Endlich wieder Dienstag

HMPF!!!

Mehr bleibt mir da nicht zu sagen. Da dachte ich, in all meiner Naivität, ich hätte der Woche bereits zu ihrem Beginn ein Schnippchen geschlagen, weil ich dem üblichen Terror des Montags entflohen bin und somit einen Tag länger Zeit hatte die Motivation auf die Qualen dieser Woche vorzubereiten. Denkste!

Es begann bereits auf dem Weg zum Labor. Die Straßen waren so überfüllt, dass ich mir spontan einen Panzer wünschte, oder MacGyver, der mir aus dem herumfliegenden KrimsKrams in meinem Auto, einen hätte basteln können (Sogar einen mit vanilligem Raketenantrieb, weil in meinem Auto eine Vanilleduftkerze steht..), um über die Autos vor mir hinweg brettern zu können (Man mag an dieser Stelle vielleicht bereits vermuten, dass ich keine besonders geduldige Autofahrerin bin..). Ich überlegte kurzfristig, das Radio einzuschalten, um herauszufinden, weswegen die gesamte Stadt evakuiert zu werden scheint. Godzilla war nirgends zu sehen und auch sonst meldete sich keinerlei Naturkatastrophe, die ein fluchtartiges Verlassen des derzeitigen Aufenthaltsortes rechtfertigen würde, zu Wort. Auf der Spur neben mir, sah ich einen LKW, der Optimus Prime recht ähnlich sah. Aber da ich weit und breit weder einen gelb- schwarzen Camaro, noch irgendeinen Decepticon sah und auch keine brennenden Wracks oder sonstige Trümmerteile umher flogen, tat ich es als entfernte Familienähnlichkeit ab. Am Ende aller Überlegungen, blieb die Erkenntnis, dass es wohl wieder nur der Berufsverkehr war, der mir hier so nachhaltig meinen Morgen versaute. Man sollte meinen, jetzt, wo die Temperaturen wieder etwas moderater werden, siedelt das ganze Pack wieder auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Aber mal wieder weit gefehlt. Alles in die Karren, was den Lappen hat!

Im Labörchen angekommen, schnallte ich mir in bekannter Manier die Flügel an und verschaffte mir erstmal einen Überblick, die Gesamtsituation betreffend. Und ich war höchst unzufrieden. Da ich gestern ja nicht zugegen war, war die Vertretungsfee dafür verantwortlich, den Laden zu schmeißen. Nun…, sie hat etwas geschmissen. Aber statt des Ladens, wohl eher etwas IN den Laden. Ein mittelgroßes Bömbchen vielleicht.
Es war mir vollkommen neu, dass meine Vertretungsfee Tine Wittler heißt.
Nichts von dem, mit dem ich täglich in aller Regelmäßigkeit arbeite und das nich „Gerät“ heißt, stand noch an seinem Platz und wenn doch, dann war daran trotzdem irgendetwas grundlegend verändert. Es liegt mir fern, irgendjemandem mein System aufzuzwingen. Wenn jemand besser arbeiten kann, indem er etwas verändert oder umstellt, soll er das Labor meinetwegen pink streichen und mit Prilblumen dekorieren, aber dann soll er auch so nett sein, das Labor wieder so zu verlassen, wie er es vorgefunden hat, damit sich der Mensch, der dort eigentlich arbeitet (nämlich ICH!!), gleich wieder zurecht findet. Ich jedenfalls, würde es so machen. Da sieht man mal wieder die Naivität.

Was folgte, war eine halbe bis dreiviertel Stunde kopfloses durch das Labor laufen, um ertmal dir Lage zu sichten und alles wieder umzuräumen. Erst danach konnte der Labormorgen einigermaßen starten. Dem Himmel sei Dank, wollten die Meisten an diesem Morgen auch gleich eine exklusive Individualbetreuung ihrer Proben, da man mich gleich mit Notfällen überhäufte, die am Besten bereits gestern hätten fertig sein sollen. Auf die Information, dass vor 09:00 Uhr gar keine Proben gemessen werden und die Notfälle ergo nicht vor 09:30 Uhr fertig sein würden, folgte ein Anruf und die Frage, ob meine Geräte kaputt wären.
Ein rascher Blick in die Runde..

– Öhm..Nö..wieso?! Denen geht’s gut..
– Ja, weil die Notfallproben so lange bräuchten

(Auf dem, nun ultra laminierten, „Schild“ an meiner Labortür steht dick und fett, dass die Probenmessung um 09:00 Uhr beginnt. Wieso liest das eigentlich keiner?!)

– Die müssen erst einsatzbereit gemacht werden.
– Ach, sind die noch aus oder wie?

(Gedachte Antwort: Iwo, die sind in Wirklichkeit mit dem Lichtschalter gekoppelt. Sobald ich das Licht einschalte, springt alles an, wie auf der Kirmes. Ich habe nur einfach keinen Bock..)
Gesagte Antwort: Doch die sind schon an, aber ich muss sie noch warten und dann die internen Qualitätskontrollen messen, damit ich weiß, dass auch alle Werte korrekt gemessen werden und das dauert so lange wie eine ordinäre Probenmessung.

-Hmm..jaa..achsoo..

Narf!! Am frühen morgen schon so viele, wohl artikulierte Sätze absondern zu müssen ist einfach nichts für mich. Vor allem, wenn ich dabei noch die Bastard Laborfee from hell in Schach halten muss, die manchmal nur zu gern das Antworten für mich übernehmen würde.
Zwischenzeitlich waren die Kontrollergebnisse fertig und sorgten dafür, dass ich fast hinten über gekippt wäre. Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen. Und schnell wurde ich auch Gewahr welcher. Die beiden Hauptkontrollen waren vertauscht. Bzw. die Gefäße, in denen diese stehen. Kontrolle 1 stand in Röhrchen für Kontrolle 2 und umgekehrt, weil diese an der falschen Stelle im Probenrack standen. Und da ich sie grundsätzlich in richtiger Reihenfolge einsetze (ich kann nämlich ganz super bis acht zählen..(auf dem Gerät laufen acht Kontrollen, nur so zum Verständnis, auch wenn dieser Einwurf nun den Situationshass killt..)), habe ich nicht darauf geachtet. Die Kontroll EDV war also zurecht verwirrt, ob dieser abstrusen Werte, was für mich hieß, dass ich den ganzen Schnodder nochmals messen musste, denn solange nicht alle Kontrollen schön sind, laufen keine Proben. Welche sich, aufgrund dieser Verzögerung selbstredend auch wieder stapelten.
Nach dem zweiten Lauf war aber alles soweit in Ordnung und die Proben konnten ihre Reise durch das Gerät antreten. Als die ersten Ergebnisse vorlagen, fiel eine Patientenprobe fürchterlich unangenehm auf. Die daraus erhaltenen Messergebnisse waren jenseits von allem. Da rief die Pflicht in meiner Funktion als..na ich möchte es mal Truchsess dieser Räumlichkeiten nennen, König dürfte wohl mein Chef sein. Die Station muss grundsätzlich über solche Laborwerte informiert werden und da ich bereits sah, was da im Argen lag, habe ich das gleich mal selbst gemacht und auf der Station angerufen, um den Menschen, der das Pech hatte, den Anruf entgegen zu nehmen, mitzuteilen, dass da einige Werte nicht so schön wären. Truchsesspflicht und so. Da kann ich dann auch immer gleich fragen, ob der Patient wirklich krank ist (soll in einem Krankenhaus ja tatsächlich ab und an mal vorkommen…) oder ob irgendein Genius wieder den Infusionszugang für die Blutentnahme missbraucht hat. Die Motivation konnte sich vor Tatendrang kaum noch auf dem Stuhl halten und die Feenflügel flatterten ganz aufgeregt. Doch die Werte überhaupt weiter zu geben gestaltete sich schon schwieriger als gedacht, weil nämlich erstmal niemand zuständig war. Die Station, die im Auftrag angegeben wurde, war nicht di, auf der der Patient hätte ansässig sein sollen.
Also musste ich wieder einmal zur Großfahndung aufrufen. Nochmal Narf!!
Einige Zeit und Stationen später, bat ich, bisher erfolglos, die Zentrale um Hilfe, die mir auch glatt eine Nummer, nebst Station zu notieren gab. Super Sache. Ich konnte also endlich die Werte an die Schwester bringen und dann meiner eigentlichen Arbeit nachgehen. Das Telefon, am anderen Ende der Leitung, läutete, die Schwester nahm ab, ich teilte ihr mit, was ich mitzuteilen hatte und erfuhr: Patient verstorben.
Jetzt die Augen schließen und langsam bis zehn zählen. Tief durchatmen. Als der Schrei, der mir entfahren wollte, da die ganze Telefoniererei der letzten Minuten vollkommen umsonst war, niedergerungen war, konnte ich mich der Frage nicht erwehren, wieso ich überhaupt noch Proben von diesem Patienten im Labor hatte, wenn sie scheinbar nicht mehr benötigt würden. Die Worte der Schwester waren darauf nur, dass die Proben zusammen mit den anderen in der Versandttasche lagen und man sie nicht extra deswegen durchwühlen wollte. Prima, aber ein kurzer Anruf diesbezüglich wäre trotzdem ganz dufte gewesen.

Der verbleibende Vormittag verwandelte sich, nach all den morgendlichen Ereignissen, glücklicherweise in einen typischen Dienstagvormittag und auch der Nachmittag blieb idyllisch und friedlich. Bei Ankunft des zweiten Fahrers, verabschiedete sich Hirn schon mal frühzeitig in den wohl verdienten Feierabend, bekam aber den Bereitschaftsbeeper mit auf den Weg. Man weiß ja nie..
Dieser begann dann unmittelbar vor Feierabend metaphorisch zu piepsen, als augenscheinlich wieder einmal ein Zivilist den Weg in mein Labor gefunden hat, ein Konstrukt aus Versandtaschen vor meine Nase haltend.

– Bin ich hier richtig?
Auftritt Hirn!
– Öhm..das wird vermutlich darauf ankommen, wohin Sie wollen und was Sie möchten..
(Gedankliche Fortsetzung: Für ein kleines Steinofenbrot oder ein halbes Pfund Aufschnitt dürften Sie hier falsch sein..möglicher Kunde..immer nett bleiben..)
– Ja, ich will ins Labor
– Das sind sie schonmal richtig (Konnte er ja auch nicht wissen, da der Zettel, der die Tür, an der er klebt, als Labortür kennzeichnet, noch nicht ultra laminiert ist 😉  )
– Ich soll das hier abgeben (wieder mit dem Konstrukt wedelnd)
– Das ist ganz prima, aber was ist das?! (Schon gut Hirn, geh wieder nach hause, den Rest schaffe ich, glaube ich, allein)
– Achso, das sind Proben aus der Praxis Schlagmichblau, ich fahre die Tour für die und soll das für den Fahrer deiner Tour jetzt immer hier abgeben. Zeitmanagement und so..
– Ach, du bist vom Fahrdienst oder wie?! (Jetzt wo Hirn wieder weg ist, lahmt die Auffassungsgabe ein wenig…)
– Jaaa genau.
– Moah, sag das doch gleich!! Hätten wir uns den ganzen Dialog doch schenken können. Fahrerkiste, da hinten rechts, erste Tür, einfach zu dem anderen Schmodder schmeißen.

Na das war doch noch ein lustiger Plausch zum Feierabend. Dem habe ich heute übrigens auch einen Keks mitgebracht. Dem Feierabend, nicht dem Plausch.
Der Laden war glücklicherweise schnell sauber und anschließend dicht gemacht und so konnte ich mich frohen Mutes in Richtung Auto auf den Weg machen, das selbstverständlich wieder am anderen Ende der Welt geparkt war. In der Hoffnung, dass die Stadt, während meiner Heimreise nicht re evakuiert wird (Was ist das Gegenteil von evakuieren?! Bzw. wie heißt das Wort, das beschreibt, was ich gerade auzudrücken versuche?! Wer es weiß, möge es bitte in der Kommentarwolke verewigen…), machte ich mich auf den Weg gen Heimat, Küche und Bettchen.

Und im Bettchen bin ich jetzt und esse Schokolade. 😉 Habt einen schönen Abend.

4 Gedanken zu “Endlich wieder Dienstag

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