Land unter im Labor

So, Woche vorbei. Jedenfalls für mich. Nijahahahahaha ich habe morgen nämlich frei. Ich muss zwar einen sauer verdienten Urlaubstag dafür opfern, aber wie man mir neulich erst mitgeteilt hat, ist Urlaub nehmen dieses Jahr sowieso irgendwie schlecht. Nicht die Saison für Urlaub.
Also hat sich die schlaue Laborfee für ihren Gang zu den Ämtern dieser Welt einen Freitag ausgesucht, damit sie gleich ein langes Wochenende zelebrieren kann. Ich habe ja erst neulich einen Urlaubstag mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen, weil ich zum Amt wollte und hätte ich den Wisch, den die netten Menschen mir geschickt haben, auch gelesen, hätte das sicher auch geklappt. Habe ich aber nicht und somit konnte das ja nur schief gehen. Fotos hatte ich auch keine mehr, die musste ich dann auch erst fertigen lassen. Auf diesen biometrischen Dingern hat man wirklich keine Chance gut auszusehen.

Jedenfalls schlage ich heute morgen im Labor auf, körperlich in höchstem Maße anwesend, geistig irgendwie noch vor mich hin sabbernd und komme aus der Motivation gar nicht mehr raus, weil 1.) Donnerstag ist, DER Gammeltag, wenn es je einen gegeben hat und 2.) ist es der letzte Tag der Woche. YÄHÄY!!

Das morgendliche Vorbereiten läuft wie gehabt, Proben aus der letzten Nacht sind gar kümmerlich wenig, alles deutet auf einen wunderbar chillexigen Donnerstag hin.
Während die Kontrollen fröhlich durch die Geräte juckeln, amüsiere ich mich köstlich über DocVapors neustes Erlebnis im OP. Ob man den Menschen wohl noch heiraten kann? 😉

Kontrollen sind soweit alle fein, Routine kann losgehen. Gerade mache ich mich an der Zentrifuge zu schaffen, da klingelt das Telefon. Rufton für Auswärtsanrufe. Mit ziemlicher Sicherheit das Haupthaus. Vertreter für Medizinprodukte haben für gewöhnlich den Anstand nicht vor 12 Uhr anzurufen. Haupthaus ist tatsächlich dran.

Ich: ??? (Immernoch nicht gänzlich da im Geiste..) Nnnnjaaaaaa..Fee hier?
Annette: Guten moohoorgen *träller* Annette hier, Haupthaus

(Whoa..ich bin allergisch gegen so viel gute Laune am frühen morgen..)

A: Sag mal, hast du Probleme mit der EDV?
I: Öhhmmm (Hirn! Ich brauch dich hier, komm mal kurz!!) Augenblicklich nicht, Laden läuft, wieso?
A: Wirf mal bitte rasch einen Blick auf deine Resteliste
I: (Das auch noch…) Oki Doke
I: Annette….WAS IST DAS?!
A: Die EDV hat das heutige Update nicht überlebt. Die arbeiten dran, dauert aber noch ein bisschen. Nur, dass du Bescheid weißt
I: Danke is nett..bis später
A: Jahaaaaa *träller‘
-Aufgelegt-

Moah..

Der Blick auf die Resteliste zeigt ein Bild des Grauens. Nach dem missglückten Update, sah sich das EDV Programm dazu berufen sporadisch bei allen Patienten von gestern wahllos irgendwelche Werte auf Null zu setzen. Wo gestern, beispielsweise, noch ein Calcium von 2,3 stand, steht heute ein Calcium von 0. Das ließ wiederrum die Einstellung für Extremwerte auf horchen, die Werte, welche zu hoch oder zu niedrig sind, erstmal sperrt, damit sie im Befund nicht sichtbar sind und vor der Freigabe kontrolliert werden können.
Die Extremwert Einstellung machte auch gleich fleißig ihren Job und sperrt erstmal auf Teufel komm raus und schreit mich jetzt metaphorisch an, dass das jetzt alles nochmal kontrolliert werden muss. Das macht sie deutlich, indem sie mir den ganzen Modder auf die Resteliste knallt, die jetzt selbstverständlich überquillt.
Ich beschließe, dass ich der morgendlichen Routine erstmal Priorität einräume, solange alles noch funktioniert. Sind auch schon wieder genug Eilproben dabei. Daher erstmal ab dafür und bezüglich des EDV Problems auf neue Instruktionen warten.

Die kommen einige Zeit später auch. Manifestiert in einem Anruf von Bärbel. Bärbel klingt, als hätte sie heute schon mehrfach gegen den Drang angekämpft, einfach alles niederzubrennen und nach hause zu fahren.

Bärbel: Hoi Fee, Bärbel hier, sach ma, kannst du schon wieder arbeiten?
Ich: Was heißt schon wieder?! Bis auf die Restelistenkatastrophe läuft der Laden..
B: Kontrollen und alles konntest du machen?
I: Jip, waren alle fein..
B: Ok gut und wegen der Resteliste…also der Chef sagt, am Besten nochmal alle Ergebnisse von gestern an die EDV schicken. Auf keeeeeinen Fall iiiiiirgendwas überschreiben, denn da können ja Fehler passieren.
I: Ähm..dann hab ich aber alles doppelt und dreifach im Speicher, das will auch alles noch mal freigegeben werden..
B: Also wenn es für dich einfacher ist, kannste das auch überschreiben. Ist nur die offizielle Order vom Chef..damit du die wenigstens mal gehört hast.
I: Ich guck mal am Einfachsten geht..
B: Ja mach das mal..Im Moment ist erstmal Schadenbegrenzung angesagt.
I: Na tolle Wurst. Dann mach ich mich mal ran..
B: Ja, bis später

-Aufgelegt-

Ganz großer Sport!
Mittlerweile haben die Stationen auch spitz gekriegt, dass irgendwas nicht rund läuft, denn das Telefon klingelt im Akkord und treibt mich in den Wahnsinn, weil es mich aktiv davon abhält mir eine Lösung für die Restelistenkatastrophe zu ersinnen.
Dabei sind die, in Panik in den Hörer gestammelten Fragen und Aussagen die gleichen, wie beim letzten EDV Crash. Dazu lernen will gelernt sein.

  • Wir kommen nicht ins System. Wie kommen wir denn jetzt an die Werte?
  • Wir haben Proben fürs Labor, aber können keine Klebchen drucken. Was sollen wir tun?
  • Können Sie und die Befunde nicht faxen?
  • Wie sind die Werte von Herrn/Frau XYZ

undsoweiter undsoweiter undsoweiter
Dabei ungeschlagen auf Platz 1 die Feststellung, dass das System nicht funktioniert. Für mich keine so interessante, weil nicht neue, Information.
Meine Antworten auf die EDV Crash Hitparade sind dementsprechend auch nicht besonders innovativ, auch deswegen, weil ich mich ziemlich zusammenreißen muss, um nicht Erstickungstodgleich in den Hörer zu husten. Günni vom Bau hat sich wieder verzogen und zieht fein seine Lastwagen, seinen Hund hat er mir freundlicher Weise aber noch da gelassen. Der scheint sich die Tollwut eingefangen zu haben und bellt so aggressiv wie noch nie. Vor lauter Husten befürchte ich schon einem lebenswichtigen Gefäß in meinem Kopf verlustig zu gehen. Es ist ein Trauerspiel. Dementsprechend kurz sind meine Antworten.

  • Werte könnt ihr von mir haben,müsst ihr euch nur abholen, mein System läuft.
  • Anforderungsschein benutzen
  • Nein! (Weil kein Faxgerät)
  • Werte von Herrn/Frau XYZ

Nachdem der Telefonmarathon beendet ist und mir alle mal erzählt haben, dass da was mit dem System nicht stimmt, habe ich dann auch Zeit mich um die Restelistenkatastrophe zu kümmern. Die Frage ist nur wie?
Ein Plan muss her. Also schreibe ich mir erstmal alle Auftragsnummern mit gestrigem Datum raus, sind nicht wenige. Danach mal sporadisch in ein paar Aufträge gucken. Problem: Die alten Werte werden nicht mehr angezeigt. Ja ganz toll. Also doch das Gerätchen bequemen und nochmal alle Ergebnisse von gestern an die EDV schicken. Gesagt, getan. Mit dem Ergebnis, dass ich ALLE!! gemessenen Werte nochmal frei geben darf. 102 Proben. Atmen Fee…aaatmen!

Auch die Laborleitung lässt sich nicht lumpen und ruft gleich auch noch an, um ein paar Informationen fallen zu lassen. Informationen, die ich drei Minuten vorher gebraucht und die mir das ganze Ergebnisse durch die Gegend schicken einfach mal erspart hätten. HASS!!
Also erst alles nochmal freigeben und DANN nochmal kontrollieren. Und das neben der üblichen Routine, die heute selbstverständlich auch noch zahlreicher ausfällt als sonst. Und überhaupt, scheinen Notfälle immer dann gehäuft aufzutreten, wenn gerade gar nichts funktioniert.
Aber da stehe ich drüber. Es könnte schlimmer sein. Ich könnte jetzt im Haupthaus sein. Ich muss nur 100 und ein paar gedrückte Proben kontrollieren. Die armen Hunde drüben mehrere tausend. Am Mittag ist meine Resteliste von ihrem unschönen Ballast befreit. Es kommt zwar immernoch keiner so richtig an seine Patientenwerte, aber für irgendwas muss die Laborfee schließlich auch hier sitzen, nicht wahr?

Bärbel ruft noch einmal kurz an und teilt mit, dass nun alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt. Na erstmal abwarten. Leider vergesse ich, sie darauf hinzuweisen, dass ich morgen frei habe. Sowas kann bei so viel Chaos schonmal unter gehen. Also Nachmittags, kurz nach Fahrer, noch schnelll bei Martin angeklingelt. Der hat Spätdienst. Und klingt in etwa so, wie Bärbel am Vormittag.
Würde mich nicht wundern, wenn morgen in der Zeitung steht, dass eine große Laborgemeinschaft bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist.

I: Hallo Martiihiiiin *träller* (Am Nachmittag ist gute Laune kein Problem)
M: Njaaaaa, Hi
I: Martin, ich hab morgen frei, nur für den Fall, dass das heute unter gegangen ist.
M: Njaaaaa, müssen wir mal gucken, die Vertretungsfee ist noch krank..
oO Schnappatmung

I: Wie, die is krank? WIESO IS DIE KRANK?!
M: Hat sich den Magen verdorben, wissen noch nicht, ob sie morgen wieder fit is. Hatten in dem Chaos heute aber auch noch keine Zeit uns nen Kopf zu machen, was ist, wenn nicht.

Njoaaa, wär aber trotzdem nett gewesen, wenn man mir mal was gesagt hätte..

I: Hmm *ziemlich sparsam*..das ist jetzt irgendwie..suboptimal. (Ich bin großer Anhänger des heiligen St. Offenbar) Was ist denn, wenn sie morgen nicht fit is?
M: Och joa, dann kommt jemand anders..mal sehen..reden wir später drüber..

Hallo?! Ich hab in 2, in Buchstaben ZWEI, Stunden Feierabend?!

Das ich auch nicht die Klappe halten kann. Ich bin einfach eine zu pflichtbewusste Fee. Jetzt hilft nur die blanke, geballte Zuversicht ausstrahlen! Mit Glitzer!!

Kurz rekapituliere ich die Situation.
Martin sagte, zur Not kommt jemand anders vorbei. Das geht, denn sowohl er, als auch eine andere Kollegin wissen, wie der Laden läuft. klingt ja schonmal nicht schlecht.
Ich verabschiede mich mit einem „Sag Bescheid“ aus dem Gespräch und rekapituliere erneut.
Feierabend in zwei Stunden. Bis dahin ist das nie und nimmer geklärt, weil die drüben immernoch Chaos deluxe haben. Ich glaube ich bin aus dem Schneider. 😉
Eine Stunde später, schon wieder ein Problem mit der EDV. Ich würde mich doch sehr wundern, wenn das mogen schon ausgestanden ist.

Zum Glück bin ich morgen nicht da.

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2 Gedanken zu “Land unter im Labor

  1. Neues aus der Abteilung „Computer helfen uns, Probleme zu lösen, die wir ohne sie gar nicht hätten“… Gute Erholung, ich hoffe doch,der „Du musst aber un-be-dingt Freitag kommen“-Anruf blieb aus.
    (Deshalb ist ja VoIP-Telefonie bei uns Netzwerkern so beliebt: wenn das EDV-Netz ausfällt, klingeln wenigstens auch die Telefone nicht mehr }:-) )

    • Der Anruf blieb zum Glück tatsächlich aus. Habe mich aber heute auch nicht getraut anzurufen und mal zu fragen, wer jetzt eigentlich für mich da sitzt^^
      Danke, gegen Günnis Köter habe ich jetzt die chemische Keule mobilisiert. Der sollte sich bald wieder zu Herrchen verzogen haben 😉

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