From the M to the T to the A

Da ja im Moment Sommerloch zu sein scheint, obwohl vom Sommer weit und breit nichts zu merken ist, und deswegen generell nicht viel los ist, beschließe ich heute morgen, dass es an der Zeit ist, dem T in meiner Berufsbezeichnung (der Richtigen. Das in Laborfee kein T enthalten ist, weiß ich auch..) alle Ehre zu machen und mir mal die Nadel im Blutbildgerät anzusehen. Die treibt mich nämlich schon seit geraumer Zeit in den Wahnsinn, weil sie einfach nur verbogen ist und deswegen das zu messende Röhrchen nicht mehr trifft. Oder nur noch selten trifft. Oder es entweder am Deckel oder am Boden vollkommen zerstört, wenn sie denn trifft. Jedenfalls war Blutbilder messen in den letzten Tagen eine ziemliche Sauerei und weil die Vertretungsfee bald wieder einmal für ein paar Tage vorbei schaut, fange ich schonmal an, alles etwas vertretungsfreundlich zu machen. Und undichte Monovetten sind in keinster Weise vertretungsfreundlich.

Also ergreife ich voller Inbrunst und vor Motivation nur so triefend den Schraubendreher und lege den Blick auf die Nadel frei.

Das klingt jetzt total spektakulär, ist aber eigentlich nur eine viertel Drehung einer Schraube. Schon ist die Sache entzaubert.

Dann geht es ans Ausbauen. Sonst sehe ich nämlich nix. Ja, die ist schon ziemlich verbogen. Ich versuche, sie wieder in Form zu bringen, aber da ich nunmal MTA bin und kein personal Trainer bringt das nichts. In letzter Zeit scheine ich wirklich Faeces an den Fingern zu haben, weil alles, das ich zu reparieren versuche, nur noch verschlimmbessert wird.
Abgesehen davon habe ich ja auch immernoch die Zehnerkarte auf den Griff ins Klo, deswegen ist das ganze Unterfangen schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Das spiegelt sich auch in den kläglichen Messversuchen wieder. Die Nadel trifft kaum ein Röhrchen wirklich sauber und die, die sie trifft sind hinterher undicht, bzw. vollkommen versifft. Schlecht.

Da muss also jemand zur Nadeljustage kommen. Das kenn ich schon, denn es ist nicht das erste Mal.
Also, mal wieder, bei der ServiceHotline angerufen und die Problematik geschildert.

S: Hallo, Blutbild und Konsorten am Apparat, ServiceMän mein Name, was kann ich für sie tun?

I: Hallo, die Fee hier von der Laborgemeinschaft GroßeStadt, Außenstelle KleinereStadt. Mein BlutbildMini bräuchte bitte eine Nadeljustage.

S (schon in dem Tonfall, als wisse ich nicht, wovon ich spreche): Naaaa da wollen wir doch erstmal sehen. Zeigt das Gerät irgendeine Fehlermeldung?

I: Jaaaa (jetzt schon genervt…). Er beschwert sich über Fehler bei der Probenansaugung und zu wenig Probenmaterial. (Verständlich, wenn man neben den Deckel, statt in den Deckel sticht. Da kann man natürlich weder Probe ansaugen, noch Probe finden..)

S (immernoch in einem Tonfall, als würde ich vollkommen unsinniger Weise seinen Arbeitstag mit meinem Anruf stören): Und haben sie denn auch schonmal versucht die Nadel zu wechseln?

I: *augenverdreh* Jaaaa, das brachte keinen Erfolg, weil die Nadel erst justiert werden muss.

S: Und haben sie denn auch schon versucht die Probe manuell mit abgeschraubtem Deckel zu messen?

I (kurz vor kippen meiner morgendlich „guten“ Laune): Jaaaaaa, habe ich. Funktioniert auch, ist nur lästig.

S: Hmmm…dann ist das wohl eine Justagesache

Ach wirklich?! Na sowas..wie ist er darauf jetzt nur gekommen?! Das ich aber schon seit 20 Minuten predige, er möge mir doch bitte einfach nur jemanden vorbei schicken, der mir den Schnodder neu justiert, wird einfach mal geflissentlich ignoriert. Und das am frühen Morgen. Noch vor zehn Uhr. Der kann froh sein, dass ich nicht zum Hulk geworden bin. Der kann noch froher sein, dass ich überhaupt einigermaßen artikuliert kommuniziert habe. Ich bin ja nicht gerade dafür bekannt, dass ich ein ausgelassener Morgenmensch bin.

ServiceMän sichert mir jedenfalls zu, dass am späten Nachmittag jemand bei mir sein wird, der mir die Nadel richtet. Bei der Gelegenheit lasse ich gleich mal fallen, dass mein Laborchen auch irgendwann dicht macht. Wir wissen ja alle noch, wie das beim letzten Mal war. Aber gut, ich warte also, wieder mal, auf den TechnikMän und muss solange jedes Blutbild manuell messen. Das ist wirklich zeitraubend und wenn die abgegebene Anzahl von EDTA Röhrchen die Zahl drei übersteigt, ist es auch noch extrem lästig und nervtötend. Blöd, wenn dann gleich 15 Stück abgegeben werden. Und die darf man dann alle einzeln, hübsch nacheinander messen. Welch großes Glück.

Wirkliches Glück ist aber, dass der TechnikMän nicht erst am späten Nachmittag, sondern schon am Mittag in der Tür steht. Das gibt kräftig Pluspunkte.
Ein wirklich netter TechnikMän und vor allem endlich auch mal ein gesprächiger TechnikMän, der mir viel erklärt und mir viele Tricks verrät, wie ich beim nächsten Mal auch ohne ausbauen sehen kann, ob die Nadel hinüber ist oder nicht. Richtig gut.
Das Nadel wechseln (die, die ich „repariert“ habe ist einfach zu verbogen) und justieren dauert nicht lange und schon bald darauf ist alles wieder heile und die Proben werden auch wieder sauber gemessen. Da wird sich die Vertretungsfee freuen.

Ich bin eben eine nette Kollegin.

Und zum Schluss noch ein kleines Update. Ich habe heute wieder Proben des Patienten bekommen, um den es gestern ging. Bisher ist noch alles fein. Die Gerinnung war heute morgen eher mittelprächtig, hat sich aber inzwischen wieder gefangen und ist jetzt im unteren Normalbereich. Die Elektrolyte sind auch wieder prima und die Leberwerte sind unverändert gut. Sowohl heute morgen, als auch heute nachmittag. Mittlerweile hat er die Intensivstation auch wieder verlassen und liegt jetzt auf der Inneren B.

Ich würde sagen, da hat er nochmal Schwein gehabt.

Ein Gedanke zu “From the M to the T to the A

  1. Freut mich zu hören. Sowohl das mit dem Patienten, als auch daß es wohl noch eine andere Sorte TechnikMän gibt, als die so häufige „ich könnt’s dir erklären, aber du würdest das sowieso nicht verstehen-Fraktion… (Die kann ich nämlich leiden wie Fußpilz, und zwar den Ekligen, nicht den Schnuffeligen zum kuscheln…)

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