Die Intensiv und ihre Dreistigkeiten

Also die Intensivstation ist wirklich ein sehr spezielles Völkchen. Manchmal weiß ich nicht, ob ich sie auslachen, oder mit einem Holzbrett verhauen soll.

Aufgrund der letzten beiden Ereignisse, tendiere ich derzeit schwer zum Holzbrett.

Gestern abend versauten sie mir schon wieder so bravourös meinen Feierabend, wie es sonst niemand kann. Drei Minuten vor Annahmeschluss der regulären Proben kamen sie mir noch mit einer Gerinnung. Das war schon ärgerlich, aber eine Gerinnung dauert, inklusive Zentrifugation, knapp eine viertel Stunde (wenn ich die Zentrifugation verkürze), das ist gerade so noch im Bereich des Möglichen und der Feierabend wäre nur durch das Auffüllen, bzw. Leeren der Gerätetanks gefährdet und das kann man zur Not auch noch am nächsten Morgen machen, wenn man darauf wartet, dass die Kontrollen Betriebstemperatur erreichen.
Besagte Gerinnung erreichte wenige Minuten später den Zustand „kurz vor fertig“, da steht schon wieder so ein Blauling von der Intensiv in der Tür und wedelt mit Proben. „Der Frau geht’s gaaaanz gaaaaaaaaaaaaaanz schlecht“!

Um Himmels Willen! Kranke Menschen, in einem Krankenhaus! Wo gibt’s denn bloß sowas. Na gut, es nützte ja nichts, die gute Patientin wurde wieder als „Notfall“ durchgeschummelt und ich durfte mich offiziell von meinem ersten, wohlverdienten Feierabend verabschieden. Glücklicher Weise war das auch noch so eine unglaublich pflegeintensive Probe, die gern unbedingt noch zwei Mal kontrolliert werden wollte, weswegen mein Feierabend schonmal vor ging und mich im Labor allein ließ. Genau das, was man am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub braucht. Dennoch, soweit, so gewöhnlich.
Wirklich verwirrt war ich dann, als um 25 Minuten nach Feierabend die Tür aufging, ich hörte, wie eine Probe auf die Theke gelegt wurde und die Tür wieder zuging. Ein Blick auf das Röhrchen verriet mir nur, was ich schon wusste: Die Intensiv hatte noch Zeit mir eine weitere Gerinnung runterzubringen.

Ich hätte an dieser Stelle selbstverständlich auf der Station anrufen und fragen können, was die glauben, dass ich nun mit diesem Röhrchen zu tun gedenke (um diese Uhrzeit nämlich einfach mal nix..), doch ist es nunmal leider so, dass auf dieser Station alle, wie sie da sind, so unglaublich strunzendämliche Pappköppe sind und die Blödheit steigt, je später der Dienst beginnt, weswegen ich auf einen Anruf verzichtete, das Röhrchen in eine Probentasche packte und mich meines, mittlerweile erreichten, Feierabends erfreute. Für den Fall, dass sich am Tag darauf ein Arzt beschwerte, nahm ich mir fest vor, darauf hinzuweisen, dass meine Arbeitszeiten seit ewigen Zeiten hinreichend bekannt sind, ja sogar wunderschön laminiert an meiner nun, dadurch sehr viel hübscheren Tür stehen und sich deswegen der Verein, der die Probe nach regulärem Feierabend zu mir geschickt hat, damit rumärgern dürfte.

Heute morgen dann, bekomme ich ein EDTA Röhrchen, von niemand anderem als der Intensivstation, nur mit einem Namensklebi beklebt, ohne Barcode. Dieses Mal kann ich mir den Anruf leider nicht sparen, also rufe ich oben an und bettle um einen Barcode für diese Probe. Soll gebracht werden. Das war ja einfach.
War es nicht. Der Barcode, der mir gebracht wird, ist selbstverständlich der Falsche. Nämlich einer für das Notfalllabor. Ich kann ja nachvollziehen, dass dieses ganze Barcode Gedöhns am Anfang verwirrend ist, aber das nach fast zwei Jahren? Wirklich?!
Ich erkläre, jedenfalls, freundlich, dass ich mit diesem Barcode nichts anfangen kann und deswegen bitte einen neuen brauche. Vorzugsweise dieses Mal einen für mein Labor. Findet die Barcode Überbringerin nur semigut, zieht aber von Dannen und versichert mir, dass gleich ein neuer Barcode kommt. Na immerhin.
Der neue Barcode kommt auch. Durch die gleiche Überbringerin, die mittlerweile nun zum fünften Mal ein und denselben Weg gelaufen ist (und ein sechstes Mal noch vor sich hat, denn zurück muss sie ja schließlich auch..), weil jemand das Barcode Gedöhns noch nicht verinnerlicht hat. Diese verpackt die Übergabe des Barcodes in eine derartige Dreistigkeit, dass ich auch jetzt, während ich es abtippe, nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Jedenfalls nicht ohne die Zimmertemperatur deutlich abkühlen und meine Stimmfrquenz deutlich über den angenehmen Bereich steigen zu lassen.

Sie gibt mir den Barcode und begeht zeitgleich den Fehler, dabei die Futterluke zu öffnen und ihrem Hirn zu suggerieren, dass sie ihre Stimmbänder gebrauchen möchte.
In Folge dessen, lässt sie folgendes vom Stapel: „Ich hoffe, das ist jetzt endlich der Richtige, sonst müssen wir Sie erschießen“

ö.Ö
Wie?!Bitte?!

Wenn hier jemand einen Grund hat, mit Waffengewalt zu drohen, dann bin das doch wohl eindeutig ich?!

Auch an dieser Stelle hätte ich wohl antworten können, wurde mir aber schnell wieder bewusst, wem ich da hätte antworten müssen, was mich doch rasch besänftigte.

Abgesehen davon, ist es ja auch nicht mehr lang. Bald bin ich den ganzen Verein los.

Das wird ein großer Tag.

Eigentlich wollte ich das aber gar nicht so weit ausschmücken, wie ich es nun doch getan habe. Eigentlich wollte ich darüber schreiben, was ich gestern in den Kommentaren schon schrieb, weil ich einfach nicht die Klappe halten kann. 😉

Also muss ein neuer Post her. Gibt es heute eben zwei. Ich war im Urlaub, ich darf protzen. 😀

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13 Gedanken zu “Die Intensiv und ihre Dreistigkeiten

  1. Jawoll, protzen ist hiermit erlaubt! :o)) Unglaublich wieder deine Geschichte…schade eigentlich, dass du dort aufhörst..so werden wir wohl keine so lustigen Geschichten mehr zu lesen bekommen??

    • Im Labor will ich bleiben, wenn möglich. Nur eben nicht in diesem. Und Bekloppte, über die man schreiben kann, finden sich sicher überall. Dafür gibts dann vielleicht bald lustige Uni Stories, neben all dem Laborwahnsinn.

    • Es scheint fast so. Die Dame war wirklich richtig genervt, aber es ist ja nunmal nicht meine Schuld. Hätte ich den verbummelt oder sonst was, hätte ich alles über mich ergehen lassen, aber so? Einfach nur unverschämt. Aber es ist ja nicht mehr lang 😉

  2. *Beugt tief das Knie und serviert die Schokolade*
    Nimm das bitte als Entschädigung für Hirnlose Kollegen an oh Fee
    Planst du eigentlich das Öffentliche Blogen weiter zu bei zu behalten

  3. Ich bin von der Kategorie „erst reden – dann denken!“ – es hätte passieren können, dass mir an Deiner Stelle etwas rausgerutscht wäre. Großer Respect, dass Du Dich besser unter Kontrolle hast!

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