Erinnerung einer Laborfee – Weiter geht’s

I: ZIEH IHN RAUS! *freundlich aber bestimmt..immernoch wie ein Schlumpf kling*

J: *enttäuscht grummel*

Netter Weise leistete sie meinem Wunsch folge, befreite mich von dem Schlauch (Es klebte kein Hirn dran, Hinterkopf war, soweit ich fühlen konnte, intakt) und warf ihn, etwas geknickt drein schauend, in den Abfalleimer.
Man sah ihr deutlich an, dass sie sehr enttäuscht war wegen dieses Misserfolgs. Im Stillen machte ich mir Vorwürfe, dass mir mein Wohlergehen in diesem Moment wichtiger war, als ihre berufliche Kompetenz. Dieser Gedanke verflüchtigte sich jedoch recht schnell, ging es doch hier um das Innere meines Kopfes. Irgendwo sollte man die Grenzen schon setzen.

Um sie etwas abzulenken, besprach ich mit ihr die Aktivitäten der nächsten Tage und wie wir den Freitag am Besten ausklingen lassen könnten. Viel war mit ihr, nach dieser Enttäuschung nicht mehr los, weswegen wir beschlossen den Abend auf der Couch, mit Walt Disney, Bier und Chips (..und Schokolade..und Gummibärchen..) zu verbringen. Doch schon den ersten Film verfolgte sie gänzlich unaufmerksam und ich bemerkte, dass ihr Blick immer wieder auf den Abfalleimer fiel. Und schon wieder bekam ihr Gesicht diesen Ausdruck.

I: Fühlst du dich durch den Abfalleimer irgendwie angegriffen?

J: Hm?

I: Ja, du guckst da immer wieder hin, was hat der Eimer dir getan?

J: Ich weiß jetzt was verkehrt war.

I: ??

J: Ich weiß jetzt, wieso das mit dem Schlauch nicht geklappt hat.

I: Aha..und warum nicht?

J: Ich habe ihn nicht nass gemacht. Der muss aber nass sein.

Logisch..ist wie mit dem Schwamm und dem Salzwasser in „The Green Mile“.

I: Aha..na dann freu dich, dass du den Fehler gefunden hast. Den machst du beim nächsten Mal dann nicht mehr.

J: *Hundeblick aufsetz und intensivier*

I: Du willst es noch mal versuchen, oder?

Wieso habe ich das gefragt?!

J: *heftig zustimmend nick*

I: Hast du noch einen Schlauch dabei?

J: *kopfschüttel und zum Abfalleimer schiel*

I: Ähm..der liegt im Abfalleimer?!

J: Ach, das ist nicht schlimm, der Schlauch muss nicht steril sein und der Eimer ist ja leer.

I: Naja aber nicht vollkommen Mikrobenverseucht wäre schon wünschenswert..

J: *Hundeblick weiter intensivier*

I: Jaaaaa, schon gut, aber wasch das Ding vorher wenigstens ab!

Sie ist meine BF, mann.. Ich kann ihr einfach nichts abschlagen..

J: *freudig strahl*

Der Schlauch wurde also wieder reaktiviert, wieder an meine Nase gesteckt und wieder Richtung oben geschoben.

Und wieder dieses Hirnfrost Gefühl.

Dieses Mal fand der Schlauch die Verbindung zwischen Nase und Rachen tatsächlich spielend. Was ein wenig Wasser doch alles auszumachen vermag.

J: YEÄÄH!! Es klappt.

I: Und da kann auch wirklich nichts passieren?

J: Hm..eeeeeigentlich nicht.

I: Hm? Wie eigentlich? Eben war da noch kein eigentlich.

J: Ja, also es kann passieren, dass ich deine Luftröhre treffe.

I: -.-

J: …und du einen Atemstillstand bekommst..*überleg* Ob die Luftröhre dabei auch kollabieren kann?!

I: o.O

J: Naja und es kann sein, dass dein Herz langsamer schlägt, wegen der Stimulation auf den Nervus vagus. Das kann bis zum Herzstillstand gehen.

I: o.O !!!!!

J: Aber du bist ja bei Bewusstsein, da kann eigentlich nichts passieren. Du kannst dich ja auch melden, wenn was ist..

I: Ich möchte jetzt mal bezweifeln, dass ich mich mit einem Herz- oder Atemstillstand noch großartig melden kaaaaa…. *hust, würg, röchel*

Was war geschehen? Während unseres Dialoges über die etwaigen Komplikationen, die beim positionieren einer Magensonde auftreten können, ließ es Jennifer sich nicht nehmen, den Schlauch in meinem Kopf langsam weiter gen Hals zu schieben und war just in dem Moment an meinem Kehlkopf angelangt. Und da wirds eng am Kehlkopf. Da wollte der Schlauch nun durchgepröckelt werden. Ganz großer Sport.

Unter Anfällen von Husten, Würgen und Röcheln meinerseits, bei denen so ziemlich jede beteiligte Körperöffnung an meinem Kopf irgendwelche Flüssigkeiten von sich gab und wegen derer ich auch noch fast an meinem eigenen Sabber erstickte, pröckelte Jennifer mir den Schlauch durch den engen Kehlkopf. Wie bereits erwähnt, bei Widerstand einfach fester drücken.

J: Jetzt musst du gleich einmal kräftig schlucken.

Wie schluckt man denn bitte kräftig?!

I: *hust, röchel, würg, sabber*

J: Schluck du Stück!

I: *schluck*

J: So, fertig..Nu isser unten.

I: *keuch, hechel*

J: Atme, Fee, atme.

I: *immernoch hust* Ich hasse dich!

J: So, guck mal, wenn ich jetzt diese Spritze aufsetze *Spritze aus dem Hut zauber* könnte ich dir Tee direkt in den Magen laufen lassen… Soll ich dir Tee direkt in den Magen laufen lassen? *erwartungsvoll guck*

I: * Ich wünschte du wärst tot Blick light (und light wirklich nur, weil sie meine BF ist..) aktivier*

J: Also nicht..hmm.. Ich könnte auch Magensäure in die Spritze ziehen.. Soll ich Magensäure in die Spritze ziehen? *wieder erwartungsvoll guck*

I: * Ich wünschte du wärst tot Blick light intensivier und langsam den Kopf schüttel*

J: Hmm auch nicht. Dann kann ich den Schlauch jetzt auch eigentlich wieder raus ziehen.

I: Das ist doch mal eine super Idee *wie ein ziemlich kaputter Schlumpf kling*

J: Aber vorher machen wir noch ein Foto!

Und das haben wir dann auch getan. Das Foto muss ich euch aber leider, aus Gründen der Anonymität meinerseits, vorenthalten.

Das Hirnfrost Gefühl ist beim Rausziehen des Schlauches übrigens genau so prima, wie beim Reinstecken.

 

So, das war sie. Die Geschichte, wie meine BF Jennifer mir eine Magensonde legte.

Advertisements

9 Gedanken zu “Erinnerung einer Laborfee – Weiter geht’s

  1. Hallo Laborfee, ich lese gerne bei dir mit!
    Na Du bist ja mutig!
    Ich würde mir niemals freiwillig eine Magensonde legen lassen.
    Ich habe Krankenschwester gelernt und war zu einigen Experementen breit, aber eine Magensonde? Nieeemals!

    • Hallo Claudia, schön, dass es dir bei mir gefällt 🙂

      Das habe ich auch nur gemacht, weil es um meine BF ging. Ein zweites Mal würde ich mir das aber auch nicht freiwillig antun. Hirnfrost bekomme ich lieber von zu viel Eis auf einmal 😉

  2. Na ob das mal so unbedenklich war. Neben den ganzen Gefahren (sic!) – ich habe gelernt, dass man alles möglichst nicht privat zu Hause übt. Außer stabile Seitenlage vielleicht. Auf jeden Fall nichts, bei dem das Opfer einen Schaden davon tragen kann. Und dazu gehört auch Blutabnehmen. Und daher auch Magensonden. 😛

    Nebenbei: Jennifer scheint dezent verpeilt zu sein. Oder kommt nur mir das so vor? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s