Frauengespräche

Bei Problemen jedweder Art, ist es immer gut, jemanden zu haben, mit dem man solch ein Gespräch führen kann. Hierbei handelt es sich nicht um eine ordinäre Konversation. Weit gefehlt. Hier werden Dinge besprochen, die die Welt grundlegend erschüttern. Zugegeben, nur die eigene, kleine Welt, aber man muss schließlich irgendwo anfangen. Meistens geht es aber tatsächlich bloß um Männer. Die können die eigene, kleine Welt allerdings auch schonmal erschüttern.

Ein äußerst empfindliches Thema, da man für gewöhnlich nicht mehr in der Lage ist, auch nur einen klaren, halbwegs rationalen Gedanken zu fassen (für mich schon im Normalzustand ein schwieriges Unterfangen), weil man vom rosa Zuckerguss im Kopp geradezu überschwemmt wird.

Frauengespräche sind ein Segen und ein Fluch zugleich. Ein Segen, weil das Gegenüber einem unverblümt um die Ohren haut, was man selbst nicht sieht oder nicht sehen will, ein Fluch, weil diese offene Art des Gespräches keinerlei Platz für Wunschdenken oder Schönrederei lässt.
Denn sind wir doch mal ehrlich:
Man selbst glaubt doch, dass es wahrscheinlicher ist, dass der tolle Typ, den man vor ein paar Tagen auf einer Party kennengelernt hat, gerade mit Amnesie im Krankenhaus liegt, weil er

  • des Nachts mit dem Fahrrad in den Graben gefahren ist, weil er 2792735493 Kaninchen ausweichen musste
  • von einem Bus überrollt wurde
  • von Aliens entführt wurde
  • oder, oder, oder..

und sich nur deswegen nicht meldet, statt einfach einzusehen, dass der einen vielleicht doch nur nicht so gut findet, wie man dachte.

Hier kommt nun das Gegenüber ins Spiel, das erstmal auf eine freundliche, aber bestimmte Art nachhakt, ob man als Kind eigentlich in den Topf mit dem Zaubertrank gefallen ist, da es sich anderenfalls nicht erklären kann, was da bei einem im Kopp gerade ganz furchtbar falsch läuft, um gleich im Anschluss festzustellen, dass es nun langsam, aber sicher, wieder an der Zeit ist, sich den Zuckerguss aus den Ohren zu puhlen, die Seifenblase zu verlassen, das Hirn vielleicht langsam mal wieder für etwas anderes, als als Briefbeschwerer zu nutzen und einzusehen, dass der Kerl dann doch eher als Griff ins Klo zu verbuchen ist.

Frauengespräche führt man am Besten mit einer guten Freundin. Nur eine gute Freundin steht einem so Nahe, dass es das zarte Band der Freundschaft nicht beeinträchtigt, wenn sie einem ihre Meinung dazu ungeschönt um den Kopp haut, denn genau das ist ihr Part bei der Sache.  Ihre ungeschminkte, picklige und grundehrliche Meinung vorzubringen, um einen davor zu schützen, sich selbst unglücklich zu machen.
Blumige Phantasien in einer rosa Seifenblase mit vielen Herzchen und Glitzer hat man schließlich selbst schon genug im Kopf und in den meisten Fällen hat man auch bereits ein ausreichend langes Bad in Selbstmitleid genommen, so dass man auf ihr Mitleid (das man, wenn, auch nur in angemessener Dosierung und niemals im Überfluss bekommt) nicht mehr angewiesen ist. Würde man allerdings den Wunsch äußern, stünde sie auch binnen kürzester Zeit mit Eis und Alkohol vor der Tür, um Trost zu spenden.
Sobald man ihren objektiven Blick erstmal verdaut hat, wird die Problematik sachlich von allen Seiten analysiert und am Ende gewinnt man meist doch die Erkenntnis, dass der Typ (subjektiv) ein großer Gluteus Maximus ist, der hoffentlich bloß nicht auf die Idee kommt, einen gut zu finden.
Ist man am Ende aber immernoch der Meinung, dass besagter Mann die persönliche Offenbarung darstellt,so wird die gute Freundin einen immer unterstützen und auch da sein, wenn man die persönliche Erkenntnis gewinnt, dass Zuneigung nicht nur blind, sondern auch strunzendumm macht. Allerdings nicht, ohne, mit gutem Recht, anzumerken, dass sie es einem ja gesagt hat.

In diesem Sinne:

Danke, dass du in einem halben Jahr schon viele Frauengespräche mit mir geführt hast, liebste Freundin.❤

12 Gedanken zu “Frauengespräche

  1. Eine der schönsten „Liebeserklärungen“ an eine beste Freundin, die ich je gelesen habe.😛

    [Und wenn ich das so lese, dann weiß ich auch, warum ich so was noch nie bekommen habe…😎 ]

  2. Es ist sehr wichtig, so jemanden um sich zu haben! Auch ich musste erst diese Woche wieder meine beste Freundin ungeschönt „zurechtweisen“…sie schafft es immer wieder, sich die letzten Idioten zu angeln, sich vorher aber absolut in diese zu verschmachten und dann, wenn wieder mal Schluss ist, total in Selbstmitleid und- vorwürfen zu versinken…sie macht ja alles falsch (!!??)…nicht leicht…
    Eine schöne Dankessagung! (Dankessagung hört sich bescheuert an, stelle ich gerade fest, deswegen übernehme ich auch einfach mal „Liebeserklärung“ (danke, L’abeille)

    • Ja..das Talent habe ich auch. Wenigstens habe ich mit der Zeit gelernt, das Selbstmitleid schnell wieder abzuschütteln und dem Kerl einfach die Schuld zu geben. Ist viel besser für das eigene Ego.
      Aber wenn es dann doch mal hart auf hart kommt, ist es schön zu wissen, dass jemand da ist, der einen aus dem Sumpf zieht.

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