Hier ist dein Schild

Meine Nase und mein Hals und eigentlich auch der Rest meines Kopfes lassen mich nicht schlafen und weil ich schon wieder einige Tage lang nichts geschrieben habe, nehme ich das als Zeichen, um euch eine kleine Geschichte zu erzählen.

Wie vielleicht des Öfteren bereits durchgesickert ist, bin ich ein wenig tollpatschig und auch manchmal irgendwie nicht so ganz auf der Höhe. Aber es ist nicht nur das. Ich bin so absolut grundverpeilt, dass es manchmal schon wirklich nicht mehr schön ist.

Das zeigt sich ganz besonders in der Kommunikation rund um zwischenmenschliche Beziehungen und dem ganzen Zuneigungskrams und so.

Ihr erinnert euch an Ben? Den Typen aus der Feenschule, den ich erst nicht leiden konnte, weil der ausgesehen hat, als würde er einen fressen wollen?
Es stellte sich heraus, dass der irgendwie doch ganz in Ordnung ist und wir uns ziemlich gut verstehen. Meine Menschenkenntnis war schon immer der Knaller. Jedenfalls verbrachten Ben und ich innerhalb der Schule viel Zeit miteinander und trafen uns auch nach dem Unterricht oft, um zu lernen. Vielmehr, damit er mir irgendwelche Sachen erklären konnte, die ich wieder nicht verstand. Mit der Zeit verstanden wir uns immer besser und wurden tatsächlich Freunde. Aber, wie das manchmal so ist, findet der Eine den Anderen dann doch interessanter. Scheinbar war das bei Ben auch so, denn plötzlich scharwenzelte der um mich herum. Was man so kennt. Gelegentliche Berührungen, ein paar nette Worte, all so Krams, der dem Gegenüber zeigen soll, dass man es gern hat. Hab ich nicht mitbekommen. Also hab ich natürlich schon mitbekommen, aber scheinbar irgendwie anders interpretiert, als es intendiert war. Zumal der Gute ja zu diesem Zeitpunkt noch in festen Händen war. Wenn mir jemand mit einer Freundin Signale sendet, dann verhungern die auf halbem Weg, einfach, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand, der bereits jemanden an seiner Seite hat, jemand anderem Signale sendet.

Soweit zum benötigten Vorwissen.

Es begab sich nun, dass ich bei Ben zu Hause saß, die Nase in den Büchern. Ich möchte fast wetten, dass es Chemie oder Physik war. Jedenfalls war Ben gerade inbrünstig dabei, mir irgendetwas zu erklären. Um daraufhin von dem Platz neben mir aufzuspringen, als wäre plötzlich ein Stachel aus den Polstern der Couch geschossen und hätte ihn in den Hintern gepiekt. Er sprang also auf, positionierte sich vor mir, brachte sein Gesicht auf die Höhe von meinem und begann damit, mich anzusehen. Mehr nicht. Er guckte mich einfach nur an. So lange, dass ich nur dasaß und dachte “ Was will der Mann und wieso guckt er mich so an?!“. Ich würde sagen, ich war angemessen verwirrt. Dies zog sich einige Minuten hin, bis Ben sich wieder aufrichtete, leicht den Kopf schüttelte und sich wieder neben mich setzte. Das klärte die Situation für mich blöder Weise so gar nicht. Ich war immernoch gleichermaßen verwirrt. Auf mein Nachfragen, was das nun sollte, kam nur ein noch verwirrenderes „Nichts, schon gut..“. Also wurde dieses Erlebnis abgehakt. Erstmal jedenfalls.

Am Tag darauf, in der Schule, erzählte ich einer MitFee von diesem Erlebnis, die mich daraufhin ansah, als hätte ich ihr gerade erzählt, dass ich als Kind in den Kessel mit Zaubertrank gefallen wäre.

I: Wieso guckst du mich denn jetzt so an???

MF: Sag mal, willst du mich jetzt verarschen?!

I: Hä? Wieso? Nein?

MF: Du willst mir also sagen, dass du nicht weißt, was der da von dir wollte?

I: Ja?

MF: Du verarschst mich doch..

I: Hallo?! Könnten wir jetzt vielleicht bitte wieder zur Analyse der Situation zurückkehren?!

MF: Moah ey, weißt du was der wollte? Der wollte dich küssen und wollte so prüfen, ob du bereit wärst, mitzumachen oder gar den ersten Schritt zu machen..

I: ö.Ö
echt jetzt?!

MF: Ja. Du kannst mir nicht erzählen, dass du das nicht auf dem Schirm hattest.

I: Ich hätte wohl eher an umgewölbte Darmschlingen gedacht, als an das. Der hat doch ne Freundin..

MF: Glaubet mir, der wollte dich küssen und du warst zu verpeilt das zu merken.
Bestes Beispiel für viele Geschichten dieser Art. Wer mich mag und mir das auf subtile Weise mitteilen möchte, hat es schwer. Auch das Maß des Mögens ist davon betroffen. Zurückhaltung ist da definitiv das falsche Mittel der Wahl. Mir das irgendwie subtil mitzuteilen ist nur schwer möglich. Wenn man mir sagt, dass man mich mag, dann werte ich das genau so. Dann interpretiere ich das als „Oh prima, der mag mich“. Und auch wenn man mir sagt, dass man mich ziemlich doll mag, interpretiere ich es genau so, egal ob es so intendiert war, oder nicht. Solche Aktionen, wie oben beschrieben, passieren wirklich so. Ich kann nichts dafür, aber meine Leitung ist diesbezüglich wirklich lang. Mit ein bisschen Gesicht streicheln oder angucken kommt man da wirklich nicht weit, fürchte ich. Die beste Methode, wenn man es nicht aussprechen möchte, wäre vermutlich, einfach ein Schild hochzuhalten, auf dem alles steht, was ich in dem Moment wissen muss.

Ich will gar nicht wissen, wieviele potentielle Ritter mir deswegen schon durch die Lappen gegangen sind, einfach, weil sie irgendwann aufgegeben haben und/oder dachten, auf meiner Seite bestünde kein Interesse.

Ich hoffe, ich treffe niemals auf jemanden, der auch so ist..sollte man sich dann gern haben, könnte das vielleicht kompliziert werden.😀

11 Gedanken zu “Hier ist dein Schild

  1. Och. Ich kenn da so einige (mich eingeschlossen), die nicht nur nen Wink sondern nen ordentlichen Klaps mit dem ganzen Zaun brauchen, um zu raffen, was Sache ist. Klare Ansagen sind das Mittel der Wahl^^

  2. herjee… du bräuchtest als pendant so jemanden wie mich in männlich. ich bin so gnadenlos direkt, dass es jeder rafft. ich hätte vermutlich konstatiert: ich werde dich jetzt küssen! und das dann in die tat umgesetzt😉 *hihi*

  3. LOL – das Beste an dem Ganzen ist ja
    „Ich hoffe, ich treffe niemals auf jemanden, der auch so ist..sollte man sich dann gern haben, könnte das vielleicht kompliziert werden.“

    Allein schon die Vorstellung dieser Situation …

  4. Och, es geht auch umgekehrt. Ich habe mal auf den Vorschlag eines gemeinsamen Kinobesuchs von der fraglichen holden Weiblichkeit – mit der ich mich bisher m.E. ganz gut verstanden hatte – die Worte vernommen: „Mit Dir würd ich nicht mal nen Kaffee trinken gehen!“ *schluck* Gut. Wenn frau „nein“ sagt, meint sie ja wohl nicht „au ja, gerne!“ – dachte ich – sie wirds ja wissen…. 2 Jahre später hab ich sie mal wieder gesehen:
    – Sie: Sag mal, warum hast Du Dich eigentlich nie wieder gemeldet damals?
    – Ich: Ähm… „Zu blöd für´n Kaffee und so!“. Erinnerst Du Dich?
    – Sie: Joah. Das war als Herausforderung für Dich gedacht. Hättest Dir schon Mühe geben müssen. Ich war aber echt enttäuscht damals, dass Du es nicht weiter versucht hast….
    Ah ja. Wieder was gelernt. Nur 2 Jahre zu spät…😉

    Übrigens, nicht an jemandem zu graben, der vergeben ist, war auch meine Grundhaltung damals. Und die hab ich auch bisher nicht über Bord geschmissen. (Na gut, hat sich erledigt, bin nun selbst vergeben…)😀

    • xD schlechte Taktik von der Dame, würde ich sagen.
      Solche Herausforderungen würde ich vermutlich auch nich peilen.
      Derzeit durchlebe ich mal wieder eine Situation, wie oben beschrieben (das nervt) und besagter Herr meldet sich aus heiterem Himmel nur noch sporadisch, was mich annehmen lässt, dass ich nur der Pausenfüller sein sollte, weil die Liebste ein bisschen genervt hat. Hinterher will der mich auch nur herausfordern ö.Ö
      (In Wahrheit bin ich ziemlich sicher, dass der Drops gelutscht is..)

      Ich werde dieses Prinzip auch nicht über Bord werfen. Ich will ja auch nich, dass irgendne dahergelaufene Olle an meinem Liebsten rumgräbt, sollte ich denn jemals einen haben.

  5. Joa….dumm gelaufen.^^
    Und ja, ich denke das dir deswegen schon ziemlich viele durch die Lappen gegangen sind. Naja ist ja nichts schlimmes.
    Wenn es jemand wirklich versuchen will und dich wirklich ‚liebt‘ dann wird er es nicht einfach aufgeben.😀 Denke ich..
    Komm, der richtige kommt noch.😉

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