Am Anfang war ein Plan

Wie wird man eine Laborfee?

Die Frage ist schnell beantwortet. Indem man sich dazu entschließt.

Lang lang ist’s her, dass ich den Entschluss fasste Laborfee werden zu wollen. Das ich es heute bin, war auch eher durch den Zufall bestimmt. Zwei Jahre, habe ich nach dem Abi nach einem Ausbildungsplatz gesucht und nichts gefunden. Natürlich nicht, hatte ich doch an der vollkommen falschen Stelle gesucht.

Mein Abi habe ich in den Leistungskursen Kunst und Englisch gemacht, damals noch nicht ahnend, dass es mich irgendwann in die Naturwissenschaften verschlagen würde. Ich dachte damals, die wahren Bekloppten seien alle in der Kunst zu finden. Sind wir doch mal ehrlich, die meisten großten Künstler, hatten irgendwie einen an der Waffel. Doch das stimmte nicht. Oder ich habe damals die falsche Klasse erwischt, denn in meiner gab es nur arrogante Idioten, die einem stundenlange Vorträge über Toleranz halten konnten, die aber die ersten waren, die hinter dem Rücken anderer, über diese herzogen. Nach etwa der Hälfte der Zeit, wurde mir klar, dass ich besser den Bildungsgang Literatur belegt hätte, aber da war es schon zu spät. Abbrechen und neu anfangen kam nicht in Frage und Abi ist Abi.

Das Abitur in Kunst kann ich nur empfehlen, ich glaube leichter als so, bekommt man keins. Mein NC ist dennoch miserabel, aus den ein oder anderen Gründen. Deswegen und weil ich damals keinerlei Ambitionen hatte, kam ein Studium nicht in Frage. Eine Aubildung musste her. Ich bewarb mich für die verschiedensten handwerklichen, künstlerischen oder sonstwie kreativen Berufe, aber niemand wollte mich haben. Eine Ausbildung zur Vergolderin schlug ich, wegen der schlechten beruflichen Perspektiven aus, schön blöd, ich weiß, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass ich danach zwei Jahre lang erstmal gar nichts finden würde.

Das Arbeitsamt war wenig, bis gar keine Hilfe. Die Mitarbeiterin drückte mir ein Büchlein in die Hand, in dem alle derzeitigen Ausbildungsberufe und eine kurze Erklärung abgedruckt waren und gut. Das sollte ich lesen und erst wiederkommen, wenn ich etwas gefunden habe, das ich tun möchte. Also suchte ich. Bei der Ausbildung zur MTLA blieb ich hängen und war sofort Feuer und Flamme. Das war genau das Richtige, für einen Freak wie mich.
Doch auch hier konnte das Arbeitsamt nicht helfen, da die Ausbildung zur MTA eine schulische ist und damit hat das Arbeitsamt nichts zu tun. Doch ich hatte einen Plan und ich war bereit ihn in die Tat umzusetzen, koste es, was es wolle. Das ist sogar wortwörtlich zu nehmen, denn an den meisten MTA Schulen wird Schulgeld eingetrieben. Man selbst bekommt selbstverständlich keinerlei Vergütung.

Also bewarb ich mich auf eigene Faust an verschiedenen MTA Schulen in der näheren und weiteren Umgebung. Zum Glück standen mir dabei keinerlei geographische Kenntnisse im Weg, denn diese hätten die ein oder andere Bewerbung sicher verhindert und alles wäre am Ende anders gekommen.
Doch auch hier erhielt ich erstmal nur Absagen. Man, das ist frustrierend. Eine, der zahlreichen Schulen, teilte mir mit, dass ich es bei ihnen immerhin schonmal auf die Warteliste geschafft hätte, was mir allerdings in meiner derzeitigen Situation nicht besonders weiter half. Es drohte das dritte Jahr ohne einen Ausbildungsplatz zu werden und ich war schier verzweifelt.

Dann rief, eines schönen Oktobertages, plötzlich die Sekretärin einer Feenschule, 80km von Feenstadt entfernt, an und teilte mir mit, dass jemand kurzfristig seinen Platz an der Feenschule nicht mehr haben wollte und fragte gleichzeitig, ob ich noch Interesse an einer Aubildung hätte.
Interesse war bis zu den Ohren raus vorhanden, also sagte ich zu und freute mir einen riesen Keks. Der Anruf kam an einem Dienstag. Die Aubildung sollte am Donnerstag darauf beginnen. Also zwei Tage später. Und alles, was ich wusste war, wo ich hin sollte.

Zwei Tage später saß ich dann in einem großen Hörsaal und ließ mich und viele andere potentielle Feen und Strahlemännern (Die Schule bildet sowohl MTA-L, als auch MTA-R , also Radiologieassistenten aus und viele Fächer hat man im ersten Jahr noch gemeinsam) vom Schuldirektor begrüßen. Danach folgte eine Führung über das Klinikgelände und zu den Klassenräumen. Insgesamt waren alle Räumlichkeiten, die ich für die Ausbildung brauchte, in einem Stadtviertel verteilt. Das war viel gerenne und das bei meiner Orientierung. Aber ich fand schnell Anschluss bei einem anderen Mädchen, dass genauso verloren wirkte, wie ich und wir versprachen uns gleich, dafür zu sorgen, dass keine von uns beiden sich verlaufen würde. Hinterher zeigte sie mir noch den Weg zum Bahnhof. Der Unterricht sollte am nächsten Tag um 08:00 Uhr beginnen. Zu hause angekommen rechnete ich aus, wann ich in Feenstadt losfahren musste, um pünktlich da zu sein. Ich stellte schnell fest, dass ein paar geografische Kenntnisse, beim Bewerbungsverfahren doch ganz hilfreich gewesen wären, denn es stellte sich heraus, dass ich die nächsten drei Jahre das Vergnügen hatte, jeden morgen um halb fünf aufstehen zu dürfen.

Aber ich hatte immerhin einen Ausbildungsplatz gefunden. Das war es mir wert. Damals hatte ich auch noch die fixe Idee, dass ich mich im Laufe der Zeit an das frühe Aufstehen gewöhnen würde. Na klar.😉
Mir war alles egal. Ich hatte einen Ausbildungsplatz. Und zwar für einen Beruf, den ich voraussichtlich gern machen würde.

Ausschlafen ist doch eh für Pussies.😀

4 Gedanken zu “Am Anfang war ein Plan

    • Ja, das waren harte drei Jahre. Man gewöhnt sich da in keinster Weise dran. Während eines Praktikums musste ich sogar um halb vier aufstehen, weil ich schon um sieben vor ort sein musste. Ich stand ganz kurz davor, mich zu erschießen.

      • Nein..ich hab die Stunde Zugfahrt meistens noch zum Schlafen genutzt. Und da ich so früh angefangen habe, blieb nach Feierabend noch Zeit für ein Nachmittagsschläfchen. Das ging ganz gut, aber so früh aufzustehen ist wirklich menschen unwürdig^^

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