Terror am Arbeitsplatz

Was ist das für ein gar ekelhafter Tag und was hat er mit meinem Dienstag angestellt?
So, wie der drauf ist, hat er ihn vermutlich gefressen. Aber ich wollte es ja so, habe ich schließlich den ganzen gestrigen Mist unter der Woche aufgeteilt, um zu vermeiden, doch noch spontanen Suizid zu begehen. Hat geklappt, wie man sieht.

Das macht den heutigen Tag aber wirklich in absolut keinster Weise besser. Man muss annehmen, die Tatsache, dass die Sommerferien einzug gehalten haben, animiert den Großteil der Bevölkerung Feenstadts nun dazu, sich in die Ambulanz zu setzen oder sich auch gern wahlweise mit dem RTW herfahren zu lassen oder einfach nur mal so reinzuschauen, weil man sich irgendwie nicht so fühlt. WO KOMMEN ALL DIE KLAMOTTEN HER?!

Wenn ich mich an die letzten Sommerferien erinnere. Da war nix. Mindestens 8 Wochen lang flaute. Da kam man tatsächlich nur zur Arbeit, damit man zur Arbeit gegangen ist und sonst nix. Und jetzt?! Proben wohin das Auge blickt und das an einem Dienstag. Ich fühle mich aufs Übelste betrogen. Ein Dienstag hat gefälligst chillig zu sein. An einem Dienstag, lasse ich für gewöhnlich meine Motivation zu hause, einfach weil ich sie nicht brauche. Weil Dienstag ein Tag ist, an dem nichts kommt. Da kann man durch die blanke, geballte Anwesenheit glänzen, sich zurücklehnen und lesen, ob man gerade Pause hat oder nicht.

Doch dank des neuen EDV Systems auf den Stationen ist das heute nicht so. König Nachforder hat eine neue Disziplin für sich entdeckt. Ich nenne sie “ Drucken Sie mal den Befund bei sich aus, der neue gefällt mir nicht“. Ehrlich wahr.
Weil ihm die Befunde des neuen Systems zu klein und unübersichtlich sind, darf ich ihm praktisch pausenlos meine Befunde ausdrucken, einfach, weil ihm die besser gefallen. Dazu fordert er selbstverständlich nach, was das Anforderungsformular hergibt. Dabei ist es auch vollkommen irrelevant, dass er vor erst zwei Sekunden in meinem Labor stand und es mir hätte mitteilen können. Ein wahrer König spricht nur via Fernsprechgerät zum Pöbel. Also kommt er rein, holt sich seinen gefühlt 70. Befund ab, geht wieder raus und ruft dann an, um für einen anderen Patienten noch etwas nachzufordern. Dafür lieben ihn seine Untertanen.
Und dieses Schauspiel geht heute schon den ganzen Tag so. Zwischendurch lässt er immer mal wieder fallen, dass hier zum Glück eine so geduldige Laborfee sitzt. Das soll er mal meinem Magengeschwür erzählen, das zeitgleich fröhlich in Entstehung begriffen ist.

Zusätzlich zu dem ganzen Telefonterror heute, wird die Vertretungsfee nicht müde, mich permanent via EMail über meine Kündigung auszufragen. Ob ich schon gekündigt habe, ob ich doch noch ein Jahr bleibe und ganz wichtig, wenn ich ich doch noch bleibe, möge ich ihr doch endlich verraten, wann ich meinen Resturlaub zu nehmen gedenke. Ich habe momentan ja auch keinerlei andere Sorgen, als meinen Resturlaub. Als ob sich die Sache mit der abgelehnten Kündigung nicht längst bis zu ihr rumgesprochen hätte. Ich werde ihr ganz sicher nicht darauf antworten. Jedenfalls nicht heute. Irgendwann die Woche und auch das nur vielleicht. Wahrscheinlicher ist es wohl eher, dass ich mich irgendwann in der nächsten Woche dazu herablassen werde, sie mal auf den neusten Stand zu bringen.
Wieso man nicht mal warten kann, bis ich von mir aus was verlauten lasse, erschließt sich mir auch in keinster Weise.
Egal.

Zum krönenden Schluss, ruft mich dann auch noch eine vollkommen in Panik verfallene Frau Dr. an, die mir mitteilt, dass, mal wieder, eine Patientenverwechslung vollzogen wurde. Und zwar schon am frühen Vormittag. Glücklicherweise kann ich die Proben noch vor dem Fahrer retten und im Auftrag vermerken, dass die im Prinzip nicht mehr zu gebrauchen sind. Frau Dr. ist recht erfreut, als ich ihr mitteile, dass kein Grund zur Panik bestehe. Weniger erfreut ist sie, als ich ihr sage, dass ich selbstverständlich nicht einfach den Auftrag so abändern könne, dass da nun der richtige Patient steht, sondern ich von beiden Patienten nun neue Proben brauche. Ich halte doch nicht den Kopf für die hin.

Ich muss Stress vermeiden, damit das mit meinem Bauch nicht schlimmer wird. Bärbel sagte nämlich gestern am Telefon schon wieder „Werd mir jetzt bloß auf keinen Fall krank. Halte durch solange es geht!!“
Ähm..ja..Mach ich. Ist auch gar kein Problem. Wenn mein Magen dann irgendwann blutet, bin ich ja immerhin auch gleich im Krankenhaus. Ein Krankenbett passt hier auch locker rein und es kommt ja sowieso immer jemand rein, der kann dann auch gleich nach mir sehen.

Perfekter Plan.

Na gut, ich gebe zu, ich übertreibe, was meine körperlichen Gebrechen angeht. Ihr sollt euch ja keine Sorgen machen. Da wird so schnell nichts bluten. Aber weh tut es trotzdem.

8 Gedanken zu “Terror am Arbeitsplatz

  1. Bei euch auch?! Hier heute fast 50 Mibiproben! Das ist in Normalzeiten schon viel, in den Ferien absolut indiskutabel!!
    Echt, ihr macht bei Pativerwechslung nicht „Befund unter Vorbehalt“, sondern gar nichts? Na gut, im KH sind die Patienten ja vor Ort zum nochmal Blutabnehmen, das ist einfacher als bei unseren Einsendern gleich zwei Patienten neu einzubestellen…
    A propos Blutabnehmen: ich war Donnerstag zum ersten Mal Blut spenden!! Eigentlich wollte ich Plasma, aber die wollten mich nicht – zu schlechte Venen. Dementsprechend sieht mein Arm jetzt auch aus, alles blaulilagrün… Irgendwie haben die da was falsch verstanden – raus sollte die Suppe, nicht sich unter der Haut und sonstwo verteilen!!

    • Ich bau dann immer einen internen Kommentar in den Auftrag, dass es sich um eine Patientenverwechslung handelt und stornier den ganzen Kram lieber. Damit bin ich auf der sicheren Seite. Ich möchte nämlich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass die hier verstehen, was gemeint ist, wenn ich „unter Vorbehalt“ in den Befund schreibe.
      Uh das klingt ja, als wäre es ein voller Erfolg gewesen.😉 Ich hoffe, du hast die Spende sonst gut vertragen.

      • 🙂 ich ess vorher selten mehr als sonst, dafür trinke ich vorher immer mehr, als sonst den ganzen tag. Sicher ist sicher.
        Ich hoffe, deinem Arm gehts bald wieder gut und er verliert bald seine Farbe wieder.

  2. Oh, der Dienstag war bei Dir auch ein Wurmtag? Also, sowohl ein Tag wo der Wurm (resp. die Würmer) drin war(en), als auch ein Tag, an dem man am Liebsten durch ein Wurmloch verschwinden würde. Ja, bei mir auch…

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