Meine Freundin, das Gewitter und ich 2

I: Na, entweder weitergehen, wobei ich glaube, dass wir entweder an der Abzweigung vorbeigelatscht sind oder selbige höher liegt, als angenommen. Ooooooder zurück. Diesmal dann aber bitte trabend, denn ich wäre gern aus dem Wald raus, bevor sich zu Donner auch noch Blitz gesellt…

J: *Wie ein Reh im Lichtkegel guck, hibbel*  Ich weiß nicht, entscheide du..

Ich entschloss mich, Stimme einzusparen und mich stattdessen einfach umzudrehen und den Berg wieder runterzutraben.
Inzwischen fing es an zu regnen. Und zu blitzen. Natürlich..

J: Irgendwie, war das ne blöde Idee mit dem in Wald gehen…

I: Ist richtig..

J: Wie kommen wir denn jetzt zurück?!

Boah Olle, red nich, RENN!!

I: Gucken wir mal..am Besten rennend

J: Wieso bist du denn jetzt so einsilbig?

I: Weil ich gerade dabei bin einen Berg runterzurennen…!

*Krach, wumm, DONNER, Blitz*

J: *kreisch*

Auf unserem Weg beschloss ich, nicht zu unserem Startpunkt zurückzukehren, sondern einen anderen Weg einzuschlagen, der zu einer Straße führt. Denn an dieser Straße lag ein paar Meter weiter eine Tankstelle. Mein Gedanke dabei war, dass man sich an genau dieser Tankstelle erstens hätte unter stellen und zweitens vielleicht jemanden hätte anrufen können, der im Besitz eines Autos ist, zwecks Abholung zweier, nicht mehr ganz so fröhlichen, Wanderer. Besser als bei Gewitter und Regen den ganzen Weg bis nach hause zu laufen, dachte ich. Ich hoffte auch, dass wir eventuell Glück hätten und es sich bei der mittelschweren Apokalypse nur um einen Wolkenbruch handeln würde, der sich nach kurzem Wüten so schnell wieder verzieht, wie er gekommen war.
Ist in solchen Gegenden ja auch häufig.

Nach einigem gerenne kamen wir schnaubend und keuchend an der Tankstelle an. Die TankstellenMännlein standen bereits draußen und fotografierten die, wirklich eindrucksvollen, Blitze mit ihren Mobilfunkgeräten.
Auf die Idee, mal einen von denen zu fragen, ob man vielleicht mal eben telefonieren dürfte sind sowohl Jennifer als auch ich zu keiner Zeit gekommen.
Ein Telefon gab es an der ollen Tanke nicht. Toll, als wäre man auf ner Alm. Und selbst die hätten vermutlich ein Telefon.

Aber unter stellen konnten wir uns. Das wurde uns aber bald auch zu blöd, denn das Gewitter machte keine Anstalten schnell wieder abzuklingen. Im Gegenteil, es schien sogar immernoch heftiger zu werden. Mittlerweile flogen uns bald im Minutentakt Blitze um die Ohren. An ein Weitergehen war bei so einem Wetter nicht zu denken.

Dachte ich jedenfalls.

J: Sollen wir langsam mal losgehen?

I: Wie losgehen?

J: Ja, mal Richtung nach hause, wir können jetzt doch nicht den ganzen Nachmittag hier rumstehen..

I: Du willst bei dem Wetter nach hause gehen? Sollen wir nicht noch ne halbe Stunde warten und gucken, ob es vielleicht nicht wenigstens wieder etwas weniger wird? Oder etwas weniger lebensgefährlich vielleicht?

J: Dann stehen wir ja noch ewig hier rum..

I: Wäre aber auch nicht ganz so lebensgefährlich..

J: Wir sind doch in 10 Minuten zu hause, was soll da schon groß passieren? Da stehen ja auch überall Häuser..

I: *seufz* Na gut..meinetwegen.

Also gingen wir los..

*DONNER*

J: *kreisch* Ich hab Angst

I: Na..du wolltest losgehen, also beschwer dich mal nicht..

*DONNER, BLITZ, RUMPEL*

J: *aufschrei* Losgehen war ne blöde Idee!

I: Sag bloß?!

*NOCH MEHR DONNER, NOCH MEHR BLITZ*

J: *kreisch*

I: *genervt* JENNIFER! Ich wäre dir wirklich dankbar, wenn du deine Energie etwas weniger aufs Kreischen und dafür mehr aufs Laufen konzentrieren könntest!

*DONNER*

J: *aufschrei* Hast du denn keine Angst??

I: Wenn du mir an den Arsch fassen würdest, würdest du feststellen, dass er kalt ist. Das ist so, weil er gerade auf Grundeis geht!

J: Aber wieso schreist du dann nicht?

Führen wir diese Debatte gerade tatsächlich?!

I: Weil ich hier gerade eine Straße entlanglaufe, während mir die Blitze um die Ohren fliegen. Keiner zieht einen Nutzen daraus, wenn ich hier rumkreische wie ein kleines Mädchen.

*DONNER*

Also rannten wir weiter..ich war selten so glücklich darüber, die Brücke zu sehen, die man überqueren muss, um zu dem Campingplatz zu gelangen.

J: Ich hab ja gehört, Brücken sind bei Gewitter irgendwie suboptimal

I: Und was willst du jetzt machen? Stattdessen lieber durch den Fluss schwimmen? Bestimmt die bessere Alternative…

J: Ich mein ja nur..

I: *kurz vor Tobsuchtsanfall* Geh- Jetzt- Über- Diese- Brücke!

Wir waren auf den letzten Metern zum Eingang des Campingplatzes. Da tat es plötzlich einen lauten Knall und ein Blitz schlug in den Stromkasten neben uns ein. Und mit neben uns, meine ich wirklich NEBEN UNS!
Was natürlich wieder in einigem Kreischen endete.

Die letzten Meter zu rennen fiel dann auch nicht mehr so schwer. Da der Campingwagen von Jennifers Großeltern näher gelegen war, rannten wir erstmal dort hin, wo wir auch schon sehnlichst erwartet wurden. Jennifer fragte mich, ob ich nicht kurz zu hause anrufen wollte, damit sich die MutterFee keine Sorgen um mich machen muss. Zuerst verneinte ich und begründete das damit, dass sie sich wohl denken könnte, dass ich nicht so blöd wäre, bei Gewitter im Wald rumzuturnen, doch nach Drängen von Jennifer, rief ich sie doch rasch an.

Das war auch gut so, denn mir kam erstmal ein Redeschwall der MutterFee entgegen, die selbstverständlich die ganze Zeit dachte, ich wäre blöd genug, bei so einem Wetter im Wald rumzuturnen.

Naja..ganz unrecht hatte sie ja nicht.

6 Gedanken zu “Meine Freundin, das Gewitter und ich 2

  1. Könnte es sein, dass deine MutterFee dich ganz gut kennt? 😉
    Habe mir übrigens erstens jetzt doch einen Nick zugelegt (vormals Katrin) und dich zweitens in meine Blogroll aufgenommen, auch wenn meinen ollen Reiseblog eh kein Schwein liest.

    • Ach, et Katrin, wat schön. Herzlich Willkommen mit neuem Nick 🙂
      Und vielen Dank für’s Aufnehmen. Whuu ich werde gleich mal bei dir reinschauen. Dann hast du schon einen Leser mehr.
      Ja..manchmal kennt sie mich wirklich viel zu gut. Aber sie weiß ja auch woher ihre Tochter das hat 😉

      • Naja, mein kleines Blog jibbet ja auch noch nicht so lange (die Beiträge sind nur rückdatiert). Und da ich selten irgendwo kommentiere (fühl dich geehrt!!), verteilt sich der Link auch nur langsam im Netz…

  2. *hust*
    *prust*
    Arme Jennifer. Und schlaue Mamafee. Siehst du? Da rettet mich meine Angst! Ich wäre beim Anblick der Gewitterbank stocksteif stehen geblieben, bis der andere Mensch sind auch umdreht. Und der hätte mich schon zum laufen bekommen – aber dann nur in die sichere Richtung. 😛

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