Meine Freundin, das Gewitter und ich

Vor einiger Zeit erzählte ich euch von meiner Lieblingskrankenschwester Jennifer und diese Geschichte hat großen Anklang gefunden (sogar bei ihr 😉 ). Ja so eine Magensonde ist schon spektakulär.

Heute soll es wieder um Jennifer und mich gehen. Auch dieser Vorfall ist schon einige Jahre her. Es war das Jahr, in dem ich meine Ausbildung zur Laborfee beginnen sollte. Damals, als das Berufsleben uns noch nicht so sehr einnahm, fuhren wir jedes Jahr zum Wohlstandscampen. Auf diesem Campingplatz haben unsere Familien je einen Campingwagen. Meine sogar 2, denn die OmmaFee campt auch gern.
Was Wohlstandscamping ist, ist auch schnell erklärt. Unser Campingwagen ist als solcher eigentlichlich nicht mehr zu erkennen, denn er ist von außen mit Holz verkleidet, hat auch einen Vorbau aus Holz und ist an Gas-, Strom- und Wasserleitungen, sowie an die Kanalisation angeschlossen. Das heißt, in dem Ding kann man kochen, heizen, duschen, fernsehen usw. Hat mit richtigem Camping nichts mehr zu tun, ist aber schön da. Man darf nur nicht tot überm Zaun hängen.
Dort haben Jennifer und ich uns übrigens auch kennengelernt, aber das nur nebenbei.

In dem Jahr, in dem sich diese Geschichte zutrug, waren wir jedenfalls wieder einmal dort und befanden uns eines Tages in einem Zustand akutester Langeweile und tagten gerade darüber, wie wir dieser Langeweile Herr werden konnten.
Nach einigem hin und her kam Jennifer auf die grandiose Idee, ein wenig durch den Wald wandern zu wollen.
Hatten wir ja die Tage davor nicht bestimmt schon 750 Mal gemacht, aber wer bin ich, Einwände zu erheben, wenn ich selbst keinen besseren Vorschlag machen kann. Außerdem würde das immerhin mindestens eine Stunde totschlagen.
Auf dem Weg zum nahegelegenen Waldstück, drehte ich mich, aus welchem Grund auch immer, nocheinmal um. Was ich sah, war eine schwarze Wand aus Woken. Das sah ziemlich Unwetter like aus, aber ich dachte bei mir: “ Sachste mal nix, die Olle wird das ja sicher auch gesehen haben..wird schon nicht so schlimm sein..“

Also auf, zum fröhlichen Wandern.
Jetzt muss man dazu sagen, dass der Wald eigentlich ein Berg ist, auf dem zufällig Bäume wachsen. Sprich, wenn man durch den Wald geht und sich an die Wanderwege hält, geht man erstmal ziemlich konsequent nach oben.
Auch dazu sagen sollte man, dass sich dieser Berg, auf dem zufällig Bäume wachsen, umgeben ist von anderen Bergen, auf denen zufällig auch Bäume wachsen. In solchen Gegenden haben Gewitter und andere Unwetter aller Art ja gerne schonmal das Ausmaß einer mittelschweren Apokalypse…Nur soviel vorweg.

Wir also immernoch Level fröhliches wandern, die olle Gewitterwolke hatte ich bereits wieder erfolgreich verdrängt, nebst noch fröhlicherem Getratsche.

Plötzlich, ein Grummeln. Sowas wie Prädonner.

J: Was war das?!

I: Ein Grummeln?

J: Klang wie Donner…

I: Joah..möcht mal einer werden, wenn er groß is..

J: Ja aber..eben war das Wetter doch noch schön, wo kommt denn jetzt plötzlich der Donner her?!

-.-

Olle hat die metaphorisch, mit beiden Armen winkende Wolkenwand also nicht registriert…

I: Ähm..neeeein..*vorsichtig rantast* da war eben, als wir losgingen schon so ne fiese Gewitterwolke…

J: Ja, wie?!

I: Ja, wie wie? Was ist unklar an dem Satz?

J: Ja..wieso hast du denn nix gesagt?!

Was bin ich? Die Wetterfee?!

I: Na, da du ebenfalls im freudigen Besitz zweier Augen bist, musste ich davon ausgehen, dass du diese auch benutzt..und vielleicht mal…ich weiß auch nicht…guckst..

J: Und was jetzt?

*weiteres entferntes grummeln*

Derweil waren wir stehen geblieben, um die Diskussion fortführen zu können.

I: Na viele Möglichkeiten bleiben ja nu nicht. Entweder weitergehen und das auch gern zwei Schrittchen schneller oder zurückgehen, auch gern angemessenen Schrittes. Bedenke aber, wenn wir weitergehen, dann gehen wir praktisch hoch. Hoch ist bei Gewitter irgendwie suboptimal..

Man kann sich wohl denken, zu welcher Möglichkeit ich eher tendiert hätte, aber ich habe ein Durchsetzungsvermögen wie ein Wattebausch. Wie ein rosa Wattebausch.

J: Aber vielleicht sind wir ja schon längst wieder raus, bevor das Gewitter hier ist und irgendwo da vorn kommt auch schon die Abzweigung nach unten, danach geht es ja nur noch Bergab.

I: -.- Ja, dann jetzt aber bisschen zackig.

*etwas lauteres grummeln, auch nicht mehr so weit weg*

Also gingen wir weiter. Blöder Weise war dies nicht nur ein sehr pflichtbewusstes Gewitter, sondern auch ein sehr schnelles, denn wir waren noch nicht weit gelaufen, da wurde aus dem *grummel grummel, ich bin ein Gewitter, aber noch ganz weit weg* ein *PÄÄÄÄM!! ICH BIN EIN GEWITTER UND ICH BIN JETZT DA!!!*

*DONNER*

J: *aufschrei* Was machen wir jetzt?!

Was wir gemacht haben, ob wir es rechtzeitig aus dem Wald herausgeschaft haben und ob Jennifer gedachte, bei jedem Donner laut aufzuschreien, erfahrt ihr, wenn ihr beim nächsten Mal wieder reinlest. (Morgen ist das Labor zu, da brauche ich doch was zu bloggen 😉 )

Einen schönen Feiertag wünsche ich euch.

5 Gedanken zu “Meine Freundin, das Gewitter und ich

  1. Waaaah… also, nicht das Gewitter, aber die Magensondengeschichte!! Bin ich froh, das meine BF, ebenfalls kranke Schwester (passt doch gar nicht so schlecht, Laborfee und kranke Schwester – sollte es viel öfter geben inklusive fachlicher Kommunikation!), ihre Ausbildung in der großen großen Stadt 400 km von hier entfernt gemacht hat…

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