36°C

Das ist die Temperatur, die ich augenblicklich in meinem Labor habe. Und ganz dem Lied entsprechend, wird es noch heißer. Wenn ich nachher nach Hause fahre, werden es wohl noch so an die 2°C mehr sein. Am Ende eines solchen Tages bin ich gut durch, von allen Seiten. Noch dazu ist es hier heute ganz ekelerregend schwül, weswegen mein Kreislauf schon den Großteil des Tages mit sich hadert, ob er lieber bleiben oder gehen möchte.

Der große Erfolg des Tages ist definitiv, dass ich es geschafft habe, das Brett vor meinem Kopf zu lösen und den Großen wieder ans Laufen zu bekommen. Ich dachte heute morgen, ich seh nicht richtig, als der plötzlich den Dienst quittierte und nichts mehr machen wollte. Da hab ich bei solch einem Wetter ja nerven für. Immerhin, er läuft wieder. Bisher fehlerfrei, aber fehlen ja auch noch 6°C, bis er endgültig den Dienst quittiert.

Generell ist es zum Arbeiten heute einfach zu heiß. Die Opfer an den heiligen Sankt Offenbar, die ich vom SchwesternVerein in Form von „Boah, hier ist es aber warm drin“ bekomme, tragen weder zur Kühlung, noch zu meinem Wohlbefinden bei und sorgen eigentlich nur dafür, dass ich noch miesepetriger werde.

Zu großen Taten bin ich heute nicht fähig. Das Einzige, wofür ich noch genügend Energie zu haben scheine, ist mich darüber zu beschweren, wie elendig warm es ist und die, die es abbekommt, ist wie immer Gisbert. Allerdings tun wir uns in Sachen nölen nicht viel.
Nichtmal Chillmaster 3000 hat sich heute auf der Wiese eingefunden, wohl aus Angst, die sengende Sonne könne ihn in ein Häufchen Asche verwandeln.

Martin ruft heute an und fragt mich, ob er mir einen Ventilator mitbestellen soll. Ich komme mir ganz geringfügig verarscht vor, weil hier seit letztem Sommer sowohl ein Ventilator als auch eine mobile Klimaanlage stehen, die faktisch nichts bringen, außer dass sie heiße Luft befähigen, sich im Kreis zu drehen. Heiße Luft, die sich im Kreis dreht ist immernoch heiß. Mit einer vernünftigen Klimaanlage kann er auch nicht dienen, verspricht mir aber, mir bei Zeiten ein Eis auszugeben. Der Schwätzer. Als würde ich all den Weg zum Haupthaus für ein lumpiges Eis auf mich nehmen. Da fahr ich doch gleich lieber an der Tanke vorbei und hol mir einen großen Pott Eis von meinen beiden besten Freunden Ben und Jerry, in der Hoffnung, dass ich ihn nach Hause bekomme, ohne dass er mir wegschmilzt.

Während ich das nun geschrieben habe, ist wieder ein bisschen Zeit vergangen und das Thermometer sagt mir, dass es nun hier drin herrlich muckelige 37,5°C sind.
Zwei Stunden muss ich noch ausharren, dann kann ich heim. Heim komme ich aber nur, wenn ich mich in mein bestimmt 60°C warmes Auto setze. Ich glaube, ich setze mich während der Fahrt auf ein Kühlpack. Oder klemme mir zwei unter die Achseln..oder so.

 

Kleiner Nachtrag: Verlassen habe ich das Labor eben bei einer Temperatur von 39,5°C

18 Gedanken zu “36°C

  1. Öhm… Arbeitsrechtlich gesehn, sind das aber ein paar Grad zu viel, oder? Ganz abgesehen davon: sind solche Temperaturen für die Proben nicht etwas ungünstig? ((hier offenbart sich der medizinische Laie…;-)))

    • Ein paar winzige Grad sind das in der Tat zuviel. Es interessiert nur keinen. Als ich das Haupthaus darauf hinwies, dass es hier ein bisschen warm drin wird und ich die Geräte eigentlich nur bis 30°C Raumtemperatur betreiben darf, hieß es nur, solange die interne Kühlung der Geräte mitmacht, ginge das schon. Die interne Kühlung macht bei 42°C Raumtemperatur schlapp. Das durfte ich letzten Sommer erproben. Für die Proben ist es ebenfalls ungünstig, jedenfalls für die, die noch weiter bearbeitet werden müssen, da sich Enzyme bei solchen Temperaturen ja ganz besonders wohl fühlen und fröhlich aktiv sind, um nur ein Beispiel zu nennen. Letzten Sommer stand Cheffe einen Tag in der Tür und alles, was er zu den Temperaturen hier drin zu sagen hatte war: „Puh, bisschen warm hier“.

      • Ahem… Verantwortungsbewusstes Handeln seitens des Cheffes sieht dann aber anders aus… Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob die Hersteller der Gerätschaften nicht so ihre Gründe hatten, so etwas wie Raumtemperaturobergrenzen für den ordnungsgemäßen Betrieb ihrer Geräte festzulegen. Ist jetzt nur mal ne Vermutung. 😉
        Hier hat’s grad 26,9°C, mein Welpe liegt lieber in der Küche oder im Bad auf den kühlen Fliesen und verweigert sonst jegliche Aktivität, die nicht unmittelbar mit Pofen auf den eben kühlen Fliesen, kalte Wienerle verzehren oder im Wasser zu planschen tun hat. Und ganz ehrlich: ich auch. So in der Theorie. Und das sind 10° weniger als bei dir…

      • Ich kann euch gut verstehen und würde es euch gern gleich tun, vor allem, weil die Stationen hier gerade nochmal den Turbo einlegen und mich mit neuen Proben geradezu bewerfen. Ich muss für jede Probe mindestens sechs mal durchs Labor rennen. Das ist nicht schön. Aber wer wird schon jammern. Bald ist der Drops gelutscht, dann hat jemand anderer den ganzen Spaß.
        Ja, man sollte meinen, es hätte einen Sinn, hat es sicher auch. Dieser Sinn wird nur in aller Konsequenz ignoriert, weil alles andere Geld kosten würde. 😉

  2. Da bin ich mit meinen 28° ja echt noch gut dran… Mag ich aber auch nicht. So eine tolle Klimaanlage hatten wir im vorletzten Job auch – die durfte man nicht kälter als 26° stellen, sonst hat sie nur noch warme Luft gepustet. Sehr sinnvolles Gerät…

    • Wenigstens war sie tatsächlich für mich… der Kollegin, die angerufen hat, hätte ich auch zugetraut, dass da Porphyrine oder Albumin oder so liegen, die schmeißt immer alles, was nur entfernt nach Mibi aussieht, weit von sich, und ich hab Glück, wenn es auf meinem Tisch landet…

  3. Och… nölen ist relativ, außerdem schenken wir uns wirklich nix.
    Und zum Zuquatschen bin ich immer zu haben, weißt du doch 😉

    • Is richtig. Wenn es noch so warm is, wenn ich das nächste mal da bin, können wir einen Wettstreit machen, wer fester an der Couch kleben bleibt und wer die meiste Haut beim wieder aufstehen verliert. Das wird ein Spaß. 😉

  4. Uh, ekelhaft… ich hab mir heute sogar Socken rausgesucht… wir haben ein gut isoliertes Haus, und mein Kreislauf und ich haben heute getrennt gelebt, weswegen es mich doch etwas gefröstelt hat!
    Auf Arbeit jedoch war die Höchsttemperatur 2003 im Büro bei 43,9°C – was arbeitsrechtlich auch zu viel ist, die Computer ebenfalls nicht lustig fanden, und interessiert hat es so viele Leute wie bei Dir: Keine! Wegen der Kohle, natürlich…

    • Wieso sollte es auch. Es gibt vermutlich genug Menschen, die den Job mit Freuden machen würden, wenn man selbst sagt, dass man keine Lust mehr hat. Da muss man sich als Chef wohl nicht ganz so viele Sorgen machen. Das wird auf jeden Fall mein letzter Sommer im Laborchen gewesen sein. Einen dritten mach ich nicht mehr mit.

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