Mädelsabend – Die Kneipe der Hoffnungslosigkeit

Die Ratzen pennen, ich betreibe Prokrastination im ganz großen Stil und schreibe deswegen jetzt mal eine weitere Urlaubsgeschichte nieder.

Hauptort des Geschehens: Die Kneipe der Hoffnungslosigkeit. Natürlich.
Hedwig hat keine Lust uns zu begleiten, dafür fährt er uns hin. Yäy! Absätze!!
Doch zuerst aufrüschen. Was zieh ich nur an? Auf jeden Fall ein etwas gediegeneres Outfit, als an meinem Geburtstag. Stiefel über der Hose? Ich seh‘ hier nirgends Pferde..sieht aber gut aus, also kann man das so lassen. Hedwig und Gisbert wollen, dass ich vorher Hedwigs LackOverknees anprobiere. Ja, die gehören wirklich Hedwig. Jeder Mann braucht seine kleinen Geheimnisse. ;)  Ihm sind sie aber zu klein, mir passen sie perfekt, leider ist der Schaft an den Oberschenkeln zu weit. Oh nein. Kann man sowas irgendwie enger machen? Wenn ich eine Idee habe, den Schaft passend zu bauen, kaufe ich sie ihm ab. Für Festivals sind die Dinger perfekt. Hedwig und Gisbert sind auch begeistert. Ich kann sowas ja tragen. Schöne Menschen entstellt nichts. Aber für den heutigen Abend dann doch lieber meine Stiefel. Ich kann die Overknees zwar tragen, geheuer sind sie mir aber noch nicht.

In der Kneipe der Hoffnungslosigkeit ist es voll. Nur noch ein Platz frei zum Sitzen. Den kann Gisbert haben, die hat nämlich Fuß. Herr Wirtschaft gibt mir seinen Hocker. Ich liebe ihn. Er ist mein Held. Der Hocker meines Sitznachbarn wird geklaut, als der auf dem Klo ist. Ich kann ihm die Schuldige zeigen, aber er holt ihn sich nicht zurück. Stattdessen beschwert er sich bei mir, wieso ich seinen Hocker nicht beschützt habe und wieso ich Herrn Wirtschafts Hocker bekomme und nicht er. Meine, vor Intellekt strotzende Antwort: „Wenn du in Strapsen so gut aussiehst wie ich, bekommst du sicher auch nen Hocker.“ Da stinkt der natürlich voll ab. Gisbert und ich haben Spaß. Wir trinken Malibu Multi, das ist lecker. Heute hat auch Frau Wirtschaft Schicht. Hurra!! Lange haben wir sie nicht mehr gesehen.
Hedwigs Cousine kommt mit ihrem Freund. Sie ist nett, er nervt. Er ist gefühlte 50 und benimmt sich wie ein Papa. Nichtraucher ist er auch, aber ein ganz schön militanter, der auf subtil – dämliche Art seine Freundin vom Rauchen abhalten möchte und sich dauernd beschwert, dass es stinkt. In seinem jugendlichen Leichtsinn dachte er wohl, in einer Raucherkneipe rieche es nach Rosenöl. Dann redet er auch noch schlecht über die Kneipe der Hoffnungslosigkeit. IN der Kneipe der Hoffnungslosigkeit. Frech!! Ich schreibe Hedwig eine SMS mit dem Inhalt, dass der blöde Freund mich nervt und ein Lappen ist. Da freut er sich bestimmt. Der Freund spricht mit mir über die Kohleförderung im Ruhrgebiet und Rheinland. Der weiß, worauf die Frauen abfahren. Zweifelhafte Komplimente macht er auch. Gisbert und mir. Das ist uns beiden unangenehm.
Mein Stehnachbar ist jetzt Gisberts Sitznachbar. Der trinkt komisches gelbes Zeug, dass nach Anis schmeckt. Ich sage, diesmal in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich Anis mag, deswegen spendiert er mir ein Glas von dem Zeug. Gisbert spendiert er einen Whisky. Ich kann genau zwei Schlucke von diesem komischen gelben Zeug trinken, dann fängt es an mich zu schütteln. Es zurückgehen lassen, wäre aber unhöflich. Was tun?! Vor uns steht eine leere Bierflasche. Ich stehe schmiere, während Gisbert das eklige gelbe Zeug in die Flasche kippt, Schluck für Schluck. Immer, wenn der Sitznachbar gerade nicht hinsieht. Wir sind so tricky. Da soll nochmal einer sagen, Suff töte Hirnzellen. Wir laufen zur kreativen Höchstform auf. Hedwigs Cousin kommt auch vorbei. Der hat noch ein Date. Er sagt ja, es ist keins, aber wir glauben ihm nicht. Wir unterhalten uns ein wenig über seine Tattoos, hatte ich doch gerade erst mein Beratungsgespräch für mein erstes eigenes. Gisbert und er diskutieren über die Schmerzen während des tatowiert werdens. Na toll. Macht mir doch Mut. Hedwigs Cousin muss wieder gehen. Eigentlich ist er schon viel zu spät, aber auf wichtige Leute wird schließlich gewartet. Zum Abschied bekomme ich einen Abschiedskuss auf die Wange. Ich glaube, mein Gesicht spricht Bände, als ich Gisbert ansehe. Das habe ich nicht erwartet. Sowas irritiert und überfordert mich immer wieder. Gisbert findet das lustig. Sie hat ja auch meinen Gesichtsausdruck gesehen. Als er weg ist, frage ich Gisbert erstmal, ob das so muss. Sprich, verabschiedet er sich von jedem so, oder gehöre ich zum erlauchten Kreis. Sowas muss man ja wissen. Der Sitznachbar guckt grad nicht, also schnell wieder einen Schluck von dem ekligen gelben Zeug in die Flasche kippen. Mittlerweile haben Gisbert und ich schon gut was weggetrunken. Der Alkohol ist aber noch nicht im Kopf, deswegen fällt es uns nicht auf. Hedwigs Cousine und ihr Lappen Freund verabschieden sich auch. Sie hat Kopfweh. Sagt aber, dass wir später gern noch vorbeikommen können. Sie wohnt nicht weit weg. Schnell noch einen Schluck in die Bierflasche kippen. Wann geht der Sitznachbar endlich? Diese Heimlichtuerei ist ja furchtbar, außerdem kann ich in der Zeit nichts anderes trinken. Sieht doch merkwürdig aus, wenn mehrere Getränke vor einem stehen und versoffen sieht es auch aus. Hedwigs Cousin kommt nochmal rein, zusammen mit seinem Date, dass kein Date ist. Wollte nochmal Hallo sagen, oder so. Die beiden bleiben aber nur kurz und dampfen dann zu seiner Schwester ab. Wir sagen, dass wir vielleicht noch nachkommen. Ha! Endlich geht auch der Sitznachbar. Endlich kann ich das Teufelszeug zurückgehen lassen und mir etwas trinkbares bestellen. Gisbert und ich haben immernoch Spaß. Ich habe jetzt wieder Lästerstoff für Wochen. Ach, was sag ich, Monate. Großartig. Mein Kopf merkt noch nicht, dass ich ganz schön was weggetrunken habe, meine Blase aber schon. Toll. Der Laden ist voll. Wie komm ich denn jetzt dahin? Schnell noch die Order an Gisbert, dass sie meinen Hocker mit ihrem Leben verteidigen soll. Als ich wiederkehre, befindet sich Gisbert gerade in reger Konversation mit Kurt. Kurt..ist gut dabei. Der hat schon ordentlich gebechert. Er fragt, ob ich Gisberts Liebling bin. Reaktion: Gisbert ist verwirrt, ich nicke nur. Das gefällt Kurt. Er sagt, ihm gefällt unser Mainstream. Ich glaube, wir sind die einzigen beiden Frauen in dem Laden, die nicht dem Mainstream entsprechen. Zeit für uns zu gehen. Die Rechnung lässt uns ganz schön blöd gucken. So viel haben wir doch gar nicht getrunken. Vor der Tür stellen wir wieder einmal fest, dass Alkohol leichter sein muss, als Luft. Er haut uns regelrecht eine rein. Plötzlich ist alles verdammt lustig.

Wir beschließen noch zu Hedwigs Cousine zu gehen. Aber es macht uns niemand auf. Gisbert hat keine Handynummer. Also Hedwig anrufen.

H: Hallo?

F: Heeeeedwig!! Wir sitzen bei deiner Cousine vor der Tür, aber die lässt uns nich rein, obwohl die gesagt hat, dass wir noch vorbei kommen können. Die hat uns bestimmt nicht gehört und wir haben keine Handynummer, also musst du die jetzt anrufen und der sagen, dass die uns reinlassen soll. Mach das jetzt!

H: Ja, alles klar.

F: Suuuuuper!!

Wir sitzen immernoch vor der Tür. Klingeln nochmal. Keine Reaktion. Das schreit nach Telefonterror beim Hedwig.

F: Heeeeedwig!

H: Ja!

F: Hast du angerufen?

H: Ja, aber ich hab niemanden erreicht.

F: Super, wo bist du jetzt?

H: Ich bin grad auf dem Weg zu euch.

F: Superer, dann kannst du uns ja gleich abholen.

Da ist er auch schon.

-Fortsetzung folgt-

2 Gedanken zu “Mädelsabend – Die Kneipe der Hoffnungslosigkeit

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