Dörte schlägt wieder zu

Erinnert ihr euch noch an Dörte, meiner speziellen Freundin im Studium? Wat hab ich die Braut gefressen..

Chemiepraktikum erster Tag. Meine Mädels und ich betreten das Labor und suchen uns eine Laborbank, damit wir alle zusammen arbeiten können. Bzw, wir versuchen es, denn dann kommt Dörte des Weges und zeckt sich einfach dazwischen, so dass unser Plan nicht aufgeht und die Mädels sich einen anderen Platz suchen. Und wer bleibt neben Dörte zurück? Natürlich ich. Mir bleibt ja auch nix erspart.
Aber ich bin ja ein friedliebender Mensch, weswegen ich mir vornehme, sie einfach zu ignorieren, um etwaige Ärgernisse zu vermeiden. Klappt nicht. Sie lässt mich nicht. Sie geht mir auf die Nerven. Ich Will Das Nicht!!

Ich meine, ich hab schon wenig Peil von dem, was ich da mache. Hauptsächlich die Berechnungen der Ergebnisse am Ende betreffend, aber die Frau hat nichtmal den kleinsten Peil. Tut aber so, als sei sie Königin Dörte vom Ammoniakhügel. Nicht, dass ich mich zwingend mit ihr befassen wollen würde, sie lässt mir nur keine Wahl, denn sie ist neben all ihren anderen zahlreichen Vorzügen auch noch eine Attentionwhore delüxe. Klappt irgendwas gut, lamentiert sie ewig darüber, wie großartig sie ist, klappt irgendwas nicht, hält sie einen Monolog darüber, wie unsagbar dumm sie ist. Und alles was ich danebenstehend tun kann ist mir kräftig auf die Zunge zu beißen, um ihr nicht ausversehen zu antworten. Noch eine, ihrer zahlreichen Qualitäten ist, dass sie dauernd über Dinge diskutieren will, die man nicht ändern kann. Und das selbstverständlich mit mir. Wieso?! Ich möchte das nicht! Und noch dazu hat sie ein absolut beschissenes Zeitmanagement. Das stört mich noch mit am Meisten. Ich kann da gar nicht hinsehen.

Einen Versuchtag müssen wir titrieren. Für die, die noch nie titriert haben, eine wenig hilfreiche Beschreibung: Man kippt eine Flüssigkeit in eine Bürette, das ist eine lange Säule, aus der man tropfenweise Flüssigkeit abgeben kann. Meistens wird sowas zur Säure/Basen Titration verwendet. Da ist meistens auch noch ein Indikator involviert.
So, sowas sollen wir also machen.

Alle bereiten fröhlich ihren Versuch vor und basteln die ersten Titrationen, nur Dörte nicht, denn die muss erst ergründen, was es mit dem Versuch auf sich hat. Irgendwann ist sie auch soweit, dass sie sich im Stande sieht, mit ihrem Versuch zu beginnen. In der Zeit habe ich bereits meinen zweiten Versuch zur Hälfte hinter mich gebracht, nur um mal einen Eindruck darüber zu vermitteln, wie lange sie den Versuch ergründet. Aber gut, das ist ja nicht mein Problem. Wenn ich mit meinen Versuchen durch bin, darf ich nach hause gehen. Wie lange sie dann noch im Labor vergammelt, ist ja nicht mein Problem. Irgendwann, während ich da vor mich hin matsche, höre ich es neben mir wieder lamentieren. Da sonst keiner in der Nähe ist, der ihr Aufmerksamkeit schenken könnte, bleibt das wieder an mir hängen, wenn ich nicht will, dass das den Rest des Tages noch so geht.

F: Wat is jetzt?

D: Ich bekomm das hier nicht hin. Ich hab den ersten Versuch jetzt schon 5 Mal titriert, aber ich hab immer viel zu große Abweichungen.

F: Wie sind denn deine Werte?

D: 7, 9, 5, 6.8, 7.2 ml

F: Ja, dann nimm doch den ersten und den letzten Wert, die sind doch beide gut. Nimmste den Mittelwert raus und gut is.

D: Aber das ist doch viel zu viel Verbrauch. Da wird doch *Hier bitte irgendwelches Chemiegequatsche einfügen*, weswegen der Verbrauch doch viel geringer sein müsste.

F: Ist er denn viel geringer?

D: Nein..ich wein gleich..wieso bekomm ich das nicht hin? Ich bin so dumm!!

F: Ja, und was willst du jetzt machen?! Offensichtlich ist es nicht weniger. Willste den ganzen Krempel jetzt so lange titrieren, bis es dir passt?! Da wirste mit jammern nicht weiterkommen. So wie ich das sehe, hast du jetzt genau zwei Möglichkeiten. Entweder nimmst du jetzt die beiden Werte, die nah beieinander liegen, berechnest deren Mittelwert und kommst mal ein bisschen voran, oder du titrierst die ganze Plörre jetzt noch fünf Mal und sitzt bis heute Abend hier. Einfache Kiste.

Mehr habe ich dazu auch nicht mehr zu sagen. Ich muss schließlich selber mit meinem Kram fertig bekommen. Da sie nicht weiter titriert, gehe ich davon aus, dass sie ihre bisherigen Ergebnisse nimmt und damit weitermacht. Gibt a tatsächlich nicht viel, was man da machen kann, ich hätte ihr sonst geholfen, einfach, weil ich kein Kollegenschwein bin, aber wenns nicht geht, gehts eben nicht.

Ich bin dann gegen 15 Uhr mit meinem Krempel fertig und verlasse das Labor. Wann Dörte endlich raus konnte, weiß ich nicht. Ich weiß nur eins. Das könnten zwei interessante Wochen werden..

13 Gedanken zu “Dörte schlägt wieder zu

  1. ohje. am ersten labortag war ich auch sehr unsicher und es hat nichts funktioniert (ich hab für den Versuch 3 komplette Tage gebraucht, den andere an einem Tag geschafft haben – die anderen Versuche liefen dann zum Glück problemlos, sonst wäre ich wahrscheinlich bald verzweifelt), aber Dörte scheint schon ein besonderer Fall ^^
    neben mir stand auch eine, die die ganze Zeit rumgejammert und geflucht hat, und die war tatsächlich noch langsamer als ich. allerdings bin ich mit ihr befreundet und sie tut das nicht, um aufmerksamkeit zu bekommen (wenn sie was wissen will, fragt sie stattdessen einfach ^^), sondern weil sie tatsächlich davon überzeugt ist, dass alle welt sich gegen sie verschworen hat und sie die ärmste von allen ist😀

    • achja, und um 15Uhr aus dem Labor? ein Traum. bei uns war offiziell bis 18Uhr offen, das hab ich meistens so grade geschafft.. vor 17Uhr war ich glaube ich nie fertig

      • Ich war meist so um den dreh aus dem labor raus. nicht, dass es mir was gebracht hätte, weil ich ja dann bis ewig noch protokoll schreiben und mich auf den nächsten tag vorbereiten musste. bin aber froh, dass die versuche immer alle recht schnell gingen.

  2. „Das zweite Schaf hieß Dööörte,
    weil es so gerne röööööhrte…“

    Irgendwie musste ich doch beim Lesen grad an diesen Gassenhauer aus der Feder des ausserfriesischen Blödel-Barden denken.

    Da passt der Name anscheinend wie die Faust aufs Auge😉

  3. *hihi* Jaja, anorganische qualitative Analyse. Säure-Base-Titration, der Klassiker. Unser Prof. gab uns den Tip, vorher eine exakt definierte Menge als „Vergleichstest“ zu ermitteln und als „Laborfaktor“ zu verwenden. Dies hat mehrere Hintergründe: 1) Der farbliche Umschlagspunkt des Indikators ist für jeden Menschen anders. 2) Die Farbahrnehmung kann durchaus beeinflusst werden und ist tagesformabhängig – z.B. durch Müdigkeit oder Restalkohol (Party am Abend vorher). 3) Irgend ein Depp hat einem die Maßlösung geklaut und versaut wiedergegeben. Und nicht zuletzt 4) Wenn ich einen systematischen Fehler mache, fällt es mir bei diesem „Blindtest“ auf.

    Bei Dörthes Werten würde ich 5 und 9 als Ausreißer streichen, aus 6,8 – 7 – 7,2 den Mittelwert 7 bilden und gut ist. Oder das Ergebnis völlig anzweifeln, und alles nochmal neu machen. (Die Werte insgesamt lesen sich für mich so, als ob sie die Maßlösung nie umgeschüttelt hat, und die deshalb einfach nicht mehr stimmt.)

    Bei uns war Labor auch von 8.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends. Und in den meisten Praktika wurde gnadenlos überzogen, um den Mist zu schaffen, sehr zum Leidwesen der Assistenten, die ja erst nacj „Licht aus“ gehen dürften.

    Habt ihr auch solch nette Sachen wie Kationen-Titration mittels Komplexbildnern gemacht?

    • Wir haben unsere Maßlösung selbst hergestellt und daraus den Korrekturfaktor ermittelt.
      Wir sind irgendwann dazu übergegangen, uns die Versuche aufzuteilen, damit es schneller geht. Ich glaube Dörte hat einfach nur unkonzentriert gearbeitet. Das ist andauernd passiert.
      Kationen Titration haben wir auch gemacht, aber ich weiß nicht mehr mit was, das war ziemlich zu Anfang. Kann ich aber gern nochmal nachschauen^^

      • z.B. könnte man bestimmte Kationen mit Na-EDTA titrieren. Auch nett sind Redox-Titrationen, insbesondere Rücktitrationen über Iod / Iodit…

        Und das furchstbarste waren quantitative Analysen über Ausfällungen und anschließendem Auswägen. Das hat bei mir nie vollständig korrekt geklappt. was war das für ein Mist!😀

  4. Na toll Fee… ich hab mich beim Titel verlesen und nun hab ich Hunger auf Torte *schimpf*

    Aber egal. Ich hab zwar KEIIIINE Ahnung was ihr da macht (ganz ehrlich… wirklich keiiiiiiiiiiiiiine Ahnung. So viel is gibts gar nicht, so wenig verstehe ich das :D), aber ich glaube ich würde mich genauso dusselig anstellen wird Tort… Dörte…nja… nur laut jammern mache ich bekanntlich nicht. xP

    • Ich hatte, wie gesagt, auch nur recht wenig peil von dem, was ich da getan habe. Aber man bekommt eine Versuchsanleitung. Das ist wie kochen nach Rezept, da steht alles, was man machen muss. Man muss es nur noch ablesen. Wenn man natürlich erstmal stundenlang alles in Frage stellen muss, dauert es natürlich ein wenig. ^^ Hmm…Torte…

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