Tibetanische Yakscheiße

Super Titel, oder?

Ein abgewandelter Begriff des Hedwigs, welchen ich mir nun zu Nutze mache, um den verwirrten Leser auf meinen Blog zu ziehen. Diabolisch..

Jeder, der hier liest, möchte nun wahrscheinlich wissen, was es mit der Yakscheiße auf sich hat und ich will sogleich eilen und es euch mitteilen.

Mein Lippenpiercing war ja entzündet bis hinten gegen und ich schmiss bereits täglich halbe Apotheken darauf, in der Hoffnung, es möge bitte endlich abheilen. Tat es nicht und ich weiß auch wieso. Ich habe es nach dem Einsetzen des Ringes nicht geschafft, diesen wieder richtig zusammenzudrücken, weswegen die Kante des Segmentes den Stichkanal immer wieder aufriss. Klar, dass der Mist nicht verheilt. Ein Ring, sie zu knechten, sag ich da nur.

Hier kommt nun Hedwigs tibetanische Yakscheiße ins Spiel.
Mit dieser Lippe fuhr ich nämlich mein Lieblingspärchen besuchen. Der Freitag ließ sich noch ganz gut rumkriegen, obwohl Limone und Tequila im Stichkanal schon ein kleines bisschen brannten. Ich hoffte auf die desinfizierende Wirkung des Trios (Tequila, Limone, Salz) , weswegen ich den Vorgang auch etwa 10 Mal wiederholte und den Abend bekanntlich hackenstramm beendete.

Samstag wurde ich dann richtig nölig. Ich lief ja schon ein Weilchen mit der Entzündung rum und sowas zermürbt einen. Und ich kann, wenn ich will, schlimmer leiden, als manch ein Kerl.
Hedwig, der Retter, der Entzündeten, kannte mein Leid, da auch seine Unterlippe von Metall aufgewertet wird und erzählte mir von einem Allround Wundermittel. Der getrockneten Yakscheiße.
Was das genau sein soll, wusste er nicht. Es steht zwar drauf, aber nur in kyrillisch und das beherrscht niemand von uns. Woher es genau kommt, wusste er auch nicht. Was er aber wusste war, dass man dieses Zeuch nicht in Deutschland kaufen kann. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Er wusste auch nicht, ob es hier überhaupt zugelassen ist. Sehr vertrauenserweckend. Ich entdeckte eine Zahlenfolge, die ein wenig wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum aussah. War es eins, so ist die Haltbarkeit dieses Voodoozeugs schon seit 07 nicht mehr gewährleistet. Ebenfalls sehr vertrauenserweckend. Dieses Zeug jedenfalls, so sagte das weise alte Hedwig, würde dafür sorgen, dass ich keine Schmerzen mehr leiden müsste. Es hätte ihm wohl auch schon bei diversen WehWehs geholfen. Na dann muss das ja gut sein, also her mit dem Zeuch. Jeder hingehaltene Strohhalm, an den man sich klammern konnte, war willkommen.

Hedwig brachte.
Hedwig brachte das wahrscheinlich ekelerregendste Zeuch, dass ich jemals gerochen und mittlerweile, leider, auch geschmeckt habe. Getrocknete Yakscheiße bezeichnet nichtmal im Entferntesten, wie das riecht und ich kann es auch nicht beschreiben, weil mir absolut jeglicher Vergleich fehlt. Ich würde mal sagen, sollte sich irgendwann einmal spontan der Boden auftun und den Blick auf die Hölle freigeben, wird ähnlicher Geruch aufsteigen. Wenn man schon von getrockneter Yakscheiße spricht, dann war das definitiv ein Yak mit chronischer Darmerkrankung.

Das wirklich Schlimme daran: Der Geruch setzt sich fest. Wenn man nur die Tablettenblister anpackt, hat man das Verwöhnaroma bereits an den Fingern und bekommt es auch so einfach nicht mehr ab. Dieser Geruch ignoriert einfach kackendreist, dass man sich seiner entledigen möchte. Ich glaube, der muss mit der Haut rauswachsen. So wie Silbernitrat. Ich werde niemals mehr behaupten, dass Teebaumöl stinkt. Niemals wieder. Dagegen riecht das wie eine Wiese voller Rosen.
Hedwig, Rächer des soeben erdolchten Geruchsinns, war so lieb und löste mir das Teufelszeug in Wasser und versetzte es mit ein wenig Zucker. Er meinte zwar, es wäre wirkungsvoller, würde ich mir die Tablette gleich auf die Innenseite des Stichkanals setzen und warten, bis sie sich von selbst aufgelöst hat, aber nachdem ich das Verwöhnaroma einmal in der Nase hatte, wehrte sich mein gesunder Menschenverstand ganz entschieden gegen diese Empfehlung. Ich tränkte einen Wattepad mit dem Höllenzeug, klemmte ihn zwischen Zähne und Lippe und pinselte mit dem Rest aus dem Glas noch die Vorderseite ein. Und so saß ich dann zwei Stunden da und versuchte tunlichst meine Zunge von diesem Wattebausch der Hölle fernzuhalten. Länger ging nicht, weil ekelig. Der Tag nahm seinen Lauf und die Entzündung wurde wirklich von Stunde zu Stunde besser, bis sie am Abend so weit weg war, dass ich kaum mehr etwas merkte. Keine Ahnung, ob es den Yakfäkalien oder dem Placeboeffekt zu verdanken war, oder ob es einfach nur ein Wunder handelte. Segmentkante sei Dank, hielt dieses Wunder nur einen Tag.

Leider kommen diese kleinen schwarzen, stinkenden Tabletten nicht nur direkt aus der Hölle, oder aus dem Gluteus maximus eines wirklich kranken Yaks, sondern sind in der Anschaffung auch noch schweinemäßig teuer, weswegen ich umso dankbarer bin, dass ich mir zur Nachsorge noch welche mit nach hause nehmen durfte. Gestern, nachdem ich zu hause ankam, wurde erstmal der Ring aus der Lippe gefrickelt und der Stab wieder eingesetzt. Die Entzündung war zwar weg, aber ich lasse den Stab lieber noch ein paar Monate drin, bevor ich wieder wechsle. Dann kann ich auch sicher sein, dass sich der Stichkanal soweit erholt hat, dass es auch ohne Beinahesepsis möglich ist einen Ring reinzufrickeln. Da werde ich mich wohl einfach in Geduld üben müssen. Als alles an seinem Platz war, wurde wieder eine Yakfäkalkur durchgeführt und was soll ich sagen. Alles fein. Keine Entzündung, die Haut, die durch den Ring so böse aufgeplatzt war, ist im Heilen begriffen und auch sonst bin ich dieses Mal recht schmerzfrei davon gekommen.

Die letzten Yakscheißetabletten liegen nun in meinem Kühlschrank und warten auf ihren Einsatz. Und da das Zeuch ein wahrer Allrounder ist, kann man es wohl für diverse Notfälle verwenden. Zum Glück passieren Notfälle ja eher selten. Ich muss meinem Körper Zeit geben, den Geruch zu vergessen, sonst kann ich mich beim nächsten Mal nicht überwinden, das nochmal zu benutzen.

24 Gedanken zu “Tibetanische Yakscheiße

  1. Manchmal ist ja wirklich sogar tibetanische Yakscheiße zu etwas zu gebrauchen.
    Auch wenn ich mir sehr gut vorstellen kann, wie das Zeugs riecht (und schmeckt)…

    Aber wie hieß es vor etlichen Jahren schon mal in der Werbung: „Aber wenns schee macht…“😉

    • Ja, ich hätte auch nie gedacht, dass das Zeuch SO gut hilft. Und man bringt ja auch gern mal ein Opfer, wenn das bedeutet, dass es einem danach besser geht, aber ich hoffe wirklich inständig, dass die nächste Entzündung noch etwas dauert und mit normalen Hausmittelchen wieder weg geht. Es schüttelt mich schon.^^

  2. Ich habe zwar kein Piercing (nirgends, bin ich viel zu alt und spießig für) aber das mit der Yakscheisse kann ich aus ganz anderem Grunde nachvollziehen. Ich war vor ein paar Jahren in Tibet und egal, wie toll das Land und wie großartig das Erlebnis war – da stinkt es überall ganz grauenvoll, widerlich, erbärmlich, nicht zum Aushalten. ÜBERALL. Wonach? Nach Yak… die machen da sogar Yak-Butter, überall brennen Yak-Kerzen….brrr….hab den Geruch gleich wieder in der Nase….

  3. Welcher Leser sucht denn freiwillig nach „Tibetanischer Yakscheiße“?! Und vor allem: Willst du die, die danach suchen, wirklich hier haben?! „Die Geister, die ich rief“, sage ich nur…:mrgreen:

    Erdolchter Geruchssinn… hm… meine neuen Nachbarn halten Hygiene für… überbewertet. Leider wohnen wir Balkon an Balkon. Bin jetzt so weit, dass ich dem fortziehenden Sommer nicht hinterherweine, weil ich eh nicht mehr gerne auf dem Balkon sitze. Vielleicht könnte ich denen – heimlich natürlich und nachts durchs geöffnete Fenster – so ein Stinkbombenzeugs reinwerfen?! DAS hätten die verdient. Wobei… vielleicht tue ich den damit noch nen Gefallen?! Hm… nee. Kannst du behalten, dein Schei**zeug.😎

    • 😀 Ich bin auf die Suchanfragen diesbezüglich sehr gespannt.

      Also wenn du deinen Nachbarn geruchstechnisch etwas Gutes tun willst, wäre doch auch Buttersäure nicht schlecht. Aber nur in kleiner Dosis, sonst hast du auch noch was davon.😉

      • Buttersäure… das könnte tatsächlich ein Duft sein, der die aus ihrer eigenen Pumahöhle treibt.😎

        Würde ich dann aber sicherheitshalber im Winter ausprobieren. Wenn man die Fenster nicht sooo oft öffnet. Sicher ist sicher.:mrgreen:

      • Besser ist das wohl. Als ich zur Schule ging, haben mal einige Witzbolde Buttersäure in der gesamten Schule verteilt. Wohl aus Frust, weil das Lehrerzimmer einbruchsicher war. Die folgenden zwei Jahre waren keine Wohltat für die Nase. Dagegen kommt auch die Yakscheiße nicht an.

  4. Ist das sowas wie dieser Tiger- bzw. Drachenbalsam, den man in diesen kleinen Döschen erhalten kann? (Wobei ich den Geruch dieses Balsams ja einfach nur geil finde. ^^)

    Ich habe es ja, btw, nie mit einem Ring in der Unterlippe versucht. Mich nervt schon dieses Gefrickel mit dem Segmentring; das kriegte ich schon an der Nase immer kaum hin, den Ring wieder reinzukriegen.

    • Nein, das sind kleine schwarze Tabletten, die irgendwie eine teerige Konsistenz bekommen, wenn man sie außerhalb des Kühlschranks lagert. *Irghs* Die stinken schon durch die Packung durch. Tigerbalsam liebe ich, aber nur den weißen, weil der Rote wie Teewurst aussieht und Teewurst will ich mir nirgendwo hin schmieren.
      Den nächsten Segmentring in der Lippe, sollte ich nochmal an solch Umnachtung leiden, lasse ich mir auch definitiv vom Profi einsetzen. Wieso soll ich allein den ganzen Spaß damit haben?!😀

  5. Ich war die Tage irgendwo über ein Bild von einem „frisch angestochenen“ Mädel gestolpert, noch mit dieser Braunüle(?) in der Unterlippe, und dachte noch wie es wohl deiner Lippe inzwischen geht.

    Gut, dass du jetzt weißt worans gehangen hat. Und wenns beim Heilen hilft, sollte man eh lieber nicht drüber nachdenken, ob das Zeug jetzt aus Tibet oder vom Yak kommt …

    • Hihi, „worans gehangen hat“, ist schön gesagt in diesem Kontext.
      Stimmt, manchmal ist es definitiv besser, da Nichtwisser zu sein. Hauptsache, meiner Lippe gehts wieder gut. Ist noch ein ganz klein wenig gereizt und trocken, wie noch was, aber kein Vergleich zur letzten Woche.

  6. haha. ich wette mit mir selbst, dass innerhalb der nächsten wochen unzählige yak-scheiße und buttersäuren-suchende hier aufkreuzen und du dir wünschst, das alles nieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeemals geschrieben zu haben. so schnell gehen die nämlich nicht wieder…. (was bin ich wieder schadenfroh heute…)

  7. falls es gar zu sehr müffelt, empfiehlt sich der Genuss einer reifen Durian-Frucht. Danach ist alles wieder gut, und auch die Nachbarn im näheren Umkreis freuen sich, wenn es vorbei ist }:-)

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