Die Sache mit den Dimensionen

Wenn man an ein Haupthaus geknüpft ist, welches knapp 300 Laborfeen, Ärzte etc. beheimatet und am Tag mehrere zehntausend Proben durch die Geräte fegt, während die eigenen Räumlichkeiten in etwa die Größe einer durchschnittlichen Einzimmer Wohnung und etwa 100 Proben Durchsatz pro Tag beinhalten, ist das mit den Dimensionen manchmal schon so eine Sache.

Ich habe da diesen Kollegen, von dem ihr alle schon gelesen habt, wenn ihr mein Geschreibsel aufmerksam verfolgt.
Er ist genau der Kollege, den ich Tag für Tag für Tag mal panisch, mal genervt annöle, weil gerade wieder irgendetwas nicht seinen gewohnten Gang geht und ich deswegen meinen Seelenfrieden stark gefährdet sehe. Es handelt sich um jenen Kollegen, der sich dieses genöle stillschweigend und mit größter Geduld anhört, bis ich ihm Gelegenheit biete darauf zu antworten.
Nennen wir ihn, um dem Gesichtslosen wenigstens einen Namen zu geben, doch der Einfachheit halber mal Martin.

Wenn Martin sich nicht gerade  mein panisches (oder genervtes) geblubber anhört, ist er eigentlich der Abteilungsleiter des Krankenhausplatzes. Dazu gehören auch alle Außenstellen. Wenn man jetzt also mal kleinlich ist, ist Martin mein direkter Vorgesetzter. Er ist also quasi verpflichtet, sich um mein berufliches Wohlergehen zu kümmern, was ich auch bei jeder Gelegenheit, mehr oder weniger schamlos, ausnutze. Aber zu seinen betreuerischen Pflichten gehört nicht nur das gelegentliche Pat Pat machen, weil irgendetwas wieder nicht richtig läuft, sondern bei ihm bestelle ich auch all den Kleinkram, den man so braucht und der nichts mit Reagenzien zu tun hat.
Das ist an sich echt super, weil es mir viel telefoniererei bei knapp zwei Millionen verschiedenen Firmen erspart. Eine kurze EMail an Martin, in der ich aufliste, was ich wieder mal so brauche und keine zwei Tage später habe ich alles, zu einem hübschen Paket verklebt, im Labor stehen.

Nun ist es aber so, dass meine Mengenangaben, denen aus Ommas alten Rezepten verdammt ähnlich sehen. Da ich nie wirklich weiß, wieviel Martin gerade entbehren kann, bestehen meine Angaben des Öfteren aus den Worten etwas, ein wenig, ein bisschen, etc. . So mache ich deutlich, dass ich von dem Gewünschten etwas brauche, aber es Martin überlasse wieviel er mir davon schickt. Erst gestern bekam er wieder eine EMail mit der Bitte mir ein wenig Zellstoff zu schicken, da ich all meine Vorräte in die Trockenlegung meines Labors investiert habe.
Leider vergisst Martin, bei all dem Schicken, nur zu häufig, dass mein Labor in etwa die Größe eines ordinären Wohnzimmers hat und hier keine Straße voller Geräte steht, die alle mit irgendetwas versorgt werden wollen.

Aus diesem Grund hatte ich heute morgen einen riesigen Karton mit mehreren Kilogramm Zellstoff als Inhalt in meinem Labor stehen und musste erst einmal umräumen, damit ich alles untergebracht bekomme.
Da wird die Frage nach etwas Salzsäure, zum Spülen des Küvettenrades, schonmal gerne mit einem 5 Liter Kanister beantwortet, obwohl ich alle zwei Wochen nur etwa 150ml davon brauche.
Diese Methodik hat natürlich den unbestreitbaren Vorteil, dass ich Martin nicht alle paar Wochen nach neuem Zeug fragen muss, da es ja meistens bis knapp vor Sankt Nimmerleins Tag ausreicht.

Und nun, da ich diesen Eintrag tippe, wird mir auch etwas klar. Es ist gar nich Martins Vergesslichkeit, die ihn veranlasst mir soviel auf einmal zu schicken, sondern es ist seine Taktik, mal etwas Ruhe vor mir zu bekommen.

Martin, du bist durchschaut..

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