Ein schöner Tag

Ich bin ja heute spendabel, also hau ich gleich noch einen Post raus. Der heute mittag war mehr so zur ZentrifugenÜberbrückung. Mein Arbeitstag besteht ja quasi aus mehreren 10 minütigen Pausen und in denen muss ich ja auch irgendwas machen. 😀

Was war das heute für ein schöner Tag. Der Himmel blau, die Sonne nahtlos präsent, das Labor ein wenig saunös, aber das ist egal. Ich glaube, ich bin mittlerweile die Einzige in diesem Haus, die 35°C als angenehm kühl empfindet. Liegt wohl auch daran, dass heute ein laues Lüftchen weht und ich genau am Fenster sitze. Um dieses zu öffnen muss ich zwar quer über meinen Arbeitsbereich klettern und habe schon ein ums andere Mal ziemlich blöde dabei aus der Wäsche geguckt, weil plötzlich jemand in der Tür stand, aber was solls. Das kennt man von mir ja schon.
Nee, also mal im Ernst, der Tag war wirklich schön. Gerade soviel Arbeit, dass die Zeit gut rum geht, aber nicht soviel, dass man sich hätte überschlagen müssen. So hab ich das gern.

Freundlicher Weise haben auch heute wieder einige Menschen zu meiner allgemeinen Erheiterung beigetragen.

Zum Beispiel, steht heute morgen die Zeterqueen von gestern wieder in meiner Tür und will Proben abgeben. Die Probentheke, hat sie, wie immer, geflissentlich ignoriert und wedelt nun mit der Probentasche vor meinem Gesicht rum. Das ist ziemlich hinderlich, denn ich habe gerade eine Glaspipette in der einen und einen Peleusball in der anderen Hand, da ich mich anschicke die Kontrollen des Tages aufzulösen. Ich bitte sie also, mir die Probentasche an meinen Arbeitsplatz zu legen, was sie auch gehorsam tut. So weit, so unspektakulär. Die Proben aus der Tasche sind dann auch irgendwann gemessen, als das Telefon klingelt. Dr. Zeterqueen ist am Apparat und vermisst Proben. Sie habe ja heute morgen eigens die Proben ihrer Station zu mir gebracht und, dem Himmel sei Dank, seien auch soweit alle fertig, nur eine vermisse sie jetzt noch.
Ich lasse mir also das Geburtsdatum geben und schaue im System nach. Das die EDV ab und zu Übertragungsschwierigkeiten hat, ist ja hinreichend bekannt, vielleicht ist der Befund wieder im Nichts verschwunden. Wenn allerdings alle, bis auf eine Übertragen sind, ist das meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich von diesem Patienten gar keine Proben bekommen habe.

Ich gebe also das Geburtsdatum ein und sehe: Nichts. Kein Probeneingang von diesem Patienten.
Na sowas. Wer hat da bloß mit gerechnet..
Innerlich stelle ich mich schon auf erneutes Gezeter ein, denn schließlich hat sie sicherlich alle Proben HÖCHSTPERSÖNLICH abgenommen und in die Probentasche verfrachtet und ich böser Mensch habe vermutlich exakt diese Probe jetzt aus lauter Boshaftigkeit im Garten vergraben, oder so. Kennt man ja, das machen wir ja alle so. Ich arbeite ja eigentlich nur nach diesem Prinzip. Deswegen sind auf der Wiese vor dem Laborchen auch so viele Löcher. Daran sind gar nicht die knapp 2000 Kaninchen schuld, die da wohnen, neheeein, das sind alles meine geheimen Lager.

Ich habe also schon die wildesten Beschuldigungen ihrerseits im Hinterkopf, doch es kommt ganz anders. Sie stellt tatsächlich in den Raum, dass die Probe vielleicht einfach irgendwo auf der Station liegen geblieben sein könnte. Ich weiß im ersten Moment gar nicht wie mir geschieht. Ich räume ein, dass das durchaus möglich sei und verabschiede mich aus dem Gespräch.

Ich weiß, wenn man es erklären muss, ist es nicht mehr so erheiternd, aber ich erkläre trotzdem, wieso ich wegen dieser Situation wirklich belustigt war. Es geht natürlich wieder um die Pappköppe der Inneren B und da vergeht ja praktisch kein Tag, an dem nicht irgendeine Probe irgendwo verloren geht oder aus anderen Gründen nicht bei mir ankommt. Dazu lernen möchten sie aber scheinbar auch alle nicht. Das muss man erheiternd finden, sonst macht es einen wahnsinnig.

Am frühen Nachmittag steht dann Schwester Annegret in meiner Tür und grinst mich an. Ich grinse zurück, denn mit Schwetser Annegret verstehe ich mich gut. Daher frage ich sie auch gleich nach ihrem Begehr.

I: Wat kann ich für dich tun?

A: Du hast doch immer so tolle Sachen, ne?

Wat will die Frau?!

I: Hä? Ja..kann sein..was für Sachen?

A: Hast du nich sone..*umguck, PlastikReagenzRöhrchen bemerk* Ah..hast du nich sowas..? *auf ReagenzRöhrchen zeig*

Wie geil is die denn?! 😀

I: *grins* Doch, sowas hab ich..

A: Kann da vielleicht so zwei, drei von haben?

I: Klar.

A: Uh! Sind das die passenden Stopfen dazu? *auf die ReagenzRöhrchenStopfen zeig*

I: In der Tat..

A: Kann ich davon auch so zwei, drei haben?

I: Klar, wofür brauchste die denn?

A: Mein Mann, der fährt nächste Woche für 2,5 Monate nach Amerika um da 3000 nochwas Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren. Von Chicago nach San Francisco. Da will ich ihm ein bisschen Salbe mitgeben und suche nach einem geeigneten Gefäß.

*-* Wie toll ist das denn?..da bekommt die doch nicht so schäbbige Röhrchen für..

I: Warte, da hab ich was besseres für dich.

Ich habe nämlich noch kleine Reagenzfläschchen für die Reagenzien vom Gerinnungsgerät. Da brauche ich nur alle paar Monate neue, daher kann ich ihr welche geben. Die haben einen richtigen Schraubverschluss und gehen nicht so schnell auf.

I: *Fläschchen hervorfriemel* Ich weiß zwar nicht, wie er die Salbe da rausfriemeln soll, aber die Fläschchen sind für deine Zwecke doch geeigneter, oder?

A: Ach..das ist ja dann sein Problem *grins* Er hat ja auch Q-Tips, damit bekommt er das schon raus. Darf ich die haben?

I: Klar, nimm *Fläschchen hinhalt*

A: Super, Danke. *zu den ReagenzRöhrchen schiel* Aber davon nehm ich trotzdem mal zwei mit.

😀 Bekloppt, die Frau..

I: Mach das, sind ja genug da.

Sinds wirklich, ich bekomm die Röhrchen Säckeweise aus dem Haupthaus und brauche aber eigentlich immer nur ein paar, weswegen so ein Sack ewige Zeiten reicht. Ich verschenk die natürlich nicht an jeden, aber die Ambulanz hilft mir auch immer mal wieder aus, wenn ich irgendwas brauche. Eine Hand wäscht die andere.

A: Ich danke diiir *träller* Tschöööö, bis nächste Woche

Sagts und entschwindet.

Ich sags doch. Heute war ein wirklich schöner Tag. 🙂

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2 Gedanken zu “Ein schöner Tag

  1. Also, irgendwie kann ich nr noch mit dem WordPress-Account kommentieren – *nerv*

    3000 km mit dem Fahrrad?! Es muss auch Verrückte geben…

    Es gibt also auch nette Krankenschwestern in eurem Hause?…

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