Im-Weg-Rumsteher

Ich bin heute zu den Frisörmädels meines Vertrauens gepilgert und habe mich FestivalSchön machen lassen. Das hat auch wirklich gut funktioniert. Das Gezottel auf meinem Kopf ist tatsächlich einer Frisur gewichen und von meiner Naturhaarfarbe ist, dem Himmel sei Dank, auch nichts mehr zu sehen. Ich bin manchmal wirklich so ein Asi. Ich kann mich Kopftechnisch wirklich so lange gehen lassen, bis ich zum Frisör (Mit Ö ist das wirklich ekelig) MUSS, weil mir der Pony bis zur Nase gewachsen ist und ich nichts mehr sehe. Nun habe ich aber wieder ein paar Wochen Ruhe. Ich wollte bei der Gelegenheit auch gleich mein Nasenpiercing reaktivieren lassen, aber eine nicht mehr ganz so aktuelle Tetanus Impfe hat mich davon abgehalten. Die sollte ich vielleicht erstmal auffrischen lassen. Ich habe mir gleich ein Klebi geschrieben. Die Hep B muss auch mal wieder erneuert werden. So lohnt es sich gleich, deswegen zum Arzt zu gehen.🙂

Das wollte ich aber gar nicht erzählen. Wie immer. ^^

Um zu den Frisörmädels meines Vertrauens zu gelangen, muss ich eine etwas längere Zugfahrt auf mich nehmen. Einen Frisör zu finden, dem man seinen Kopf anvertrauen kann, ist schon eine Leistung. Wenn man ihn gefunden hat, lässt man den nicht wieder gehen, egal, wo er sich befindet.
Ich nahm also heute morgen wieder einmal die Dienste der Deutschen Bahn in Anspruch. Unnötig zu erwähnen, dass der Zug zu spät einfuhr und ich deswegen nicht pünktlich wegkam. Deutsche Bahn eben.
Das wollte ich aber auch nicht erzählen.
Nun bin ich in meinem Leben ja schon oft Zug gefahren und es regt mich immer wieder auf:

Menschen, die glauben, sie befänden sich allein am Bahnhof.

Das beginnt schon während des Aussteigens aus dem PersonentransportVehikel. Da sich in meinem Kopf zwar viel befindet, Orientierungssinn aber leider nicht dazu gehört, bin ich, nachdem ich einen Zug verlassen habe, immer ein wenig desorientiert und muss mich erst umsehen, damit ich weiß, wo ich hin muss. Jedenfalls bei wenig bekannten Bahnhöfen. Wenn sich nun die Zugtüren öffnen und man erkennt, dass man auf einen komplett überfüllten Bahnsteig entlassen wird, dann gebietet es doch der gesunde Menschenverstand, dass man sich zuerst einen Platz sucht, an dem man tunlichst nicht im Weg steht, um sich zu orientieren.

Weit gefehlt.
Der durchschnitts Im-Weg-Rumsteher steigt aus dem Zug und bleibt stehen, wo er sich gerade befindet und zwar unabhängig davon, ob sich hinter ihm ein Fahrgast befindet oder eine ganze Meute selbiger, die den Zug ebenso gern verlassen möchten. Auch die Fahrgäste, die den Zug gern betreten wollen, werden zunächst ignoriert. Alles, was in diesem Moment zählt ist, dass er weiß, wo er als Nächstes hin muss. Dabei scheut er sich nicht, sein Anliegen mit Nachdruck durchzusetzen, z.B. indem er sich besonders breit macht oder auch gern mit seinen Ellenbögen jeden davon abhält, der so unhöflich ist und versucht, sich an ihm vorbei zu quetschen, noch bevor er damit fertig ist, seine Umgebung in sich aufzunehmen.

Ist man an diesem Gesellen endlich vorbei, geht es weiter mit denen, die jemanden erwarten, jemanden suchen oder einfach nur auf einen anderen Zug warten. Ich versuche dabei ja immer so wenig Platz wie möglich wegzunehmen, wenn ich an einem vollen Bahnsteig stehe. Doch diese Im-Weg-Rumsteher stellen sich auch gern mitten auf den Bahnsteig, damit sie auf wirklich gar keinen Fall übersehen werden können, egal, ob sie auf jemanden warten oder nicht. Meist beschweren sich auch gleich lautstark darüber, dass sie permanent von Vorbeieilenden angerempelt werden. Was versucht das unverschämte Pack auch seine Anschlüsse zu erreichen. Wenn das jeder machen würde.. Dieser Im-Weg-Rumsteher fühlt sich oft missverstanden, positioniert er sich doch mit Absicht so, dass seine Lieben ihn schnell finden. So muss jedenfalls der Gedankengang sein. Wie es den Lieben überhaupt möglich ist, jemanden auf einem vollen Bahnsteig voller ein-und aussteigender Menschen zu finden, ist mir ein Rätsel.

Als nächstes kommt die Treppe. Ganz böse Falle. Ich bin niemand, der Treppen langsam hinunter geht. Ich fliege sie auch nicht runter, aber ich versuche immer, sie recht zügig hinter mich zu bringen. Dabei kann ich es dann leiden, wie Fußpilz, wenn ich hinter jemandem gehen muss, der Mit-ten auf der Treppe einfach stehen bleibt, um sich nach seiner Begleitung umzusehen, als wäre es absolut essentiell, dass man dieses welterschütternde Hindernis Treppe gemeinsam überwindet. Völlig egal, dass sich hinter einem noch gefühlte 2 Millionen Menschen befinden, die alle in just diesem Moment Gefahr laufen, sich alle Haxen zu brechen, weil sie abbremsen oder ausweichen müssen, um nicht im hohen Bogen um diesen Im-Weg-Rumsteher zu fallen.
Gegen Menschen, die eine Treppe einfach nur langsam hinunter gehen, habe ich übrigens nichts. Das hat meist gute Gründe und ich bin auch schon Treppen in Zeitlupe hoch- oder runtergegangen, weil ich Blasen an den Füßen hatte, so groß wie Australien. Aber mitten in einer Woge Menschen stehen bleiben, nur weil man gerade seinen Partner nicht sieht, geht gar nicht.

Das gleiche lässt sich auf den Bereich vor der Treppe ausweiten. Immerhin war dieser Im-Weg-Rumsteher so selbstlos und hat die Treppe in einem Stück überwunden. Nun wird dieser an der Treppe erwartet und auch genau dort wird erstmal ausschweifend jeder begrüßt, der ihn dort in Empfang zu nehmen bereit ist. Vollkommen egal, dass hinter ihm noch gefühlte 5 Millionen andere Menschen die Treppe  benutzen und gern vorbei möchten. Im besten Fall, hat dieser Im-Weg-Rumsteher noch wer weiß wieviel Gepäck bei sich, um die Fläche vor der Treppe auch größtmöglich auszunutzen und so die Menge an Menschen, die zum oder vom Bahnsteig kommen, bestmöglich zu kanalisieren. Kann ja sonst was passieren, wenn sich so viele Menschen auf so viel freier Fläche frei bewegen können.

Hat man all diese Im-Weg-Rumsteher überwunden, muss man nur noch die letzten, vereinzelten Im-Weg-Rumsteher überwinden, die sich meist mitten in den Bahnhof stellen, gern mit einem Haufen Gepäck oder mit einem Haufen anderer Leute. Diese sind zwar manchmal ärgerlich, aber aus Platzgründen nicht zu vermeiden. Ich selbst gehöre oft zu dieser letzten Kategorie. Irgendwo muss man mit seinem Kram ja hin.
Hat man all diese Menschen, die einem den Weg versperren, dann endlich überwunden, ist der Weg frei und man kann sich aus dem Bahnhof hinaus begeben. Jedenfalls, wenn man vorher nicht auf, oder vor der Trepper über jemanden geflogen ist, der plötzlich stehen blieb, aus Angst, dieses unüberbrückbare Hindernis allein bewältigen zu müssen.

😉

5 Gedanken zu “Im-Weg-Rumsteher

  1. In Karlsruhe war es heute Abend megavoll… die diversen Im-Weg-Rumsteher sind mir da auch begegnet^^
    Gern sind sie auch im Zug auf der Treppe/ im Gang, damit bloß ja keiner mehr durchkommt.

  2. HAHAHA!!!! Du wuerdest hier in Singapur jeden Tag die Oberkrise kriegen! Wir nennen das gern „randomly-stehen-bleiben“ und es ist eher die Regel als die Ausnahme. Erschreckenderweise hab ich mich mittlerweile echt dran gewoehnt, sodass ich nicht mehr so oft in irgendwelche Leute rein renne. Btw Lieblingsdisziplin ist das Stehenbleiben am Ende der Rolltreppe, da man ja ne gaaaaaaaaaaanz wichtige Sache auf dem Schlaufon machen muss😀

    • Whoa, da würd ich wirklich die Krise kriegen😀
      Haha ja am Ende der Rolltreppe steht auch immer irgendwer, das stimmt. Die benutz ich deswegen meist schon gar nicht mehr, einfach weil ich sonst jemanden anschreien müsste. ^^

  3. Oh wie ich dem allem zustimme und ergänze noch: Vor dem Aufzugrumsteher, die direkt vor der Tür stehen und einen total verständnislos anschauen, wenn man durch diese Tür nach draußen will. Man rennt den Davorsteher erstens halb um und zweitens muss man ihn oft fast aus dem Weg schieben, weil er außer blöd glotzen nichts auf die Reihe kriegt und weiter da stehen bleibt, wo er steht..
    Das ganze gilt auch für vor der Straßenbahn- und vor dem Bussteher..ätzend!!

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