Nichts passiert…

Bergfest. Hälfte geschafft. Ab heute gehts ohne Umwege aufs Wochenende zu. Ein friedlicher Tag war es.

Die Online Box hat, ob meiner geballten Autorität, kapituliert und ging den ganzen Tag hoch motiviert ihrer Arbeit nach. Jaaa, bösartig kann ich auch! Aber wehe das Ding fasst mir nochmal einer an. Ich überlegte zeitweise schon, ob ich nicht einen blinkenden Verkehrskegel, nebst Absperrband, davor  positionieren sollte, überlegte es mir dann aber anders, aus Angst, ein potentieller Anfasser könnte von dem blinkenden Licht angezogen werden.

Meine Grundstimmung bewegte sich heute konstant irgendwo zwischen „Sprich mich bloß nicht an“ und „Tust du es doch, fress ich dich auf“ und die Motivation versteckte sich wohlwissend in den Büschen, damit ich sie nicht finden kann. Ich machte mir allerdings auch nicht die Mühe, nach ihr zu suchen, was sie, glaube ich, ein wenig enttäuschte.

Nichts desto trotz verlief der Tag ohne viel Zeck Meck, dafür mit dem üblichen Wahnsinn. Es begann schon vor Routinestart. Die Intensivstation (wer auch sonst..) brachte ihre Proben und zwischen all den kleinen Pröbis versteckte sich auch ein Lithium Heparin Röhrchen. Ich kann damit nichts anfangen, aber die Zentralambulanz verwendet die für das Messen von Notfällen.
Freundlich wie ich, auch mit abgrundtief schlechter Laune, nun mal eben bin, rief ich also meine lieben Freunde von Intensiv an und setzte sie über den Verbleib ihres Notfallröhrchens in Kenntnis, mit dem Zusatz, dass es bitte bei mir abgeholt werden möge, sollten sie daraus noch irgendetwas messen wollen.
Ich bin zwar freundlich, aber so freundlich, dass ich denen ihren Gluteus maximus hinterher trage bin ich dann doch nicht. Mittwoch morgen habe ich einfach mal selber genug zu tun. Das Schwesterlein am anderen Ende des Telefons nahm meine Informationen so zur Kenntnis, machte aber nicht wirklich den Eindruck, als wüsste sie wovon ich in dem Moment sprach. Ich sollte Recht behalten. Am frühen Vormittag hatte sich immernoch niemand veranlasst gesehen das Röhrchen aus dem Röhrchenparadies abzuholen und auch am Mittag und Nachmittag kam niemand mehr. War also wohl doch kein Notfall.

Ein gänzlich unbekleidetes Röhrchen war auch wieder dabei, welches gleich den Weg in die Tonne fand. Gegen Mittag rief dann Frau Dr. Völliggenervt an und forderte Parameter nach, für die ich, wie könnte es anders sein, gar kein Material bekommen habe. Das nahm sie dann mal so zur Kenntnis. Was hätte sie auch sonst tun sollen? Gleich darauf rief mich Schwesterlein von Intensiv nochmals an, um mir mitzuteilen, dass auf jeden Fall Material von diesem Patienten eingegangen sein müsste, da er ja schließlich
-Achtung, Begründung-
Elektrolyte (Na, K, Cl ) gemessen bekommen sollte. Was soll man bei dieser messerscharfen Logik noch geistreiches Antworten?!
Ich verwies sie noch rasch darauf, dass sich unter den Proben auch ein nacktes Röhrchen befand, bei welchem es sich eventuell um das vermisste Material handeln könnte und verabschiedete mich aus dem Gespräch.

Der Vormittag verging mit vielen Notfällen, vielen, in keinster Weise pflegeleichten Proben und noch mehr „kannste mal, machste mal“ seitens der Schwesternschaft. Kann ich alles, mach ich alles, aber bitte nicht so schnell. Ich war und bin nämlich immernoch etwas unpässlich, was viele, schnelle Bewegungen anbelangt. Alles in allem geht es mir, als wäre mir Frau Freitags Nacken in die Seite gerutscht. Ein kleines Überbleibsel vom Kampf mit Günnis Köter.

Am frühen Nachmittag, mit Dienstwechsel stand Schwester Marina in meiner Tür. Aha, Schwester Marina hat also Spätdienst. Super Sache. In echt. Schwester Marina ist eine meiner liebsten Kolleginnen aus der Ambulanz. Von ihr habe ich auch schon Opfergaben bekommen 😉 Aber auch ohne arbeite ich gern mit ihr. Man kann mit ihr so herrlich lästern feststellen.

Das einzige, was ich so gar nicht leiden kann, ist, dass sie in mein Labor kommt und mich ruft, als wäre ich ihr kleines Hundchen. ich erwarte immer, dass sie mir ein Leckerlie zuwirft, wenn ich zur Theke getrottet komme.
Heute ging sie mir zusätzlich noch ein wenig auf den Wecker, weil einfach alles was sie mir brachte total ultra, supra eilig war. Gut, da konnte sie nichts für, aber der Bote wird ja immer angeranzt.

Das Problem ist, dass ich bei eiligen Proben immer gleich in den Notfallmodus verfalle und einfach nur angespannt bin, weil jeden Moment ein erzürnter Arzt anrufen könnte, der die Ergebnisse wissen möchte. Dass ich den Notfall gerade erst bekommen habe, heißt nämlich keineswegs, dass das Material auch gerade erst abgenommen wurde. Das könnte auch von einer Schwester zu einem Notfall befördert worden sein, eben weil es bereits seit vier Stunden auf der Station vor sich hin gammelt.

Passiert bei Proben aus der Ambulanz aber eher selten, da die Proben recht zügig gebracht werden und wenn mal ein Arzt von denen durchklingelt, ist es König Nachforder, Herzog zu Mentoskau, Freiherr von Minzfrisch und der Mann ist so Tiefenentspannt, dass er nur selten verärgert ist. Minzfrisch Power eben.
Aber der Notfallmodus ist bei mir eben drin, egal welche Station, weswegen ich mich eine halbe Stunde später fühle, als hätte sich ein Nagelbrett in meiner rechten Seite materialisiert und atmen via Hautatmung mutete auch wieder sehr erstrebenswert an.

Unmittelbar vor Fahrer, traf ich meinen guten Freund Marc wieder. Dieser stand in meiner Tür und wedelte mit Probenröhrchen vor meinem Gesicht herum. Eilprobe, bitte vorziehen. Kein Problem. Moment, doch Problem. Dabei ist auch ein Blutgruppenröhrchen. Ohne Anforderungsschein, nur mit Namensklebchen. Und das ganz unmittelbar kurz vor Fahrer. Also durfte Marc nochmal flitzen und ich den Fahrer aufhalten. Nur damit Marc dann angerannt kam um mir zu sagen, dass Dr. Intensivstation das Zettelchen schon lange weggefaxt hat. Sowas kann man dem Boten ja auch nicht einfach mal sagen, damit er antworten kann, wenn die Fee pflichtbewusst nach dem Zettel fragt. Egoistenpack!

Inzwischen war es im Labor und dem Nebenräumchen auch wieder (un-)angenehm warm (36°C) und ich wünschte mir, ich hätte etwas luftigeres angezogen. Stattdessen entledigte ich mich der ersten unliebsamen Kleidungsstücke. Kittel und Handschuhe. Dabei blieb es auch, keine Sorge.
Es wird langsam wieder Zeit Martin wegen der Klimaanlage zu nerven. Da freut er sich bestimmt, nachdem ich ihn gestern schon wegen einer neuen Online Box angehauen habe.
Ich habe ja an sich nichts gegen Hitze, aber letzten Sommer erreichte mein Labor Spitzenwerte von 42°C. Arbeitet mal 10 Stunden bei den Temperaturen..ekelig! Schlecht für die Proben, schlecht für die Geräte, schlecht für die Laborfee. Könnte ich diesen Sommer gut drauf verzichten. Die Zentrifuge jappst jetzt schon, weil sie Probleme hat ihre Kühlung aufrecht zu erhalten. Bald darf ich wieder das Kondenswasser da raus löffeln..

Während ich noch überlege, wie ich der Fuge Linderung verschaffen könnte (Wenn sich das Ding irgendwann spontan dazu entschließt in den Hitzestreik zu treten, ist aber Holland in Not..), kam Schwester Marina wieder hereingestürmt und tat das, was mich noch viel mehr nervt, als das Hundchen gerufe. Sie sprach noch bevor ich vor ihr stand. Wenn alles rödelt und arbeitet, ist es im Laborchen in etwa so laut wie auf einer Baustelle. Man versteht nichts, wenn man sich im hinteren Teil des Labors aufhält und vorn an der Theke jemand spricht. Versteht nur leider keiner, obwohl so oft angemerkt wird, wie laut es bei mir immer ist.

Kurz vor Feierabend, ließ es König Nachforder (usw usw) nicht nehmen mir noch einige Proben zukommen zu lassen, die selbstverständlich alle nicht warten konnten und mir somit mal wieder gänzlich meinen Feierabend madig machten. Als besonderes Schmankerl waren sie auch alle nicht pflegeleicht und mussten alle noch mindestens ein Mal kontrolliert werden.

Nachdem ich endlich zum kleinen Dicken an den Gluteus maximus der Welt pilgern durfte, ging es im Eiltempo nach hause (selbstredend war Stau…), wo jetzt mein wirklich guter Freund Häagen auf mich wartet und mir hoffentlich die schlechte Laune vertreibt. Er hat heute Kekse dabei. 😀

Ich sagte doch, es ist nicht das geringste passiert.

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6 Gedanken zu “Nichts passiert…

  1. Der ganz normaler Wahnsinn, aber Freiherr von Minzfrisch würde ich gerne mal ein Pfefferminzplätzchen „liebevoll“ in den Rachen stopfen.

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