Um auch mal das Positive dieses Tages hervorzuheben, die Zeit ging rasend schnell um und trotz des hohen Probenaufkommens heute, hatte ich größtenteils genug Ruhe zum Ermitteln und Forschen, da mich so gut wie niemand telefonisch behelligte. Umnachtet zwar, aber immerhin wissen sie, wann sie die Klappe zu halten haben, so scheint mir. Als alles fertig war, zeigte ein Blick auf die Uhr, dass der Feierabend nur noch 1 1/2 Stunden entfernt lag. Das ist in etwa so, als stünde er, wild in meine Richtung fuchtelnd, an der nächsten Straßenecke.
Kurz vor Schluss rief eine Kollegin aus dem Haupthaus an und fragte wie die Ermittlungen laufen. Eine Laberbacke vor dem Herrn. Quatschte mir erstmal ein Kotelett an den Kopp die Frau und weil ich kein schnurloses Telefon habe, konnte ich die Proben, die mir in dem Moment auf die Theke gelegt wurden (gaaanz gaaaanz leise…), nicht bearbeiten. Das heißt, sie war die Führerin des metaphorischen Fahrzeugs, das meinen Feierabend an der nächsten Straßenecke just über den Haufen fuhr, wo er zuckend am Boden liegen blieb.
Die Ambulanz fuhr gleich auch noch mal kräftig drüber, indem sie mir 5 Minuten vor Routineschluss noch eine Probe vorbei bringen. Nun war er endgültig Tod. Der Feierabend und der gediegene Wochenbeginn waren dahin. Überstunden am Montag abend. Ich glaube ich spinne.
Aber da.. da zuckte doch was. Ich konnte es nicht glauben, aber mein Feierabend lebte! Er raffte sich wieder auf, klopfte sich den Staub aus der schwarzen Kutte und sah mich erwartungsvoll an. Gekonnt warf ich ihm die Autoschlüssel zu und sagte ihm er solle sich schon mal rein setzen, damit er nicht doch noch in den Asphalt massiert wird.

Ganz schön zäher Bursche dieser Feierabend. Rettet mir den Montag und will dafür nicht mal eine Gegenleistung.

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2 Gedanken zu “CSI – Labor

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