Von Papierkrieg und Zellenreiten

Den gestrigen Tag habe ich blogtechnisch einfach mal geschwänzt, wie manch ein regelmäßiger Vorbeischauer vielleicht bemerkt haben mag, daher hier vorab ein kurzer Abriss des gestrigen Tages.
Mein kleines Städtchen, in dem ich derzeit residiere, kam in den Genuss, bestreikt zu werden, weswegen sich das Verkehrsaufkommen von Dienstag wie laffer Kamillentee ausnahm und ich fröhliche 60 Minuten für 15km Strecke benötigte. Ich bin tatsächlich zu spät ins Labor gekommen..Sachen gibt’s..

Der Tag verlief recht ruhig und dank meinen lieben Freunden von der Intensivstation, deren Spätdienst in aller Konsequenz ignoriert, dass ich zu gewissen Zeiten das Labor, zwecks Feierabend, zu verlassen gedenke, durfte ich auch mal wieder länger verweilen.
3 Minuten vor Schluss ließ es sich die Schwester nicht nehmen, mir noch einige Röhrchen in die Hand zu drücken. Wenn man dann im Auftrag liest, dass der sogenannte „Notfall“ vorher noch eine Stunde lang auf der Station dekantierte, bevor er zu mir kam..Narf!
Und es waren selbstverständlich keine -mal eben durchs Gerät gefegt, ist schnell gemacht- Probe, sondern eine -alles viel zu hoch, dass muss noch 2x kontrolliert werden- Probe, weswegen sich alles ellen lang hinzog. Endlich im Auto und auf der Straße, kam die Erinnerung, dass das kleine Städtchen immernoch bestreikt wird, abrupt zurück, da ich mich auf einer Straße voller -mit nach hause Fahrern- wieder fand, die alle mit Durchschnittsgeschwindigkeit 15 km/h durch die Straßen rollten und mir so wieder eine wunderbare Stunde Heimfahrt bescherten. Und was macht man, wenn man sowieso schon sauer ist und gezwungen wird in einem Auto zu sitzen, das quasi parkt?! Richtig, man sucht sich das übelste Asigeschramme und beschallt damit sich und seine Umwelt. Ich habe mich kurzerhand für Faderhead entschieden. Da sah die Welt dann wieder etwas besser aus und der Heimweg gestaltete sich erträglicher für meine Magenschleimhaut.

Der heutige Tag gestaltete sich ebenfalls recht stressfrei und entpuppte sich bereits am Vormittag zu einem typischen Donnerstag. Gut für mich, denn bei der Wartung heute morgen trat ein Fehler in der Küvettenprüfung auf und wollte behoben werden. Schlecht für mich, dass man mich nich ließ. Proben gab es heute zwar nicht viele, aber die, die kamen, kamen selbstverständlich wieder alle einzeln, so dass ich das Küvettenprüfen, mangels Möglichkeit, auf morgen verlegte, in der Hoffnung, dass der Freitag seine depressive Phase hat und mich nicht mit zuviel Arbeit straft. Während der zahlreichen längeren Phasen des Wartens, schickte ich mich an, meinen relativ neuen Internetanschluss zu strapazieren. Da aber die Tatsache, dass ich zum Arbeiten da bin, im Vordergrund steht, sind all die tollen Seiten, mit denen ich mich im world wide web beschäftige, natürlich gesperrt. Was also tun, wenn man sich bespaßen möchte, es aber weiterhin so aussehen soll, als wäre man gerade weiterbildungstechnisch im Internet unterwegs? Man geht zum Zellenreiten.
Ein Programm für Laborfeen, dass ich während meiner Ausbildungszeit verwendet habe, um mir die Morphologie von Blutzellen näher zu bringen. Es gibt entgegen der weitläufigen Meinung nämlich mehr als drei Arten von Blutzellen. Die Biester kann man unterteilen. Ich weiß, ich bin ein Nerd, aber es macht immer wieder Spaß. Und die Sache mit der Weiterbildung ist auch nicht gelogen, weil man so das Gelernte wieder reaktivieren kann. Naja, wenn man dann noch weiß wie der ganze Verein aussieht. Ein paar der ollen Blutzellen würde ich wohl auch nicht erkennen, wenn der Name mit blinkendem Neonlicht dran stehen würde. Aber alles in allem kam ich ganz gut weg, dafür, dass ich seit fast zwei Jahren kein Mikroskop mehr angefasst habe.
Da aber auch das Zellenreiten irgendwann beendet war, beschloss ich, ein wenig Ordnung zu machen. Und wurde just von einem Haufen Papier angefallen. Ich gebe zu, ich bin ein Abheftmuffel. Ich kultiviere eine Zettelwirtschaft ungeahnten Ausmaßes, die darauf wartet, in die dafür vorgesehenen Ordner überführt, bzw. ins Haupthaus geschickt zu werden. Nach längerer Überlegung, kam ich zu dem Schluss, dass es eigentlich noch ordentlich genug ist und wandte mich der Dame vom Lieferdienst zu, die gerade rechtzeitig mit einem Stapel Kartons duch die Tür gerauscht kam. Meine Bestellung war im Ankommen begriffen. Dienstag war großes Bestellen angesagt, weil in allen Kühlschränken gähnende Leere herrschte und ich nur ungern auf dem trockenen sitzen wollte.
Da gab es wieder viel für mich zum Auspacken. Ich liebe es einfach, irgendwas auszupacken. Egal was. Das gibt mir immer so ein Weihnachtsgefühl 😀 .
Aber da war es schon wieder. Papier. Lieferscheine gibt es zu den Bestellungen nämlich immer gratis dazu. Diese gesellten sich auch gleich zu ihren Freunden auf den Zettelhaufen, der mich schon mehr als vorwurfsvoll ansah und metaphorisch knurrte. Ich kümmere mich morgen drum. Versprochen!

So und nun zum Schluss noch der Satz einer Schwester, der mir aus unerfindlichen Gründen meinen Tag sehr erhellte.
-Mir ist eben die scheiß Vene geplatzt!!-  Da freut sich der Patient morgen sicherlich über ein dickes Hämatom.

Und weil ich morgen nicht zugegen sein werde, verabschiede ich mich heute schon mal ins Wochenende 🙂

Wiederschau’n, Reingehau’n

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3 Gedanken zu “Von Papierkrieg und Zellenreiten

  1. Faderhead ist toll und auspacken auch! 😄 Gehörst du auch du den Leuten, die Geschenke und co immer ganz ordentlich auspacken, damit es länger dauert und man sich länger freuen kann?
    Ein Glück, dass dein Labor nicht im Labyrinth der träumenden Bücher liegt, sonst würde dein Papierhaufen tatsächlich ein Eigenleben entwickeln…
    Ich guck meinen Venen ja gern beim Kugelfischspielen zu…
    Aus irgendeinem Grund verschätzen sich die meisten Pfleger, Schwestern, Arzthelfer/-innen und (angehende) Ärzte/-innen meistens und stochern so lange in meinen Armen rum, bis die keine Lust mehr haben und einfach kollabieren mit der Hintergrundmusik „Ällabätsch“ von JBO…

  2. Ich oute mich mal als Neuleserin. Toller Blog, habe schon viel gelacht! Faderhead ist wirklich genial. Für future Frustanfälle empfehle ich wärmstens Ministry und da besonders „New world order“. :o))

    • Dann sei herzlich Willkommen bei mir und meinem Wahnsinn 🙂 Ich freue mich, dass es dir gefällt.

      Ministry werde ich gleich antesten, sobald ich zu hause bin und erstatte dann Bericht, da ich mich gerade noch in des Wahnsinns Hort befinde 😉

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