Dörte und die Säule

Austauschchromatographie. Mein absoluter Lieblingsversuch. NICHT! Kationenaustausch kenn ich schon aus dem Labor, aber da macht sowas mein bester Freund, die Wasseranlage. Jetzt muss ich das selbst machen. Wo ist das blöde Ding, wenn man es mal braucht. An sich ist es ganz einfach. Man bekommt eine Säule, die mit kleinen Harzkügelchen gefüllt ist. Da jagt man seine Lösung durch und das Harz sorgt dafür, dass die Kationen aus der Lösung mit H+ Ionen aus dem Harz getauscht werden. Oder so ähnlich. Ist ja nicht so, als hätte ich ahnung davon. Meine Ergebnisse waren auch Mist, um es mal vorweg zu nehmen. Aber immerhin waren es nicht die einzigen -nicht so guten- Ergebnisse. Das wollte ich aber natürlich gar nicht erzählen. Ich wollte euch von Dörtes Zeitmanagement erzählen. Aber kurz noch zurück zum Versuch. Man hat also diese Säule mit diesem Harz drin und dieses olle Harz muss man erstmal neutral waschen. Das dauert schon ewig und drei Tage. Das dauert so lange, dass die komischen ChemieSklaven den Krempel sogar vorbereiten müssen. Neutralwaschen ist eigentlich einfach. Man kippt destilliertes Wasser oben drauf, bis das Indikatorpapier unten anzeigt, das besagtes Wasser neutral raustropft. Bis es soweit ist, macht man schonmal ein paar andere Versuche im Reagenzglas, die sich damit begnügen, dass man irgendwas ineinander schüttet und so das Vorhandensein des ein oder anderen Kations nachweist. Oder so. Jedenfalls lässt sich das einfach verschachteln. Man muss einzig darauf achten, dass das Harz nicht trocken wird. Sollte zu schaffen sein. Ja…sollte.

Dörte entscheidet nach zwei Durchläufen aqua dest dazu, dass sie beides nicht gleichzeitig kann, weswegen sie die Chromatographie erstmal Chromatographie sein lässt und sich der kleinen Reagenzglasversuche hingibt. Natürlich auch wieder mit einem Affenzahn. Man kann ihr kaum folgen, so schnell ist sie mit den Versuchen durch. Nein, ich verarsch euch, sie hat natürlich erst wieder zwei oder drei verkackt, weil sie einfach unkonzentriert arbeitet und erst zusammenschüttet und dann liest, was sie zusammenschütten muss. Außerdem fragt sie jedes Mal, welches Ergebnis bei welchem Versuch rauskommt. Selbstverständlich bevor sie ihn macht. Den Zweck dahinter verstehe ich natürlich nicht, aber was weiß ich schon. Irgendwann bin ich mit meinen Schachtelversuchen dann fertig und meine Säule ist neutralgewaschen. Das hat schon ein ziemliches Weilchen gedauert, weswegen ich mir in meiner netten Art langsam Sorgen um Dörtes Zeitmanagement mache. Da mich das aber natürlich nichts angeht, mache ich erstmal meinen Kram und beginne mit dem eigentlichen Versuch. Als der fertig ist, muss ich das Harz in der Säule eluieren. Heißt, ich muss meine Kationen wieder aus dem Harz basteln. Dazu kippt man einfach 4 Molare Salzsäure auf das Harz, dadurch werden die Kationen wieder durch Protonen ausgetauscht und alles ist wieder fluffig. Dauert aber natürlich auch ewige Zeiten. Man meint zwischenzeitlich eines natürlichen Todes sterben zu müssen, vor lauter warten. Und nur weil der Krempel da tropfenweise durch muss. Nun mache ich mir wirklich Gedanken darum, wie Dörte das innerhalb den Tagespensums schaffen möchte, denn ihr Harz planscht immernoch recht fröhlich im aqua dest.
Ich könnte sie einfach machen und sie in ihr Verderben warten lassen, aber so ein schlechter Mensch bin ich nun auch wieder nicht. Also weise ich sie darauf hin, dass ihr Harz noch nichtmal neutral gewaschen ist, der Versuch allein schon lange dauert und man für die Eluation nochmal so lange braucht und sie deswegen jetzt vielleicht diesen Versuch in den Vordergrund nehmen sollte, bevor sie morgen früh noch da sitzt, denn mit dem Eluat muss man ja schließlich auch noch was machen. Man will ja schließlich auch wissen, was da so für Kationen rausgekommen sind. Das muss man dann auch noch nachweisen.
Und weil es die Zeit der Zeichen und Wunder ist, hört sie sogar auf mich. Hält sich aber ewig lange damit auf zu eruieren, ob das Indikatorpapier nun 7 oder 7,5 anzeigt und jagt deswegen noch gefühlte 4 Liter aqua dest hinterher. Man hat ja schließlich Zeit. Ich hätte sie versauern lassen sollen, denn zur Strafe sind meine Ergebnisse riiichtig schlecht. Das hat man dann davon. Das ist in etwa so, als würde der Kuchen nach dem Backen richtig kacke schmecken. Nicht gut. Aber was solls. Ich bin fertig. Dörte wird da noch ein paar Stündchen sitzen, weil sie jetzt erst das Harz eluiert. Am nächsten Tag wird sie mir erzählen, dass sie noch bis 17 Uhr im Labor saß und die letzte war.
Ich bin froh, dass mein Zeitmanagement, trotz des allgemeinen Chaos in meinem Kopf, scheinbar doch recht gut funktioniert. Irgendwas muss man ja schließlich auch können.

13 Gedanken zu “Dörte und die Säule

  1. Was bin ich froh, dass ich aus dem Labor raus bin^^
    Meine Versuche haben meist sogar zu meinem absoluten Erstaunen brauchbare Ergebnisse gebracht😆, aber die Warterei insbesondere bei Biochemie (Elektrophoresen, die von dir geschilderte Säulenchromatographie, die Warteschlange vor dem Spektrometer…) und Mikrobio (das Viehzeug braucht ja immer ein bisschen Zeit zum Wachsen) fand ich total nervig. Und Titrieren einfach nur langweilig *tropf* …. *tropf* …. *tropf*😉
    Wobei ich finde, dass es auch sehr davon abhängt, wen man so in seiner Umgebung stehen hat. Mit netten Menschen kann es lustig sein, Menschen à la Dörte nerven, haben aber immerhin einen gewissen Unterhaltungswert, und Menschen, die dich zum persönlichen Feind erklärt haben, aber dummerweise mit dir zusammen einen Versuch durchführen soll, sind dann das Nonplusultra…

    Du bist ja aber an sich gern im Labor, oder?
    Und ich bin erstaunt, dass du diese ganzen Praktika machen musst – wurde dir das nicht anerkannt oder ist das „zu chemisch“ für deine Ausbildung?

    Ich halte mich gerade erfolgreich davon ab, Biologische Chemie zu lernen…

    • Chemie durfte ich mir leider nicht anrechnen lassen. Das liegt im Ermessen des Dozenten und der wollte das nicht. Sonst hätte ich mir das sofort anrechnen lassen😀 Ich bin an sich wirklich gern im Labor, aber nicht im Chemielabor. ^^ Aber immerhin war es für ein paar Bloggeschichten gut.

    • Wer sich bei Titrationen langweilt, macht was falsch (bzw. zu richtig)
      – Säure-Base-Tritaionen: Zu langsam durchgeführt.
      – Redox-Titrationen: Nicht am heißen (temperierten) Reaktionsgefäß angefaßt.
      – Fällungstitrationen: Da kommt NIE Langeweile auf…
      – Wasserfreie Titrationen: Mal den Abzug nicht richtig zumachen…

      und schon ist Stimmung im Labor…😀

  2. Wuäh, Labor, mein persönliches Horrorerlebnis. Glaub mir, deine Dörte hätte ich mit Handkuss genommen. Wir mussten nämlich im Labor paarweise arbeiten und ich hatte den grössten Trottel als Partner, den man sich vorstellen kann. Nein, eigentlich kann man sich das nicht mal vorstellen. Der hatte erstens keine Ahnung. Ok, hatte ich auch nicht. Dann hatte er zwei mehr als linke Hände. Echt, der musste das Glas nur angucken und dann gings kaputt. Oder beim – mist, vergessen wie da heisst, wo man Flüssigkeiten mit verschiedenen Dichten trennen kann, indem man die schwerere unten raus lässt und dann zu macht – da dreht er den Hahn zu und dreht dann WEITER. Hahn wieder offen, alles nochmal von vorne. Ok, kann ja mal passieren, aber das hat der JEDES MAL geschafft!
    Oder er war auch gerne mal zwei Stunden einfach weg und ich kriegte einen Anschiss, weil wir immer wissen müssen, wo unser Laborpartner ist. Auf Nachfrage wo er war (jemand hat ihn beim Telefonieren gesehen) hat er mich sogar eiskalt angelogen (aufm Klo – 2h – wtf?!)
    Berichte geschrieben hat er nie, musste ich alles selbst machen. Einmal gab ich ihm eine Aufgabe zum Rechnen, nach 2h fragte ich wie weit er sei (währenddessen hatte ich den ganzen Versuch vorbereitet usw.), da hatte er gerade mal die Tabelle vorbereitet! Also 5×5 Felder mit Beschriftungen und keine einzige Rechnung!

    Das ging sogar so weit, dass sich Leute bei mir über ihren Laborpartner richtig übel beschwerten und voll genervt waren. Auf Nachfrage nach meinem Laborpartner (der grosse, dicke, langsame) fanden sie ihren Laborpartner plötzlich super und bemitleideten mich. Und das passierte mir ständig!

    Ich musste also die ganze Arbeit für zwei erledigen und gleichzeitig noch Kindergärtner spielen und aufpassen, dass mein Partner nicht abhaut und nichts kaputt macht. Ich gehöre echt zu den geduldigsten Menschen, die ich kenne, aber da bin ich irgendwann voll ausgerastet.

    Also glaub mir, eine Dörte nebenan, die man notfalls auch ignorieren kann und auf die man nicht angewiesen ist, ist gar nicht so schlimm.

    Ich hab das Chemiepraktikum am Ende übrigens nicht bestanden. Mein Laborleiter hat mir sogar gesagt, dass ich mit einem anderen Partner wahrscheinlich bestanden hätte. Sei froh, kannst du dein eigenes Ding machen.

    Ich werd jetzt noch voll aggro wenn ich daran denke. Hab wohl ein Chemietrauma

    • – mist, vergessen wie da heisst, wo man Flüssigkeiten mit verschiedenen Dichten trennen kann, indem man die schwerere unten raus lässt und dann zu macht –

      „Scheidetrichter“ ist das Wort, welches gesucht wird.😀

    • Ich fands auch einfach nur ärgerlich. Aber ich finde sie ja auch einfach nur ärgerlich. Sie benimmt sich eben, als sei sie die große Nummer dabei ist sie ein ganz kleines Licht, das auch nix auf die Reihe bekommt. Ich bin ganz froh, dass ich neben ihr stand, so hab ich jetzt wenigstens was zu bloggen^^
      Das solche Erlebnisse ein Chemietrauma auslösen kann ich voll und ganz verstehen. Glaube, da wäre ich irgendwann auch nicht mehr ruhig geblieben, vor allem, wenn das bestehen von dem ganzen mist von einem anderen abhängig ist.

  3. Spannend. Unsere Chemiepraktika hatten Öffnungszeiten, wer da abends nicht fertig war, ist rausgeflogen. Wer nett zu den Assistenten war, konnte auch schonmal 15 Minuten länger machen, dann musste man aber wirklich raus sein. Und es sollte besser eine Ausnahme bleiben.

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