Kochen mit dem Omega Männchen

Lange haben wir nichts mehr vom Omega Männchen gehört. Heute werden wir zusammen mit ihm kochen. Das wird ein Spaß.

Nun hat es das Omega Männchen also wirklich geschafft, sich eine holde Maid anzulachen, die sich daraufhin erbarmt und sich von ihm bekochen lässt. Für unser Omega Männchen ist dies DAS Highlight. Darauf hat es lange gewartet. Endlich kann es seine fulminanten Fähigkeiten am Herd beweisen, um so das Weibchen seiner Wahl für sich zu gewinnen.

Solch ein Event muss natürlich in aller Ausführlichkeit durchdacht und geplant werden. Dies beginnt schon mit der Auswahl des Menüs. Da es sein ganzes Können unter Beweis stellen will, kann es der Dame unter keinen Umständen irgendwelchem ordinärem Fraß vorsetzen. Nein, hier muss haute cuisine her.
Das Omega Männchen will beeindrucken. Sollte bei diesem Unterfangen auch nur das unbedeutendste Detail nicht nach Plan verlaufen, wird es aufgrund dessen is eine existenzielle Krise stürzen und das ganze weitere Unterfangen als gescheitert ansehen. An dieser Stelle wird es alles hinwerfen, vielleicht ein wenig weinen und sich im Selbstmitleid über das eigene Versagen suhlen. Da dies aber nunmal nicht das angestrebte Ziel ist, versucht es diesen Zustand selbstredend zu vermeiden, oder ihn wenigstens so lange wie möglich herauszuzögern.

Diese Vermeidetaktik beginnt bereits während der Planung. Unnötig zu erwähnen, dass nichts zubereitet wird, was nicht vorher ganz und gar durchexerziert wurde. Hier muss jeder Schritt sitzen und jede Unstimmigkeit wird gnadenlos ausgemerzt. Improvisation ist etwas für Freigeister und Nichtskönner. Nur wer einen absolut idiotensicheren Plan in Stein meißelt, kann wirklich Erfolg haben.
Dieser Plan setzt sich beim Einkaufen fort. Man schreibt zwar eine Einkaufsliste, das heißt aber nicht, dass da einfach der erstbeste Krempel den Weg in den Einkaufskorb findet. Da die geplante Speise beim Probekochen (ja, selbstverständlich wurde das geplante Menü bereits Wochen im voraus geprobt. Für den Fall der Fälle muss man vorbereitet sein.) mit dem 7 Euro Tomatenmark ganz vorzüglich mundete, kann es unmöglich sein, dass nun das 35 cent Tomtenmark gekauft wird. Schließlich weiß man nicht, wie sich die Beschaffenheit dieses Tomatenmarks auf alle weiteren Zutaten auswirkt. Auch die kleinste abweichende Geschmacksnuance könnte das Meisterwerk unkorrigierbar zerstören und den ganzen Plan zunichte machen. Vollkommen indiskutabel. Natürlich wird nach diesem Prinzip auch bei allen anderen Zutaten verfahren.

Wenn alle Zutaten käuflich erworben wurden, geht es an die Zubereitung des Mahls. Hierbei wird die Dame der Wahl neckisch mit eingespannt, beispielsweise beim Schneiden der Zutaten. So verpasst sie keine Sekunde seines Könnens. Allerdings muss auch hier strikt nach Plan verlaufen. Es darf nicht sein, dass die Paprika noch vor den Zwiebeln geschnitten werden. Die Oxidation der Moleküle könnte den Geschmack negativ verändern und die Speise innerhalb von Millisekunden ungenießbar machen. Das muss verhindert werden, was man am Besten dadurch erreicht, indem man die Dame augenblicklich auf ihren Fehler hinzuweist und auf seine Korrektur zu pochen. Sollte sich so ein Fauxpas seitens der Dame wiederholen, wird das Omega Männchen nicht davor zurückschrecken, das Weibchen der Küche zu verweisen.

Während das Sternemenü nun vor sich hinköchelt, wird das Omega Männchen nicht müde zu erwähnen, wie gespannt es darüber ist, wie das Weibchen seine Kreation finden wird.
Das Komplimenteangeln wird auch während des Essens nicht weniger, denn das Omega Männchen möchte gewürdigt und gelobt werden. Wenn dies nicht von selbst geschieht, hilft es nach, indem es sich hochfrequentiert danach erkundigt, wie es der Herzensdame mundet und ob auch wirklich alles zu ihrer Zufriedenheit ist. Sollte ihm deren Antwort nicht ausreichen, wird es in aller Ausführlichkeit davon erzählen, wie schwierig es war dieses phänomenale Dîner extra für sie zuzubereiten, in der Hoffnung es möge ein Wort des Lobes abfallen. Sollte auch das nicht fruchten, wird es all die kleinen Fehlerchen aufzählen, die, da auch das Omega Männchen letztlich nur ein Mensch ist, trotz tagelangen Planens und Zerdenkens dennoch geschehen sind, um dann darauf hinzuweisen, dass es ihm trotz all dieser Widrigkeiten gelungen ist etwas essbares daraus zu machen.

Alles in Allem wird es für die Auserwählte ein anstrengendes Essen werden, dass ihr zwar munden wird, aber doch mit zu großen Anstrengungen verbunden ist, als dass sie eine Wiederholung wünschen wird.

Das Omega Männchen indes wird sich noch Tage danach Gedanken darüber machen, ob man diese gemeinsame Unternehmung als gut verbuchen kann oder nicht. War die Angebetete nur höflich? Hat es ihr geschmeckt? Sollte man das wiederholen? War sie froh, als sie wieder gehen konnte?
Schließlich wird es von all diesen, hauptsächlich negativen Möglichkeiten übermannt  und stürzt daraufhin in eine tiefe Existenzkrise.

16 Gedanken zu “Kochen mit dem Omega Männchen

  1. Och nöööö. Ich bevorzuge ja auch eher meine persönliche Hausmannskost, obwohl ich hin und wieder auch mal das Bedürfnis verspüre, in der Küche richtig aufzudrehen.

    Aber doch nicht so. Nö, lass mal.🙂

  2. Und genau diese Omega-Männchen wundern sich dann über Menschen, die den Vorratsschrank aufmachen und sagen: „So, was gibts denn heute zu essen…?“ und aus den vorhandenen Sachen trotzdem etwas schmackhaftes zusammenzaubern.

    • Leichteste Übung. Kochen ist für mich irgendwelchen Krempel in die Pfanne zu werfen und vielleicht noch ein Sößchen drüber zu werfen. Schmeckt gut, geht schnell, alles super. Ich kann zwar auch aufwändig, aber selbst dann improvisiere ich mehr, als dass ich koche.😀

  3. Also Fee, ich finde Dich ja nun doch ein klein wenig gemein. Gibt sich der Kerl solche Mühe, und dann watscht Du ihn dermaßen ab. Kein Wunder, dass er nun in der (Küchen)Ecke sitzt, mit einer Kaffeefiltertüte auf dem Kopf, und in sich hinweinweint. Köntest wenigsten sowas sagen wie: Hat gut gescheckt -brauchst´s nicht wieder kochen!😉

    Aber so am Rande: Ein Essen basteln, an dem ich mich nicht wenigstens ein einziges Mal vorher versucht habe? Würde ich auch nicht machen, wenn es darum geht, die potentielle Herzdame nicht zu vergraulen. Wenn man schon länger zusammen ist, kann man ja gemeinsam über eine ungenießbare Katastrophe lachen – aber wenn die Anbetungswürdige als so ziemlich ersten Eindruck von mir hätte „Läd mich zum essen ein. Erst vergiftet er mich, und danach verhungere ich!“ kommt das sicher nicht sooooo wahnsinnig gut an… *grübel*

    • Du warst nicht dabei…^^ Du hast das ganze Elend nicht erlebt. Und ich habe wirklich das GANZE Elend erlebt.

      Na wenn ich jemanden dazu einlade, ihn zu bekochen, dann koche ich auch was, was ich vorher schonmal gemacht habe, aber ich suche mir nichts aus, dass ich noch nie gemacht habe und koche das aus einzig und allein diesem Anlass Wochen vorher schonmal, damit ich dann sagen kann, ich habe es bereits vorher schonmal gekocht..

  4. Ich backe sogar für Anlässe Kuchen und Brote und Zeugs, die ich nie zuvor ausprobiert habe… dieses zuvor rumprobieren nervt. Und wenn was schief geht geht was schief. Life is a bitch and shit happens.
    Bis jetzt ist genau 1 Kuchen mal nix geworden. Aber Mann und Mama kriegen bei sowas immer die Totalflatter.

    • Yeaah, genau so muß das sein: Ri-siiii-kooo😉

      Soviel kann schließlich nicht schief gehen – und wenn doch, na dann ists in aller Regel nicht so tragisch. Und hält man sich an die Rezepte (und liest die vielleicht vorher einmal komplett durch *hüstel*) dann wird das in den meisten Fällen auch gelingen.

      • @Fee: Hehe – wenn Du in Kuhdorf wohnst, wo der Pizzadienst nur hinfährt, wenn Du einen Liefer-Wege-Zuschlag bezahlst, kann das flinke „Zusammenbestellen“ eines „Plan B“s schon mal in die Hose gehen…

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