Flucht ins Glück (?)

Da ich gestern einfach nicht die Klappe halten konnte, ziehe ich den Post, über das, was alles noch so ansteht, in naher Zukunft, einfach vor. Es ist zwar, wie gesagt, noch nichts in trockenen Tüchern, aber erzählen kann ich ja trotzdem schonmal.

Vor einigen Wochen habe ich mich an einer Uni für den Studiengang Medizinische Biologie beworben. Einfach, weil ich anfing zu sabbern, wenn ich auch nur gelesen habe, was dieser Studiengang beinhaltet. Außerdem bin ich im Besitz eines Abiturs, zwar keines guten, aber ich hoffe, dass ich genug Wartesemester habe (mittlerweile 14), um vielleicht einen, der wenigen Plätze zu bekommen, die den Menschen mit grottigem Abi und einer Menge Wartesemestern vorbehalten sind. Das Studium beginnt zum Wintersemester, Mitte Oktober. Ob ich zu den erlauchten gehöre, die gleich einen Studienplatz bekommen, erfahre ich Anfang/Mitte August. Während ich das schreibe, wird mir bewusst, dass das bereits nächsten Monat ist. Ich würde nun gerne damit beginnen in eine Papiertüte zu atmen, aber ich muss noch zuende erzählen. Sollte ich im August nicht Bescheid bekommen, dann rücke ich automatisch ins Nachrück- und Losverfahren und bekomme dann im September gesagt, ob ich auf diese Weise einen Platz bekommen habe.

Leider ist die Kündigungsfrist hier so lang, weswegen es nötig ist diesen Monat zu kündigen, damit ich ende September aus dem Vertrag raus bin. Blöder Weise bin ich dann aber auch ende September aus dem Vertrag raus. Das ist verflixt hoch gepokert, denn wenn es mit der Uni nicht klappt, habe ich erstmal umsonst gekündigt.

Die Mail an Martin habe ich wochenlang vor mir hergeschoben, bis ich keine Wahl mehr hatte. Ich hätte die Kündigung auch ohne irgendwelche Vorwarnungen abschicken können, aber ich dachte dabei auch ein bisschen an die Leute hier und im Haupthaus. Da ich hier keine Kollegen haben, die mein Fehlen kompensieren könnten, wird das eine Menge gemauschel geben und es wird viel zu organisieren sein. Weniger hier, als im Haupthaus. Außerdem will ich tatsächlich, unverschämter Weise, auch noch was von denen. Nämlich meinen Resturlaub. Und zwar im September. Da hat die Vertretungsfee aber schon Urlaub, was das ganze noch komplizierter macht. Aber anders geht es nicht, da ich auch noch vorhabe meinen Wohnort zu wechseln. Vorausgesetzt, das lässt sich finanziell realisieren. Ich möchte nur ungern auf den kleinen Dicken verzichten, da ich sonst die, mir lieben, Menschen in ganz Deutschland nicht mehr besuchen könnte. Egal, ich möchte jedenfalls meinen Resturlaub im September, da hat die Vertretungsfee selber Urlaub und deswegen war es nötig, dass ich Martin wenigstens vorher mal Bescheid sage. Macht irgendwie einen besseren Eindruck, finde ich.Das ganze wäre wohl nicht so unverschämt, wenn es sich nur um ein paar Tage Resturlaub handeln würde. Aber es dürften so an die 20 Tage sein. Die Überstunden noch nicht mit einbezogen. Das sind vier Wochen. Und vorher lohnt es nicht, den zu nehmen. Naja da wird man sehen, was wird.

Aber die Fee, wäre ja nicht die Fee, wenn sie sich einfach so und ohne Plan B in die Ungewissheit stürzen würde. Von sowas bekomme ich Bauchschmerzen. Ich werde mich natürlich in der Zeit noch bei anderen Laboren bewerben und sehen, dass ich etwas in der Hinterhand habe, wenn die Uni sagt, dass sie mich nicht will.

Während des Studiums möchte ich auch weiterhin in einem Labor arbeiten. Das geht zwar (wegen Bafög) nur auf 400 Euro Basis, aber besser als nichts. Arbeiten muss sein, weil ich 1.) sonst nicht leben könnte und 2.) im Beruf bleibe. Man muss ja auch einkalkulieren, dass ich das Studium vielleicht nicht packe und dann ist es sicherlich sinnvoll, für den Arbeitsmarkt wenigstens etwas attraktiv zu sein. Außerdem muss ich im Labor bleiben, weil nur Stories über die Uni sicherlich langweilig für euch Leser wären. 😉

Da fällt mir ein, dass ich dem Bafög Männlein auch noch eine Email schreiben muss, die beinhaltet, dass es mich gibt, dass ich gedenke zu studieren und dass er sich deswegen gefälligst mal um mich zu kümmern hat. Mal sehen, wie ich das freundlich ausgeschmückt bekomme. 😀

Ich gebe zu, ich mache mir schon etwas Sorgen darüber, wie es wird, wenn das mit der Uni nicht klappt und noch mehr Sorgen darüber, was wird, wenn das mit der Uni klappt. Es haben viele Leute versucht mir das ganze auszureden. Von „Wenn du fertig bist, bist du so alt, dass dich keiner mehr will“ über „Den Studiengang haben schon viele studiert und mussten danach wieder als Laborfee arbeiten“. Allerdings denke ich mir, bis ich fertig bin mit allem, und allem heißt in diesem speziellen Fall alles, inklusive dem Doktortitel, sieht doch auch die Berufslage wieder ganz anders aus. Und selbst wenn nicht, das Studium bewirft einen sozusagen mit Naturwissenschaftsfächern. Ich bin danach DER NaturwissenschaftsPro und kann praktisch überall arbeiten, wo Naturwissenschaft dransteht. Und selbst, wenn auch das nicht, was spricht dagegen, dass ich nach dem Studium dann eben eine alte super Laborfee mit Doktortitel bin? Ich liebe das Labor. Ich will doch sowieso nirgendwo anders sein. Und ob ich das jetzt als Laborarzt umsetze oder als Laborfee ist doch Wurst, aber wenn das mit der Uni klappt, dann kann ich wenigstens sagen, ich habe es versucht, im Bestfall auch geschafft und habe meine Zeit nicht damit vergeudet nur davon zu träumen, um hinterher zu bereuen, dass ich es nicht gemacht habe. Und vielleicht klappt es ja auch dieses Jahr gar nicht und ich finde mich im Oktober einfach nur in einem anderen Labor wieder. Oder in dem gleichen und nur in einer anderen Abteilung.

Trotz allem bleibt die Sorge. Das ist ein großer Wandel. Ob ich mich richtig entscheide bleibt wohl abzuwarten.

Vielleicht bin ich auf der Flucht ins Glück, vielleicht auch nicht.

Ich halte euch auf dem Laufenden 😉

So..und nun werde ich damit beginnen, in eine Papiertüte zu atmen.

Advertisements

22 Gedanken zu “Flucht ins Glück (?)

  1. Wow – der Studiengang klingt ja cool. Muss ich mal googlen, wo es sowas gibt, auch wenn ich mich lieber nicht mehr umentscheide. Wir scheinen im selben Jahr Abi gemacht zu haben, zumindest hab ich im November im 13. Hochschulsemester mein Lehramtsstudium abgeschlossen. Nur dummerweise will ich ja nicht mehr ins Lehramt, sondern lieber in die Wissenschaft und mach deshalb noch den Master in „Mathematik in Medizin und Lebenswissenschaften“. Deine Gedanken mit dem „so alt“ kenn ich, mir geht es genauso, zumal ich schon beim Abi eine der Ältesten war. Wenn man Ende Juli geboren ist und regulär in die Schule kam und noch kein G8 hatte, ist man halt bei Studienbeginn schon 20. Dann noch etwas länger gebraucht als üblich und ein Auslandssemester gemacht – und zack bin ich beim Ende vom Master auch schon Ende 20, wenn ich Pech habe auch noch älter… Promotion wäre evtl. auch sinnvoll… lieber nicht dran denken.
    Andererseits hast du (und ich auch) in den 7 Jahren ja nicht nichts gemacht, sondern was Sinnvolles, was sogar mit deinem Studium in Verbindung steht. Ich sag mir in optimistischen Phasen immer, dass es hoffentlich irgendwo Personaler gibt, die es postitiv sehen, dass ich einiges an Wissen und bestimmte Erfahrungen hab, die andre nicht haben, und dass für sie dann das Alter nur zweitrangig ist. Zumal eben keine (großen) Lücken im Lebenslauf sind.
    Viel Erfolg für deine Bewerbung!

    • Ich werde wohl irgendwas zwischen Anfang und Mitte 30 sein, wenn ich fertig bin. Also sollte das so klappen. Ich finde diese EInstellung nur so furchtbar, dass ich scheinbar ab Mitte 30 zu alt sein soll noch in einen Beruf einzusteigen. Eine Ausbildung dauert nunmal, ebenso wie ein Studium. Das man keine 20 jährigen Doktoren einstellen kann, sollte doch jedem Arbeitgeber klar sein, oder?!

      • Ich hab den Eindruck, dass denen das nicht klar ist bzw. sie es nicht wissen wollen :roll:. Und es ist natürlich so, dass in unseren Jahrgängen die Absolventen locker 2-3 Jahre älter sind als Leute aus anderen Ländern. (Über die Reife kann man sich sicher streiten und über die Schulbildung auch – ich war ein halbes Jahr als Deutschassistentin in Frankreich, wo die Schüler teilweise beim Bac noch 17 waren. Reif ist was anderes und die Leistungen, mit denen man da das Bac erreichen konnte – sogar noch mit passablen Noten -, echt unterirdisch. Sicher trifft das nicht auf jeden frz. Studienbeginner zu, aber leider doch auf viele.)
        Und du mit deiner Ausbildung und Berufserfahrung hast ja echt was vorzuweisen. Viel mehr als ich zumindest ;-).

  2. Uh… Gratulation zu den bisher gemachten Schritten. Sowas ist nicht leicht. Aber (das musste ja kommen ;-)):
    – als Dr. Laborfee bist du vermutlich heillos überqualifiziert und würdest nach Tarifvertrag massig Kohle bekommen. Ob ein Labor sich das leisten will oder kann… *schulterzuck*
    – Ich studiere selbst Biologie und kann daher sagen: alles, was ein Dr. vor dem Namen stehen hat, steht mindestens bis zu den Ohren in Papierkram. So richtig im Labor arbeiten ist da (eigentlich) nicht mehr. Laborleitung, das kann man damit machen 😉

    Just my five cents, aber ich drück dir die Daumen.

    • Ich mach das jetzt erstmal, bzw versuche es und dann seh ich einfach, was ich damit mache. Ist ja noch laaaaaaange hin, bis zum Doktor. Und es ist ja auch nich gesagt, dass das im ersten Anlauf überhaupt was wird.

  3. Na dann wünsche ich ganz viel Glück und Erfolg! Zumindest der Labornebenjob dürfte nach meiner Erfahrung nicht sooo schwer zu finden sein, die sind ja immer froh, wenn jemand die Wochenenddienste macht (ich hab für die Samstage und manchmal Spätdienste auch ne Medizinstudentin-MTLA).

  4. Ein mutiger Schritt. Aber du wirst ihn dir nicht leichtgemacht und gut durchdacht haben. Ich drück dir die Daumen, dass das mit dem Studienplatz klappt! 🙂

    Zum Thema „alt beim Berufseinstieg“: Du hast eine Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung. Wenn ich das richtig herausgelesen habe, sogar in mehr als einem Labor. Auf die kannst du nicht nur zurückfallen, falls das mit dem Studium aus irgendeinem Grund doch nicht funktionieren sollte, sondern hast im Vergleich zu einem jungen „Frischling“ ebendiese Erfahrung vorzuweisen. Der fängt nach dem Studium fast bei Null an. Vor allem, was Praxiserfahrung (und auch SoftSkills) angeht. Du hast da schon einiges zum drauf aufbauen und bist dann eben kein „blutiger“ Einsteiger mehr.

    Und außerdem: ab Mitte 30 ist man doch noch nicht alt. Vielleicht nicht mehr ganz so jugendfrisch wie kurz nach dem Abi – aber alt? 😀

    • Ich danke dir 🙂 Ja, diesen Schritt habe ich mir wirklich nicht leicht gemacht. Letztes Jahr war es eine spontane Idee und ich habe mich nicht getraut mich zu bewerben, aber nun ist diese Idee gereift und die Frage „wieso eigentlich nicht?!“ wurde immer größer. Bis vor kurzem war da noch kein einziger Zweifel, aber wie das so ist. Je näher man kommt, desto mehr beginnt man zu grübeln.

  5. Dann mal viel Erfolg. Einen Zahn muss ich dir aber wahrscheinlich ziehen: Wenn du einen Doktor hast, wird dich niemand mehr als MTA/CTA/BTA wasauchimmer anstellen – da bist du dann überqualifiziert. Ist einer Bekannten von mir passiert.

    • Ja, sowas dachte ich mir. Den verschweig ich dann einfach zur Not. 😉
      Und vielleicht komm ich soweit ja auch gar nich..und selbst wenn, bis es soweit ist, habe ich noch vieeeel Zeit, um als MTA zu arbeiten und danach vielleicht doch irgendwann die Schnauze voll. Wer weiß, was in 5 Jahren ist.

  6. Lebensträume und so 😉 Find ich gut! Eine kollegin von mir hat sowas auch durchgezogen und ist jetzt sehr glücklich mit ihrem Weg auch wenns hart war und sie erst mit 40 in den neuen job einstieg. Außerdem klingt das bei dir sehr durchdacht und eben nach echtem Interesse, also… auf interessante uniblogs für uns 😀

  7. Uh Fee – ich drücke dir alle Pfoten die ich habe und wehe, es gibt keine Berichte darüber, was die Uni anstellt, um dir das fürchten zu lehren. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s