Rettung in der Not

Hab ich es nicht gesagt?! Ich habs doch gesagt!!
Die Welt ist nach dem Feiertag, oh Wunder, nicht untergegangen. Und das wurde heute gar kräftig zelebriert. Mit Proben von so ziemlich jedem Patienten dieses Hauses. Ich möchte sogar vermuten, dass die noch Leute von der Straße dafür bezahlt haben, sich Blut abnehmen zu lassen, weil die Patientenzahl nicht ausreichte um die ausgebliebene Apokalypse zu feiern.

Ich wurde geradezu mit Proben beworfen. Den ganzen Tag. Das war ein wirklich anstrengender Tag. Nur Proben bearbeiten wäre nicht das Problem, wären da nicht noch all die nicht fähigen Menschen, die scheinbar versuchen mir das Leben schwer zu machen. Etwas anderes kann ich nicht denken, wenn ich Pröbis bekomme, deren Barcodes eine Woche alt sind. Das System verwirft einen nicht bearbeiteten Auftrag nach wenigen Tagen, hat diesen ergo auch nicht gefunden. Ich rief also auf der Station an und bat um neue Klebchen. Blut war ja hoffentlich aktuell. Vermutete ich jedenfalls. Ich war vorsichtig optimistisch.
Pflegerle, der meinen Anruf entgegen nahm sah sich jedoch außer stande mir weiterzuhelfen und war mit der Situation komplett überfordert. Ich möge bitte bei der Dialyse anrufen. Also rief ich bei der Dialyse an. Auch hier stieß mir blankes Unverständnis entgegen. Ich möge bitte auf der Station anrufen. Moah Naaaarf! Wieder auf Station angerufen. Pflegerle wusste einfach nicht weiter. Er konnte keinen Auftrag finden, er wusste nicht was gemacht werden sollte und ich kam nicht an den Auftrag ran, weil mein System diesen nicht mehr fand, weil  zu alt. Irgendwann war Pflegerle so genervt, dass er sagte ich möge die Proben bitte einfach verwerfen. Hmm *schulterzuck* wenn Pflegerle das so möchte. Ein Problem weniger.

Später kam ein Anruf, wegen eines Befundes. Ich brauchte ein Geburtsdatum. Wie immer. Statt des Geburtsdatums bekam ich das Datum von heute. Ich dachte allerdings mit ’12 meinte Schwesterle 1912. Ja..solche Patienten habe ich. Ich hatte neulich eine Patientin Jahrgang 1900. Das ist mal so richtig alt.
Ich fand den Befund selbstverständlich nicht. Wie auch?! Ergo musste die Probe noch einmal abgenommen werden. Bei der Übergabe sah ich dann auch das richtige Geburtsdatum. Die Probe war..man möchte sagen glücklicherweise..noch nicht eingegangen. Stress.

Das Ende dieses Tages krönte die Intensivstation, wer eigentlich auch sonst?!, indem sie mir kurz vor Schluss noch eine Probe brachten und mich nicht pünktlich nach hause ließen. Mittlerweile hatte ich Migräne bis Oberkante Unterlippe und war froh, als ich das Labor endlich verlassen konnte.

Und jetzt kommt der Grund, weswegen dieser Eintrag so heißt wie er heißt. Auf dem Weg zum Auto begegnete ich Sr.Marina. Sie kam gerade vom Einkaufen. Sie wohnt gegenüber des Krankenhauses im Schwesternwohnheim. Wir wünschten uns einen schönen Abend und ich ging weiter zum Auto. Noch während ich ging, drehte sich Sr.Marina um und rief mir ein fröhliches „Feeeheeee!! Trüffelchen mitnehmen für heute Aaaaaaabend!!“ und drückte mir eine Packung Schokoladentrüffel in die Hand. *-* Opfergaben nach Feierabend.

Migräne hatte ich zwar immernoch, aber meine Laune wurde schlagartig besser und vor lauter Vorfreude dümmlich grinsend ging ich zum Auto und fuhr nach hause.

Am Wochenende muss ich unbedingt irgendwas leckeres für die Mädels von der Zentralambulanz basteln. Das geht doch gar nich mehr anders. Ich muss mal ein bisschen was nettes zurückgeben.

Die Trüffel sind sehr lecker 😉

4 Gedanken zu “Rettung in der Not

  1. Wenn es doch nur so einfach wäre, an Schokolade zu kommen 🙂 ich glaube, allein dieser Gedanke würde mich Reizen, beruflich doch noch mal umzusatteln.
    Gut, im Moment behelfe ich mir auch so, aber auf dem Heimweg nach einem „gebrauchten“ Tag doch noch wieder Grinsen zu können, hat was.
    Nur die Migräne, die ist überflüssig, oder? 😉 ich kenn das…leider. Wer auch immer die erfunden hat…naja…den Rest spar ich mir besser jetzt 🙂

    Viele Grüße vom Nobelix

    • Whoa ich wäre ihr am Liebsten mit Anlauf um den Hals gefallen für diese kleinen Lebensretter.
      Auf die Migräne hätte ich wirklich gut verzichten können, aber ein bisschen Schwund is ja immer 😉
      Auch dir viele Grüße

  2. Anno 2002: Melde Tante in KH-Verwaltung an (Versicherungskarte war abgegeben). „Wann ist die Patientin geboren?“ „Am 9.Februar 04 antwortete ich.“, wie aus der Pistole geschossen. „Wie so, wir haben doch erst 02?“, fragte sie irritiert nach.Ihre Kollegin hatte kapiert und lachte. Ich musste ebenfalls grinsen und wiederholte: „Sie ist am 9.2. NEUNZEHNHUNDERTVIER geboren.“ Nach mindestens einer Minute fiel bei ihr der Groschen und wir lachten alle drei.

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