Kennenlerntag

Wie ich sowas nicht leiden kann. Hätte ich das gewusst, hätte ich noch ein Jahr mit der Ausbildungssuche aufgewandt, statt bei einem Verein von bekloppten anzufangen.

Kennenlerntag. Was für ein Käse. Statt das die uns das einfach mal selber machen lassen, wird man gezwungen sich in einen Stuhlkreis zu setzen, um dann erstmal ein paar Dinge über die Ausbildung zu erfahren. Danach bekommt man einen Partner zugeteilt und den muss man dann interviewen und ihn vor der ganzen Klasse vorstellen. Pass auf, als nächstes soll man noch seinen Namen tanzen, ich seh’s kommen. Ist mir alles egal, hauptsache, ich bekomme nicht diesen komischen Typen da hinten, als meinen Partner zugeteilt. Sitzt da mit einem Gesichtsausdruck, als wolle er dich jeden Moment fressen oder dir ins Gesicht springen und klugscheißert, wo er nur kann. Den kann ich jetzt schon nicht leiden. Immerhin einer weniger, den ich kennenlernen muss.
Der Kelch des Klugscheißers geht, Gott sei Dank, an mir vorbei. Meine Interviewpartnerin ist recht nett, genauso reserviert wie ich und stellt genauso unoriginelle Fragen wie ich. Vermutlich hat sie auch genauso wenig Lust auf den ganzen Käse, wie ich. Am Besten, wir bringen es einfach schnell hinter uns. Ich kann damit punkten, dass ich im Besitz eines Bruders bin, der mehr oder weniger frisch gepresst ist, was bei der Klasse, beim Vorstellen meiner Person, in einem Schwall der Verzückungslaute gipfelt, da ,bis auf zwei Ausnahmen, die Klasse nur aus Weibern besteht. Das wird noch lustig werden. Ich wette, in drei Jahren mensturieren wir alle gemeinsam. Die beiden Jungs auch. Einfach, weil sie nicht anders können.

Das zweite, wirklich grandiose,  „Spiel“, dient dem Teamwork. Es bilden sich Gruppen, deren Aufgabe es ist, einen Turm aus den Gegenständen zu bauen, die sie auftreiben können. Dieser sollte so hoch wie möglich sein und darf auf keinen Fall umkippen. Meine Gruppe ist zum Glück erträglich, wir kommen gut miteinander aus und können die Aufgaben gut aufteilen. Unser Turm wird zwar nicht besonders hoch, dafür aber grundsolide. Der würde nichtmal umfallen, wenn er dürfte. Außerdem gönnen wir ihm ein Schwarzlichtlämpchen auf der Spitze. Ich war schon immer der Ansicht, dass einfach jeder ein Schwarzlichtlämpchen an seinem Schlüssel haben sollte, weswegen ich kurzerhand den Anfang machte. Kommt immerhin gut an.

Immerhin sind wir jetzt mit dem Gespiele durch. Ich fühle mich den anderen auch schon gleich viel näher.
Danach sitzen wir wieder im Stuhlkreis und bekommen weitere Informationen über die Ausbildung. Auch die, dass wir in verschiedene Kurse aufgeteilt werden, welche in den nächsten Tagen eingeteilt werden sollen. Super, dann hätte ich mir das ganze Kennengelerne bei der Hälfte der Klasse ja gleich schenken können. Drei Kurse sollen es werden, weil wir eine so große Klasse sind. Der dritte Kurs wird für den Nachmittagsunterricht nochmal in zwei Hälften gesplittet und den beiden ersten Kursen zugeteilt. Kompliziert. Es wäre wohl einfacher gewesen, mal einfach nicht so viele Schüler aufzunehmen, aber dann säße ich wohl jetzt nicht hier, also bin ich besser still.

Am Nachmittag ist der Spuk endlich zuende und ich habe nicht das Gefühl, irgendjemanden aus dieser Klasse kennengelernt zu haben. Ich bin allerdings vorsichtig optimistisch, dass das noch kommt, sobald wir alle in unseren Kursen stecken. Ich begebe mich zum Bahnhof, wo der Zug nach hause natürlich gerade weg ist. Zum Glück fahren eine Menge Züge nach Feenstadt. Bis ich zu hause bin ist es bereits früher Abend. Ich habe gerade noch den Kopf für die lebenserhaltenden Maßnahmen, wie essen und Körperhygiene. Bald ist auch schon wieder Bettchenzeit. Morgen, um halb fünf klingelt der Wecker wieder.

5 Gedanken zu “Kennenlerntag

  1. Na, bis Du Gotsassaufeinemast getanzt hättest, wären die schon lang daheim gewesen😉
    Ne, ernsthaft, mir gehts wie Dir, mit diesen Spielchen kann ich nicht so besonders viel anfangen…

    • Ich hasse solche Kennenlerngeschichten wie die Pest. Als ob sich irgendwer bei sowas natürlich benehmen würde. Zumal wir drei Jahre Zeit hatten uns kennenzulernen. Und bei solchen Spielen ist doch sowieso nur jeder darauf bedacht, sich nicht komplett zum Horst zu machen. Fürchterlich.

  2. Das erinnert mich an meinen ersten Schultag an der neuen Schule. Auch bei uns wurde so ein doofes Kennlernspiel veranstaltet, war das ätzend und wir hatten auch nur zwei Jungs in unserer Klasse.

    Übringens bin ich eine neue Leserin, die dazu neigt nur still mitzulesen. Habe deinen Blog auch schon fast durch, fehlt nur noch ein Artikel.🙂

  3. Pingback: Der erste Kontakt « gotsassaufeinemast

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