Da krieg ich die Krätze!

Die Feenausbildung läuft schon seit einigen Wochen mehr oder weniger erfolgreich und ich habe meinen Kurs mittlerweile besser kennengelernt und auch nette Leute gefunden, mit denen ich die Schultage über die Runden bekomme.

Sarah gehört nicht zu diesen Leuten. Sarah ist ein ungepflegtes, untergroßes Mädchen und erweckt schwer den Eindruck, als habe sie sich das alles irgendwie einfacher vorgestellt und sieht sich mit der Tatsache, dass sie für ihr Fortbestehen hier ab und an vielleicht auch mal ein bisschen lernen sollte, vor schier unüberwindbare Hindernisse gestellt. Dazu ist Sarah noch der Hypochonder vor dem Herrn und fehlt folgerichtig die meiste Zeit. Glänzt sie mit Anwesenheit, wundert sie sich, wieso sie weder die Theorie, noch die Praxis beherrscht und will von den Anderen mitgezogen werden. Die Anderen freut das, selbstverständlich, sehr, haben sie doch noch nicht genug Arbeit, mit ihrer eigenen Ausbildung.

Nun fehlt Sarah bereits schon seit einigen Wochen. Vermisst wird sie allerdings nicht. Dann plötzlich, steht eines Tages ein Männlein vom Gesundheitsamt im Raum, der uns einen Vortrag über Scabies halten möchte. Also über Krätze. Alle fragen sich, weswegen der nette Mann sich nun ausgerechnet jetzt über Krätze unterhalten möchte, da dieses Thema gerade nicht behandelt wird und daher etwas aus der Reihe fällt. Unsere Dozentin kann das Rätsel des Krätzemännleins schnell auflösen und teilt uns, bevor es losgeht, mit, dass wir diesen kurzen Exkurs Sarah zu verdanken haben, womit nun auch klar ist, wieso sie schon seit Wochen nicht da ist. Allgemeines Kribbeln macht sich in der Klasse breit und bei mir fängt es auch schon irgendwie an zu jucken. Das ist nicht schön. Ich sitze in einigen Fächern direkt neben Sarah.
Das Krätzemännlein versucht zwar uns das allgemeine Kribbeln zu nehmen, indem es erklärt, dass das Viehzeugs nur durch wirklich engen Körperkontakt übertragen werden kann, aber da stößt es auf taube Ohren, uns juckt’s.
Wir sind, nach dem Vortrag des Männleins, ziemlich erpicht darauf, den ganzen Klassenraum, so gut es eben geht, zu desinfizieren und die Spinde auszuwaschen. Alle Kittel, die gerade in Benutzung sind, wandern in die Wäsche. Und wenn es nur dazu dient, dass wir uns besser fühlen und es nicht mehr auf der Haut kribbelt.

Einige weitere Wochen später ist Sarah wieder da und entkrätzt, wie wir alle hoffen. Der Alltag geht wie gewohnt weiter und viele suchen das Gespräch mit dem ParasitenMutterschiff, um zu erfahren, wie es dazu kommen konnte. Der Verdacht drängt sich auf, dass die hygienischen Umstände bei Sarah und ihrem Freund ihr übriges dazu beigetragen haben, denn auf die Frage, wie sie denn die Polstermöbel entmilbt habe, antwortet sie bloß: „Gar nicht, wir ziehen ja demnächst um, dann kommt das Sofa etc. sowieso weg“.
Schon wird der Abstand zu ihr wieder ein klein wenig  größer.

Ein paar Tage später sitze ich mit Sarah im Aufenthaltsraum und unterhalte mich über den gerade hinter uns gebrachten Unterricht, als das Thema wieder auf ihre Krätze fällt. Es folgen zahlreiche Beschreibungen der verschiedenen befallenen Hautstellen, was mir mehr als unangenehm ist.
Was mich aber dann vollends traumatisiert ist der Dialog, der daraus resultiert.

S: Poah das sah aus, kann ich dir sagen..

I: Hmmm

S: Poah und mein Freund erst..

I: Ach, der hatte das auch??

S: Ja, richtig schlimm. Vor allem an seinem (hier bitte geeignete Bezeichnung für das primäre männliche Geschlechtsorgan einsetzen)

I: ö.Ö

S: Ganz übel, sah das aus..Kennst du die Abbildung im Mikrobiologiebuch? Da ist doch auch dieser infizierte (hier bitte geeignete Bezeichnung für das primäre männliche Geschlechtsorgan einsetzen) drin.

I: Jaaaaaaaa?

S: Genau so, sah der von meinem Freund auch aus.

I: ö.Ö!!!!!!!!!

AAAAHHHHHHHH!!! Wieso erzählt dir mir das?! Ich will das nicht wissen. Mein Leben war so schön, als ich noch nicht wusste, wie das primäre Geschlechtsorgan ihren versifften Freundes ausgesehen hat. Ich will nach hause.

I: Ich werde jetzt mal schauen gehen, wo die Anderen sind…bis….später….

Langsam gehe ich aus dem Raum und treffe die anderen im Flur. Die liebste Mibi Fee ist auch dabei und scheint mir mein Trauma am Gesicht abzulesen.

LMF: Was ist denn mit dir los?

I: Tu mir bitte einen Gefallen, wenn ihr da rein geht und Sarah fängt wieder von ihrer Krätze an, dann steckt euch die Finger in die Ohren und singt laut lalalalalalalala. Es sollen nicht noch mehr Menschen leiden müssen.

LMF: Hä?!

I: Sie hat mir gerade erzählt wie das verkrätzte primäre Geschlechtsorgan ihres Freundes aussah…

LMF: ö.Ö  Hat die nich wirklich?!

I: Doch, hat sie..und jetzt entschuldige mich. Ich werde versuchen einen Wattetupfer so weit in meine Nase zu stecken, dass die Bilder in meinem Kopf wieder verschwinden.

LMF: Dann bis gleich in Mibi..

I:   -.-   ja bis nachher..

Das mit dem Wattestäbchen hat leider nicht funktioniert. Sarah hat die Probezeit nicht bestanden, was mich irgendwie freut, denn sonst hätte ich diese Bilder wohl immernoch in meinem Kopf…

9 Gedanken zu “Da krieg ich die Krätze!

  1. Uah…Kopfkino – da kribbelts ja schon allein beim Lesen. Und bei der Beschreibung…ja ne, da zieht sich alles zusammen.

    Ich glaub, ich geh mich gleich mal dekontaminieren😉

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