Bericht, Blutflüsterer und anderes Gedöns

Gestern bin ich nicht mehr zu viel gekommen, weil das Männlein tatsächlich bis Feierabend bei mir im Labor geblieben ist. Ich habe ihm allerdings auch kaum eine andere Wahl gelassen, weil ich ihn förmlich an die Wand gequatscht habe. Dafür habe ich ihn dann aber auch am Bahnhof abgesetzt, damit er nicht noch tausend Jahre mit der UBahn hinfahren musste. Wie es ihm hier gefallen hat, kann ich nicht sagen, ich habe es auch vermieden danach zu fragen. Ich habe versucht alle Vorzüge (und davon gibt es für Berufsanfänger tatsächliche einige) hervorzuheben, aber ob ich damit erfolgreich war, weiß ich nicht. Er war schon sehr interessiert daran, was hier so abgeht und wie es sich mit den Geräten arbeiten lässt, etc.,  aber das kann auch nur Höflichkeit gewesen sein. Ich hoffe, ich hab den mit meinem Gequatsche nicht verschreckt, aber wir kommen tatsächlich von der gleichen Feenschule und daher kannte ich ihn sogar flüchtig. Dem Vorführeffekt sei Dank, war gestern auch noch so gar nichts los, also konnte ich ihm nichtmal besonders viel zeigen. Egal. Man wird mich schon informieren, wie er sich entschieden hat.

Das war gestern. Heute bin ich schon wieder total angenervt, weil das Telefon schon klingelt, als ich noch nicht ganz durch die Tür bin. Das war um zwanzig vor acht, möchte ich hier mal anmerken. Da meine Arbeitszeit erst um acht beginnt, vermeide ich es, das Telefongespräch anzunehmen und erwecke das Laborchen erstmal aus seinem Prinzessinnenschlaf. Da ohnehin noch kein PC hochgefahren ist und ich in Folge dessen auch nirgendwo eingeloggt bin, bin ich ohnehin keine große Hilfe. Abgesehen davon, weigere ich mich einfach, vor zehn Uhr telefonieren zu müssen. Das lässt sich heute leider aber auch nicht umsetzen, weil gleich wieder ein Haufen Menschen im Labor steht, der irgendwelche Werte, sobald fertig, telefonisch durchgegeben haben will und das am Besten gestern schon. Bleibt einem aber auch nichts erspart.

Später am Morgen, ärgere ich mich dazu wieder, da ich wieder mal Proben bekomme, auf denen außer dem Patientennamen nichts steht. Vergesst Pferde-, Hunde- und anderes Getierflüstern, hier brauche ich die Zusatzqualifikation Bluflüstern. Wenn ich mich lange genug mit den Proben beschäftige, auf sie eingehe und ihre Körpersprache lese (was aufgrund der allgemeinen Körperlosigkeit einer Probe ein komplizertes Unterfangen darstellt), verraten sie mir vielleicht von sich aus, was ich aus ihnen messen soll.
Eine Terrorwelle gen Station bringt die Bratzbirnen immerhin dazu, mir ein paar Klebchen auszudrucken. Die Schuld für das Fehlen selbiger, wird erstmal gepflegt auf den Praktikanten abgewälzt. Einem Praktikanten darf man nicht böse sein, dem fehlt noch einiges an Wissen und außerdem muss ein Praktikant bei uns in Arbeitskleidung rumrennen, deren Farbe sich noch am Ehesten mit altrosa beschreiben lässt und damit ist man wirklich genug gestraft. Abgesehen davon, bin ich der Meinung, dass man, gerade im Umgang mit Patientenmaterial, immer nochmal drüberschauen sollte, wenn man einem Praktikanten eine Aufgabe gibt. Das scheint nicht erfolgt zu sein, also sind es automatisch doch wieder die Schwestern schuld.

Dann klingelt das Telefon wieder und das Archiv teilt mir mit, dass schon wieder ein Ringversuch gekommen ist. Tja, nach dem Ringversuch ist vor dem Ringversuch. Den mache ich nächste Woche, bis zum 18. habe ich noch Zeit. Ich darf gleich nur nicht vergessen, einen Zettel für die VertretungsFee zu hinterlassen, damit sie weiß, dass noch welche eintrudeln. Die Ergebnisse für den Ringversuch der klinischen Chemie sind auch gekommen und ich habe wieder bestanden. Voll gut. Die Ergebnisse der anderen, dürften wohl nächste Woche nach und nach kommen. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis vom Fibrinogen ist. Da war die Messung wirklich nicht gut.

Für gestern und heute hätte ich echt ein Fleißkärtchen verdient. Ich habe gestern alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe und heute werde ich noch rasch den ganzen Rest machen. Dann ist für die VertretungsFee alles wieder schön und ich kann in ein, vermutlich eher nicht so erholsames, langes Wochenende düsen.
Ich habe sogar geschafft, eine Kollegin aus dem Außendienst zu empfangen, die mir helfen will, die Kommunikation zwischen Stationen und Labor etwas zu verbessern, nicht, dass es mir jetzt noch viel nützen würde, aber für meinen Nachfolger wäre es sicherlich sehr hilfreich und ich hatte noch Zeit, um mit Martin über das Fibrinogen zu referieren, welches heute übrigens, dank der Kalibration, sehr vorbildlich ausfiel. Ich werde allerdings nicht den Fehler begehen, mich daran zu gewöhnen.

Martin schrieb mir wieder, dass er sich immer freut meine EMails zu lesen. Ich glaube, er hat sich sogar dafür bedankt. Kurz bevor ich gehe, sage ich ihm vielleicht, wo er noch viel mehr von mir lesen kann.😉
Dann kann es mir ja egal sein. Er kann sich dann ja nicht mehr beschweren.😀

Apropos beschweren. Wozu abonniere ich eigentlich Blogs, wenn mein Reader immer selbst entscheidet, welche neuen Posts er mir anzeigen möchte?! Ich habe schon wieder einiges neue verpasst, weil mein Reader davon absah, mich darauf hinzuweisen. Empörend. Aus diesem Grund, durchforste ich jetzt in regelmäßigen Abständen meine Blogroll. So auch heute morgen. Und was muss ich feststellen? Anna, die Alltagsgöttin, hat ihre Blogs gelöscht. Das betrübt mich sehr, denn ich habe immer gern bei Anna gelesen.
Anna, falls du mitliest, ich hoffe, du kommst bald wieder.🙂
Mein Unmut über den selektiven Reader bleibt trotzdem bestehen.

Aber nu ist erstmal genug gebloggt. Vielleicht haue ich nachher noch einen Post raus.

8 Gedanken zu “Bericht, Blutflüsterer und anderes Gedöns

  1. Ist beim Google-Reader auch so. Da kommt das zwar alles, aber manche Blogs erst mit 10 Stunden Verspätung. Finde ich allerdings nicht so unglaublich tragisch. Viele bekommt man ja mittlerweile auch bei Twitter zu sehen..

    • Das stimmt, aber bei Twitter bin ich so selten, weil ich auf der Arbeit nicht auf die Seite kann und mein Handy noch eins mit Tasten und ohne Internet ist. Außerdem habe ich Twitter noch nicht so ganz verstanden irgendwie. xD

  2. Also bei der mobilen WordPressversion funktioniert das sensationell gut mit dem Reader, warum nicht auch am PC? Mich nervt das genauso…

    Und ja, ich hoffe ebenso, dass Anna bald wiederkommt T___T

  3. *Meld* Entschuldige bitte, aber kannst du mir als medizinische Pfeife bitte nochmal erklären, was genau Ringversuche sind und wozu sie da sind? Irgendwie habe ich das noch nicht verstanden.. :o(
    Wenn du nicht so weit weg wärst (nehme ich an), dann würde ich dir auch Bestechungsgummibärchen oder -schoki vorbeibringen.. ;o))

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