kleine S-Bahn Geschichten

+++ Neulich in der S-Bahn sah ich meine Zukunft neben mir sitzen. Die Dame mag so an die Anfang fuffzig gewesen sein, hatte schwarzes Haar und das Gesicht voll Metall. Sah gar nicht so scheiße aus, wie ich immer befürchte. Eigentlich wollte ich die Piercings spätestens am Ende der 30er entfernen, damit ich auch mal erwachsen bin, aber hey, wenn ich dann auch noch so aussehe (Gut, nicht wie Anfang fuffzich..) kann das Metall ja auch gern noch bleiben, bis der Zivi mir das irgendwann aus der Kauleiste pflückt. +++

+++ Dann sah ich noch das lebische, gefühlt 11 jährige Pärchen. Ich musste den maskulinen Part von beiden erst 10 Minuten anstarren, um zu investigieren, ob es sich hierbei um ein Mädchen mit einer Affinität zu Baggypants und weiten T-Shirts oder um einen Typen handelt, der einfach nur aussieht wie ein Mädchen. Sowas solls ja auch geben. Ist ja in der Prominentenszene auch weit verbreitet. War jedenfalls ein Mädchen. Waren irgendwie süß, die beiden. Die maskuline Sie zubbelte die ganze Zeit an der femininen Sie rum und war ganz im AuffressModus, während ihr Liebchen mehr damit beschäftigt war auf ihrem Smartphone rumzudrücken. Tat mir irgendwie leid, aber ich war gleichzeitig auch dankbar. Bin ja nicht so für Liebhaben in der Öffentlichkeit. +++

+++ Dann war da auch noch die Frau, die in der S-Bahn ihre Schuhkäufe anprobierte und sie auch gleich fotografierte. Vermutlich hat sie die Fotos dann auch gleich gepostet. +++

+++ Absolut creepy war aber der Typ, der eine ganze S-Bahn Fahrt über Selbstgespräche führte. Zuerst dachte ich, es säße ihm jemand gegenüber, dann sah ich hin, aber da war niemand. Dann dachte ich, er spricht vielleicht in ein Headset, aber das war auch nicht vorhanden. Gruselig. Der hat da ganze Dialoge mit sich selbst geführt. Ich sah immer mal wieder in seine Richtung, versuchte dabei allerdings keinen Blickkontakt herzustellen. Wääääh. Vielleicht haben sich da zwei abgespaltene Persönlichkeiten miteinander unterhalten. Können abgespaltene Persönlichkeiten auch voneinander wissen und sich unterhalten? Psychologen anwedend, die das wissen? +++

+++ Außerdem war da noch die Olle, die sich mit einer Bekannten am Handy unterhielt und mit dem Gespräch gleich den ganzen Zug entertainte, weil sie offensichtlich nicht verstand, dass ihr Gegenüber nur die Lautsprecher lauter stellen muss, wenn es das Bedürfnis hat sie lauter zu hören und es deswegen nicht notwendig ist, wie eine Irre ins Handy zu brüllen. Ironie des Schicksals, dass sie sich ausgerechnet über Unhöflichkeit unterhielten. Ich musste ein kleines Kichern unterdrücken. +++

+++ Und dann war da auch noch die Kleene, die sich am Handy mit ihrem Freund..oder Ex Freund oder beides im Verlauf..stritt, weil dieser sie auf einer Party mit einer anderen Ische betrogen hat. Ja, ich bin da jetzt voll im Bilde. Ich weiß mit wem, wo, wie und wieso. Besser, als jede Soap. In solchen Momenten nehme ich mir gern vor, für solche Fälle immer eine kleine Tüte Popcorn in der Tasche mit mir rumzutragen. +++

7 Gedanken zu “kleine S-Bahn Geschichten

  1. Ja, alles Gründe, warum ich immer sehr tief in (m)ein Buch geschaut habe. Es gibt/gab halt Dinge in meiner Umwelt, die sperr(t)e ich mittels reizüberfluteter Phantasie aus meinem Kopf aus, weil ich sie gar nicht wissen will. Die „Scheibenwelt“ hat mir dabei damals gute Dienste geleistet, führte jedoch auch zu Blicken auf mich, da ich immer mal wieder unterdrückt lachen musste…

  2. *Brille aufsetz* *wichtiges Gesicht mach* Zivis gibts jetzt nicht mehr, die heißen jetzt BufDis… Früher, als ich noch so klein war, da gabs das noch, ja, das war die Welt noch in Ordnung 😉

    Und Headsets gibts mittlerweile in so klein, dass sie z.t. garnicht mehr auffallen (Größe von nem USB-Stick). Vielleicht hatte der sonen Teilchen drin. Oder im Zahn implantiert^^

      • Falsch: niemals vor denen Angst haben, die reden – die die still in der Ecke/auf dem Rücksitz sitzen übersieht man immer…

      • Ja, aber das wäre in dem Fall ich.
        Und du hättest den irren Blick sehen sollen. Der Typ war entweder hackenstramm oder irre. Und dann hat der mich auch noch angeguckt, als wolle er sagen:“Du bist die Nächste..“
        Hat er natürlich nicht gesagt, er war ja zu sehr damit beschäftigt sich mit sich selbst zu unterhalten..

  3. Deshalb habe ich im Zug meist den MP3-Player laufen; es macht ja Spaß, heimlich die Leute zu beobachten, aber wenn man hört, was sie so reden (bzw. wie sie reden), dann nimmt mir das immer ein bisschen den Glauben an die Menschheit. Deshalb lieber nur gucken und nix hören. 😉

    Zum Thema Piercings und so: Ich dachte das auch mal, dass ich die Tätowierungen mit 50 nimmer will; aber irgendwann wird unsere gepiercte/ tätowierte Generation gemeinsam 50 werden (also, ich vielleicht ein bisschen vorher *g*), und es wird ganz normal sein, dass wir ein paar Falten und ein bisschen Metall im Gesicht oder Farbe am Körper haben. Insofern mach ich mir da keine großen Sorgen mehr.

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