Frostige Biotope zur Ringversuchzeit

Ach blöd..der olle Ringversuch muss auf morgen verschoben werden. Da steht was in der Anleitung, dass ich nicht so ganz verstehe und Bärbelchen ist heute nicht im Haus. Aber morgen. Na gut, dann morgen. Kein Grund zur Panik, bis Samstag ist noch Zeit und so eine Messung dauert Alles in Allem etwa 15 Minuten. Ich muss aber unbedingt darauf achten, das Dingen vormittags zu messen, denn das soll unter Raumtemperatur aufgelöst werden. Raumtemperatur ist zu Zeiten, während derer ich ungestört messen könnte, eher schlecht. Man ist ja auch eigentlich nicht pingelig und ein paar Grad drüber sind auch in Ordnung. 10°C drüber ist dann aber vielleicht doch ein wenig hoch gepokert.

Also mache ich es morgen Vormittag wie heute. Reinkommen, alle verfügbaren Fenster aufreißen und kühle Luft genießen. Das hat heute bis zum frühen Nachmittag super geklappt. Leider habe ich mal wieder den Zeitpunkt verpasst, an dem es sinnig gewesen wäre, die Rollos runter zu lassen, weswegen ich die letzten paar Stunden vor mich hin brüten musste. Aber man ist ja keine Memme. So schlimm war es nicht und zwei drei Stunden ist das locker auszuhalten. Sogar in Boots. Morgen werde ich etwas aufmerksamer sein und den richtigen Moment abpassen. Dann wird das Labor wieder zur Dunkelkammer. Man mag gar nicht glauben, was das ausmacht. Warm ist es zwar immernoch, aber nicht SO warm. Und da sich ab dem Mittag ja ohnehin kein Lüftchen mehr rührt, ist es auch Wumpe, ob da noch ein Fenster offen ist oder nicht.

Mein Kampf gegen die Temperaturen geht also weiter. Seine Minzfrischheit kam heute auch ins Laborchen und wurde nicht müde festzustellen, dass es ja gar nicht so warm wäre wie sonst. Ich verwies dezent auf die sperrangelweitoffenen Fenster, was ihn hinzufügen ließ, wie toll das wäre und das es ja so wenigstens ein wenig erträglich wäre. Dann verwies ich auf die fette Fliege, die in diesem Moment durchs Fenster geflogen kam. Sobald hier die Fenster offen stehen, wird das Laborchen zum Biotop und man hat in Rekordzeit sämtliche fliegende Flora und Insektenfauna hier drin. Manchmal auch nicht fliegende. Wie letzten Sommer der Hundertfüßer hier rein gekommen ist, weiß ich immernoch nicht. Auch nicht wo der hin ist. Der wurde wahrscheinlich von der riesigen Spinne, die in dem Dingen wohnt, das aussieht wie ein Rauchmelder, gefressen. Ihren Mann hat die auch schon gefressen. Ein Riesenvieh. Hing eines Tages plötzlich hinter dem Großgerät und guckte mich an. Habe ich mir jedenfalls eingebildet. Ab und zu sehe ich sie noch an der Decke hin und her rennen, aber die meiste Zeit verhält sie sich unauffällig. Ich sehe nicht, wieso ich sie der Räumlichkeit verweisen oder gar umbringen sollte. Immerhin frisst sie das Viehzeugs, das hier aus eigener Kraft nicht mehr herausfindet und umbringen würde einen hässlichen Fleck hinterlassen, den ich auch noch wegmachen müsste…

Was wollte ich denn jetzt..

Achja..Seine Minzfrischheit fand das also total dufte, dass ich einen Weg gefunden habe, der kompletten Denaturierung meiner Proteine, durch Überhitzung, nochmal zu entgehen und freute sich, dass ich scheinbar weiß, wie man ein Fenster öffnet. Ich erzählte ihm dann, dass es nur begrenzt möglich wäre hier mal was zu öffnen, weil man sonst eben jenes Viehzeugs im Gerät hängen oder einfach hier rumfliegen/krabbeln hat. Das entlockte König Nachforder, seiner Minzfrischheit aber nur ein kurzes Achselzucken und die Worte “ Dann bestellen wir Ihnen jetzt eben Fliegengitter.“. Sagts und rauscht erstmal ab. Ob er mir jetzt wirklich Fliegengitter für meine Fenster bestellt, weiß ich nicht. Mal der Dinge harren, die da kommen.

Oh und Ärger gibt es auch schon wieder. Ob für mich, weiß ich noch nicht. Heute rief einer der Oberärzte der Gasmänner und IntensivMännlein an, Dr. Frost, und wollte ein Labor erfragen. Das konnte ich ihm aber nicht liefern. Die Probe war zwar da, aber die musste so wie sie war ins Haupthaus, da die Anforderung fast ausschließlich Spezialgerinnung beinhaltete und die mache ich hier nicht. Soweit so gut. Ich teilte ihm also recht höflich mit, dass noch keine Befunde vorlägen, da besagte Probe erst am Nachmittag ins Haupthaus verschickt wurde. Das machte ihn doch etwas stutzig und er fragte, wieso ich sie erst am Nachmittag auf ihren Weg gen Haupthaus geschickt hätte. Ganz einfach. Die Probe kam am Mittag zu mir rein. Ich scanne jede Probe ab und sehe dann im Auftrag, wann diese zu mir runterkam. Diese Probe kam lange nach dem ersten Fahrer, musste also bis zum Nachmittag hier stehen und auf den nächsten Fahrer warten. Das sagte ich auch Dr. Frost. Der machte auch gleich seinem Namen alle Ehre und wurde verdammt frostig. Da war mir dann plötzlich nicht mehr warm. Wie denn soetwas zu stande käme, die Schwester auf Station hätte gesagt, die Probe wäre heute morgen abgenommen worden..lamentier, bla, motz..

Stimmt, die Probe wurde pünktlich um Acht Uhr am Morgen abgenommen. Auch das sehe ich im Auftrag, sofern die Uhrzeit korrekt vom Anfordernden eingetragen wurde. Wenn man die Probe allerdings auf Station oder wo auch immer verschimmeln lässt, nützt mir das herzlich wenig.

Ich stimmte Dr. Frost also zu, dass die Probe bereits morgens abgenommen wurde, merkte dann aber an, dass sie eben erst am Mittag zu mir runter gegeben wurde.
Lamentier, motz, mecker..aber die wird ja jetzt wohl nicht mehrere Stunden auf der Station gelegen haben..
Tja, woher soll ich das jetzt wissen?
Ich tastete mich also vorsichtig ran und sagte, dass ich das nicht wüsste, da nicht ich die Probe abgenommen habe und dass ich nur sagen könnte was hier in meiner Anforderung steht und das sind nunmal diese Zeiten.
Darauf wusste Dr. Frost nicht mehr viel zu erwiedern und bließ mir noch schnell einen eisigen Hauch in mein Ohr, bevor er sich aus dem Gespräch verabschiedete.

Entweder wird er jetzt die Behauptung aufstellen, die Proben wären den gesamten Vormittag auf meiner Theke versauert oder er macht die Station dafür verantwortlich. Zweiteres wäre mir lieber, denn hier versauert nichts. Wenn ich mitbekomme, dass mir jemand Proben auf die Theke legt, bin ich die erste die sich fast überschlägt, damit die zügig gemacht sind. Wenn ich lange Zeit nichts gehört habe, schaue ich auch aus eigenem Antrieb, ob vielleicht etwas auf der Theke liegt. Manchmal hat man ja Schleicher.
Außerdem, bin ich Laborfee genug, um für, von mir gemachte Fehler, geradezustehen. Wenn ich eine Probe vergesse, übersehe, auskippe (letzteres kann beim Zuschrauben des Probenröhrchens schonmal passieren, aber meistens reicht das Probenmaterial noch aus), dann sage ich der entsprechenden Station auch bescheid.
Na ich bin ja mal gespannt, ob da noch was kommt. Mit ein bisschen Glück wütet er nun ein bisschen und dann ist auch wieder gut.

Ändern kann man es ja nun sowieso nicht mehr.

16 Gedanken zu “Frostige Biotope zur Ringversuchzeit

  1. Ach naja… dann gab es während des Telefonats wenigstens halbwegs angenehme Temperaturen. Alles hat sein gutes! ;D

    Nebenbei: Mit Spinne arbeiten könnte ich nicht. Ich würde umkommen vor Angst, dass die irgendwann mal auf MIR sitzen könne.. *schüttel*

  2. oh ja die sache mit den hässlichen fecken auf wand/tisch/sonstwas (oder schlimmstenfalls meiner hand!) nach insektenmord ist bei mir der hauptgrund, warum ich nichtmal obstfliegen zerklatsche.
    außerdem tun die mir ja nichts… und manche sind sogar niedlich. vor allem spinnen ❤

  3. Warum hast du eigentlich kleine Glöckchen an der Tür ? oder so eine Klingelmatte wie in Geschäften ? ersteres ist extrem billig zweites immer noch bezahlbar aber wegen der Elektronik vielleicht nicht gern gesehen, damit wären Schleicher kein Problem mehr;-) *Mal ein Eis da lass*

      • Alternativ ein Paar Krähenfüsse oder Stolperdraht ? *duck*
        Wobei ich denke eine Pagenklingel mit „Bitte klingeln“ in Schriftgröße 62 würde auch helfen

      • xD fänd ich super, dann fallen alle nur noch ins Labor. Das hört man dann auf jeden Fall..
        Die Erfahrung lehrt: Gegen Schilder sind die Damen und Herren recht resistent, aber ich bin vorsichtig optimistisch, dass die auch so wüssten, wie man eine Klingel bedient.

  4. Also für mich klingt das alles so, als ob seine Minzfrischheit ein klitzekleines bisschen persönliches Interesse an dir hätte…. wenn er dir jetzt wirklich Fliegengitter besorgt ist das quasi ein königlicher Liebesbeweis… oder so 😀

    • Ich glaube, dafür ist seine Minzfrischheit ein bisschen zu alt. Immerhin beschweren sich die Ambulanzmädels immer, er möge doch bitte endlich in Rente gehen. Aber er weiß es durchaus zu schätzen, dass ich mich für seine Anliegen andauernd beinahe überschlage. Für den mache ich ja fast alles möglich. Bin mal gespannt, ob ich mein Fliegengitter denn auch bekomme 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s