Was lange währt..

Dienstag morgen, halb neun in Deutschland. Migräne. Die Frisur hält.
ICH bin da. Immernoch auf den Techniksklaven wartend.

Entweder kommt hier gleich ein 2,50m großer Schrank mit Grundausbildung in sämtlichen Kampfsportarten rein, der ergo keine Angst haben muss von mir zusammengefaltet zu werden oder der Mensch ist seines Lebens überdrüssig.

Ich könnte schon wieder in allen Regenbogenfarben…lassen wir das.

Vielleicht schafft es TechnikMän ja heute am späten Vormittag.

Das ich heute bereits den dritten Tag ohne ein funktionierendes Blutbildgerät bestreite ist ganz ohne Frage vollkommen nebensächlich.
Meine Mundwinkel beginnen zu zucken. Das ist kein gutes Zeichen. Als nächstes pulsiert die Vene an der Schläfe. An der Schläfe, an der auch die Migräne wohnt.
Aaaalter, ich bin so sauer!

Ich war bisher mit dem Kundendienst immer zufrieden, aber so langsam wird es ein wenig unverschämt. Die Temperatur im Labor nimmt deutlich ab. Gewitterwolken sammeln sich an der Decke..

Atme, Fee, atme…

Um meine fulminante Laune noch zu steigern, kommt Schwester Marina zu mir ins Labor, starrt Minutenlang auf den Zettel, welcher besagt, dass es auch heute keine Blutbilder gibt und fragt mich, ob ich schon wieder Blutbilder messen kann.

Oh Himmel, wie stehe ich diesen Tag bloß durch ohne jemanden umzubringen..?!

Aber weil es in Sachen Wahnsinn immer viel Platz nach oben gibt, möchte sie auch noch rasch bei mir telefonieren. Mit Handschuhen an ihren Griffeln..Dazu muss ich nichts mehr sagen oder?! In den Gewitterwolken beginnt es zu knistern.
Noch bevor ich ihr mitteilen kann, dass das, was sie da gerade tut, in höchstem Maße unhygienisch ist, ist sie auch schon wieder aus dem Labor gefegt.

Während ich noch mein Telefon desinfiziere, beginnt selbiges laut zu geben. Anruf von draußen. Nicht das Haupthaus. Wehe, das ist nicht der Techniker, der um sein Leben winselt…

Es ist auch der Techniker, aber er winselt nicht. Vielmehr teilt er mir recht fröhlich mit, dass er gleich bei mir ist. In 20 Minuten, eher 15.  Nachdem er nun quasi bereits 20 Stunden zu spät ist, kommt es darauf nun auch nicht mehr an.
Nachdem TechnikMän nach 40 Minuten immernoch nicht im Labor steht und an dem defekten PC rumpröckelt und auch noch Schwester Marina anruft und mich fragt, ob ich das Blutbild von Patient XY bereits fertig habe, ziehe ich Axtmord ganz akut als Problemlösung in betracht. Es blitzt und donnert aus den Gewitterwolken.

60 Minuten nach Anruf steht TechnikMän dann in der Tür, sich überschwänglich entschuldigend. Mist, der ist auch noch nett..
Obwohl es mittlerweile durch mich etwas frostig im Labor ist, schaffe ich es ein gewisses Maß an Freundlichkeit aufzubringen. Kaffee gibt es aber keinen. Strafe muss sein.

Und natürlich, wie das immer so ist, bekommt er sogar das Problemkind wieder ans Laufen.
Während er an dem PC herumdoktort, mühe ich mich mit einer höchst aufmerksamkeitsbedürftigen Probe ab, deren CK gerade durch die Decke schießt. Normal für diesen Patienten wäre alles bis 170 Einheiten pro Liter (U/L). Ich messe 13 Tausendundeinbisschen. Die CK MB (siehe ebenfalls Link), spottet ebenfalls jeglicher Beschreibung. Der Große signalisiert mir, dass die programmierte Verdünnung, die das Gerät herstellt, wenn die Werte zu hoch liegen, nicht ausreicht und ich bitte nochmals analog Verdünnen möge. In solchen Fällen wähle ich gleich eine Verdünnung von 1:21, damit ist der Große meist zufrieden. Die Messung der verdünnten Probe ergibt am Ende eine CK von 16 Tausendundeinpaarzerquetschten.
Auch das Gerät gibt laut, dass das irgendwie hoch ist. Gut, dass Gerät es bemerkt hat. Wäre mir sicher entgangen..

Als TechnikMän wieder geht, bin ich wieder fröhlich.

  1. Weil ich nicht lange wütend sein kann.
  2. Weil TechnikMän wirklich nett ist. (Kaffee gab es dennoch keinen…)
  3. Weil endlich der Blutbild Mini wieder läuft und meine Berufswelt erstmal wieder in Ordnung ist.

Martin freut sich auch.
Die Ambulanz freut sich fast noch mehr und belohnt mich mit ganz vielen Proben.

Und was war jetzt eigentlich das Problem?!

Wenn ich das mal so genau wüsste…

Es scheint, als hätten PC und Drucker, welcher unsinnigerweise an den PC angeschlossen ist, vielmehr war, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag der vergangenen Woche eine Beziehungskrise durchlebt, aus der ein völliges Nichtbeachten beider Parteien resultierte. Der PC nahm den Drucker nicht mehr als solchen zur Kenntnis und weigerte sich ganz entschieden in der Gegenwart eines solchen Crétins hochzufahren.
Kaum war das Kabel, welches PC und Drucker verband, entfernt, lief alles einwandfrei.

Scheidung gibt es also scheinbar auch in der Welt der Elektronik. Ich wünschte nur, sie hätten mir früher mitgeteilt, dass es zwischen ihnen kriselt. Ich hätte viel früher intervenieren können und hätte nicht zweieinhalb Tage ohne Blutbilder verleben müssen.

Nun habe ich einen funkelnagelneuen PC zuviel hier stehen. Aber nur vorübergehend. Wenn in zwei Wochen immernoch alles feini ist, wird der wieder abgeholt.

Das Ding soll sich wagen in nächster Zeit irgendeine Kinderkrankheit zu haben. Im Gegensatz zu dem Großen, passt das nämlich durch mein Fenster..

6 Gedanken zu “Was lange währt..

  1. also wieder einmal einer der Fälle aus der ach so beliebten Kategorie „Computer helfen uns, Probleme zu lösen, die wir ohne sie gar nicht hätten“.

    Man munkelt in Fachkreisen, eine orale infusion der aus den Samen der Bäume der Gattung „Theobroma“ gewonnenen Masse soll in derlei Fällen zur Wiedererlangung des Wohlbefindens beitragen 🙂

    Schalten sie wieder ein, wenn es heißt: „Und der diesjährige Wallace-Coulter-Pokal im Zählerweitwurf geht an: Die Laborfee“

    • Danke, Danke. Ich danke der Academy und allen, die diesen Preis möglich gemacht haben und natürlich auch dem Laudatoren. 😉

      Oh ja, erwähnte Masse habe ich mir am Abend kiloweise einverleibt. Was war mein Tag danach schön 😀
      Nun geht es wieder los, in ein, heute endlich vollständig funktionstüchtiges, Labor.

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