Die Spezies Mann

Wie ich in einigen Posts schon habe durchscheinen lassen, gehe ich derzeit ohne einen Feeerich an meiner Seite durch die Welt. Das ist ärgerlich, aber keine qualitative Beeinträchtigung meines Lebens. Da ich ja sowieso die ganze Woche bis in die Puppen arbeite und an den Wochenenden zu faul bin, um auf die Jagd zu gehen, oder mich einsammeln zu lassen, ist für einen Feeerich im Moment sowieso irgendwie kein Platz.

Nun hat ja jede Frau so ihre Vorstellungen, wie der ideale Mann an ihrer Seite zu sein hat, um sie in einen permanenten Zustand der Glückseligkeit zu katapultieren. Manche geben sich mit den evolutionären Vorgaben zufrieden, andere wären wohl besser bedient, wenn sie sich den Mann ihrer Träume lieber selber basteln würden. Ich befinde mich dabei irgendwo im Mittelfeld und weiß eigentlich gar nicht so richtig, was ich will.

Da gäbe es das Alpha Männchen.

Ein naher Verwandter des Neandertalers und am Ende der Nahrungskette anzutreffen. Das Alpha Männchen schwitzt sein Testosteron geradezu aus, weil es einfach nicht weiß, wohin damit. Es steht in einem ständigen Konkurrenzkampf, mit anderen Artgenossen, hat dabei aber soviel selbstbewusstsein, andere neben sich wenigstens zu tolerieren. Es ist allerdings auch jederzeit dazu bereit sich um und für das Weibchen seiner Wahl zu prügeln. Unnötig zu sagen, dass ein Alpha Männchen, natürlich, als Sieger aus solcherlei Unstimmigkeiten hervorgeht. Das Alpha Männchen trägt sein erwähltes Weibchen auf Händen, wenn dieses nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Vor allem dann, wenn das erwählte Weibchen wieder hübsch sein wollte, die Highheels aus dem Schrank geholt hat und am Ende des Abends nicht mehr laufen kann, weil es Blasen an den Füßen hat, so groß wie Neuseeland.

Doch ein Alpha Männchen trägt seinen Namen nicht umsonst. Da es so unglaublich Alpha ist, möchte das Männchen sich, von seinem erwählten Weibchen, umsorgt und betüddelt wissen. Um dies zu erreichen, ist es sich nicht zu Schade auch gern den Macho kilometerweit raushängen zu lassen. Befindet es allerdings, dass es zwischen sich und seinem Weibchen so langsam ernst wird, oder gar im Falle einer schweren Krankheit, wie z.B. einem gemeinen Rhinovirus, kann es ebenso verschmust oder gar anhänglich sein.
Das Alpha Männchen ist durchaus bereit die Meinung seines Weibchens anzuhören und bei gefallen zu akzeptieren. Sollte das Gefallen ausbleiben, wird es sich nicht scheuen dies kundzutun und argumentativ zu belegen. Ja und Amen sagt es nur, wenn es dazu stehen kann. Ein Alpha Männchen fragt man nur, ob man in dieser Hose fett aussieht, wenn man mit der schonungslosen Wahrheit leben kann, dass dem so sein könnte.

Damit kann man doch schon leben. Je nach Ausprägungsgrad versteht sich. Solange mich das Alpha Männchen als Alpha Weibchen ansieht, dürfte einer glücklichen Zukunft nichts im Wege stehen.

Die Alternative wäre das Beta Männchen.

Das Beta Männchen steht in der Nahrungskette etwas hinter dem Alpha Männchen. Irgendwo hinter den Raubtieren würde ich sagen. Schlägt das Alpha Männchen dem Raubtier doch eher mit der bloßen Hand den Kopf ab, um danach unanständige Dinge mit dessen Hals anzustellen, hält das Beta Männchen eher Ausschau nach einer geeigneten Rückzugsmöglichkeit, um zu ersinnen, wie es dem Gefressenwerden durch das Raubtier entgeht. Das Beta Männchen überschüttet sein Weibchen geradezu mit seiner Liebe und das meistens permanent, ist es sich doch absolut sicher, mit diesem Weibchen, die Frau für’s Leben gefunden zu haben. Diese Erkenntnis reift schon, seit ihm sein Weibchen das erste Mal auf die Füße trat. Um sein Weibchen nach hause zu tragen, ist das Beta Männchen zu schmächtig, jedoch ist es in der Lage, so lange auf sein Weibchen einzureden, bis dieses von einem Fluchtreflex erfasst wird und wieder genügend Energie aufbringen kann, um aus eigener Kraft nach hause zu gehen. Ebenso verfährt das Beta Männchen mit Nebenbuhlern. Da es aus einem Kampf auf keinen Fall als Sieger hervorgehen wird, wird das Beta Männchen stets versuchen, den Feind in eine Diskussion über das Für und Wider eines Kampfes zu verstricken und ihn auf diese Weise in die Flucht argumentieren.

Ein Beta Männchen nach seiner Meinung zu fragen, bietet einige Vor-und Nachteile. Ein Nachteil ist, dass man seine Antwort immer zeitverzögert bekommt, weil es erst ersinnen muss, was man selbst in diesem Moment wohl gerade gern hören möchte. Hat es dies herausgefunden, wird es seine Meinung darauf aufbauen. Der Vorteil dabei ist, man wird niemals erfahren, ob man in dieser Hose wirklich fett aussieht.

Auch hier entscheidet natürlich wieder stark die jeweilige Ausprägung. Es wurden auch schon Hybriden zwischen Alpha und Beta Männchen gefunden. Sozusagen Alpha Komma Fünf Männchen.
Einige Frauen bevorzugen das Beta Männchen, ob seiner zahlreichen Qualitäten. Es ist eben alles immer rein subjektiv.
Die dritte Kategorie ist für das Omega Männchen reserviert.

Wie der Name schon sagt, sucht man das Omega Männchen vergebens am Ende der Nahrungskette. Tatsächlich ist es so, dass erst so ziemlich alles an Getier kommt, dann Phytoplankton, dann Destruenten aller Art, dann kommt lange nix und erst dann, irgendwann ganz am Schluss, kommt das Omega Männchen.
Das Omega Männchen besitzt wenig, bis keinerlei natürliches Testosteron und wird stattdessen von einer Welle Östrogen überschwemmt. Während andere auf Jagd gehen, macht das Omega Männchen sich Gedanken über die Ästhetik seiner Höhle oder sammelt ein paar Beeren oder Mangold, um den Geschmack des Fleisches hervorzuheben.
Überschüttet das Beta Männchen sein Weibchen mit seiner Liebe, so wird das Weibchen des Omega Männchens förmlich in Betonschuhe geworfen und in seiner Liebe ertränkt. Dem Omega Männchen ist klar, dass es sein erwähltes Weibchen in jedem Fall halten muss, da es nicht weiß, wann das nächste des Weges kommen wird. Um dies zu erreichen, wird es seine eigene, generell nur spärlich vorhandene, Persönlichkeit hinten anstellen und sein Leben komplett auf die Belange des Weibchens ausrichten, dabei wird ihm kein Kompliment zu offensichtlich oder plump sein, denn er sieht es als seine Pflicht, sein Weibchen geradezu damit zu bewerfen. Um all sein Potential ausschöpfen zu können, benötigt das Omega Männchen ständig eine neue Aufgabe. Sollte einmal ein Nebenbuhler auftauchen, lässt das Omega Männchen erst gar keine Kampfsituation entstehen. Es wird den Kampf sofort als verloren ansehen und das erwählte Weibchen dem Nebenbuhler überlassen. Generell wird das Omega Männchen alles tun, um Konfliktsituationen zu vermeiden und schreckt auch vor abrupter Flucht nicht zurück, wenn ein Ja und Amen nicht mehr auszureichen droht.

All diese Umschreibungen sind natürlich mit einem Augenzwinkern zu lesen. Ich danke an dieser Stelle Gisbert, für ihre tatkräftige Hilfe beim Brainstormen.

Aber wieso schreibe ich das alles?

Erstmal, weil ich es kann und mir auch nichts besseres einfiel und zweitens, weil Gisbert und ich die Idee des Omega Männchens einfach super finden. Deswegen wird es ab jetzt immer mal wieder Geschichten über den Alltag des Omega Männchens geben, in der Hoffnung, ihr habt mit ihm genauso viel Spaß wie wir.

12 Gedanken zu “Die Spezies Mann

  1. Ich finde das an der Stelle nicht witzig. Mein Präbär (also nicht der Bär sondern sein Vorgänger) war ein Omega und oh Gott… Am Ende war ich froh, die Beziehung beendet zu haben. Omegas sind nervig! o.O Wobei mein Omega eine Spezialzucht war. Omega dachte nämlich es wäre Alpha und versuchte es auch zu sein. Da das aber nicht funktionierte, war es einfach nur lächerlich. O.o

    Und nicht falsch verstehen:
    Als Mensch an sich war er nicht schlecht. Meistens war er auch ein guter Freund – wenn er nicht seine „ich muss jetzt Alpha sein!“-Phasen hatte… aber… neee… geh weg. o.O

    Und noch etwas:
    Mein Bär bleibt mir!😀

  2. Ich hab mehrmals laut gelacht und finde Deine Beschreibungen mehr als passend! Schon mehrmals bin auch ich auf einen Omega reingefallen, der sich aber anfangs geschickt als Beta, oder sogar Alpha tarnte! Omegas haben es also faustdick hinter den Ohren und sind als solche definitiv nicht zu unterschätzen.

    Danke für diesen sehr amüsanten artikel!

    Lieben Gruss die Missy

  3. „Solange mich das Alpha Männchen als Alpha Weibchen ansieht“

    Du bist dir hoffentlich darüber im Klaren, dass du das einem echten Alpha-Männchen (nicht einem dieser Pseudo-Alphas, die es wie Sand am Meer gibt und die in Wirklichkeit nur irgendwo zwischen Zeta und Xi rangieren) jeden Tag wieder aufs neue beweisen musst. Und das ist auf Dauer extrem anstrengend!

      • Naja, ich wollte nur darauf hinweisen, dass Alphas alles andere als pflegeleicht sind. Dessen sollte man sich bewusst sein. Die meisten Frauen wären wohl mit einem Beta bis Epsilon am besten bedient.

        Ich bin selbst seit einigen Monaten mit einem Alpha (d.h. mein Liebster ist schon extrem, für den müsste man glatt noch einen griechischen Buchstaben vor dem Alpha – quasi Pre-Alpha – erfinden) zusammen.
        Trotz seiner unbestreitbaren Vorteile🙂 artet die Beziehungspflege manchmal in Stress aus.

        Mit Omegas habe ich keine Erfahrung. Die meiden mich wie der Teufel das Weihwasser – und das möchte ich ihnen auch geraten haben.

  4. Pingback: The Return of the Omega Männchen « gotsassaufeinemast

  5. Nachdem ich über den Artikel vom „Omegamännchen“ hierher verschlagen wurde, will ich doch aber auf jeden Fall auf ein Problem aufmerksam machen – nämlich auf den uralten Kinofilm des gleichen Namens „Der Omega-Mann“. (Näheres dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Omega-Mann)

    Tut mir leid, aber dieser Omega-Mann passt leider gar nicht eine die hier erklärte Kategorie des Omegamanns…😀

    • Ist doch ganz klar. In dem Film ist es ein Mann. Zum Mann hat es das OmegaMännchen noch nicht geschafft.😀

      Aber ich sehe ein, dass da wirklich keinerlei Parallelen existieren. I am Legend klingt da auch irgendwie eindrucksvoller…Unser OmegaMännchen wird höchstens mal Lachnummer sein. Zur Legende bringt ders sicher nich mehr..

  6. Pingback: Kochen mit dem Omega Männchen | gotsassaufeinemast

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