Die stille Kiste

Dyspro macht mich fertig. In echt. Seit gestern weiß ich nicht, was ich mit der Ratte anstellen soll. Gestern Abend gings los. Plötzlich hat die Ratte Beef mit dem Rest der WG. Da denkt man sich noch, dass die 5 einfach langeweile haben und mal ein bisschen auf den Spielplatz müssen. Also wird der Entertainment Parcours Delüxe aufgebaut und die Ratten werden zum Spielen geschickt. Aber Dyspro bleibt..ungehalten. Er lässt keinen an sich ran und sträubt sich zu einem kugelrunden Plüschball, wenn man ihm zu nahe kommt. Kein gutes Zeichen. Aber vielleicht ist er nur frech. Als ich ihn maßregeln will (bei Ratten geht das. Einfach zwangsknuddeln) beginnt er mich zu zwicken, als ich das ignoriere wird er etwas deutlicher. Jetzt fehlt mir ein Stück Haut in der Hand. Selber Schuld, er hat mich ja gewarnt. Aber weswegen? Hat er Schmerzen? Ist er krank? Oder ist er einfach nur noch ein bisschen Aggro, weil er Beef mit den anderen hat? Man weiß es nicht.

Ich weiß natürlich, dass Tierhalter dazu neigen ihre Viecher zu vermenschlichen, aber ich habe schon das Gefühl, dass es Dyspro leid tut, dass er mich gebissen hat. Er kommt danach immer wieder zu mir und beschnüffelt meine Hand. Vielleicht findet er auch nur den Blutgeruch lecker. Man weiß es auch nicht.
Ich leide selbstverständlich mal wieder ungleich mehr, als die Ratte, weil ich nicht weiß was dem Kleinen fehlt. Für den Tierarzt ist es jetzt natürlich zu spät und es scheint nicht so akut zu sein, dass er sofort einen bräuchte, aber was tun? Ins Casa McKnurps kann er nicht, wenn er alles beißen will, was ihm zu nahe kommt.

Eine Notunterkunft muss her. Wie gut, dass ich alle Alternativen entweder weggeschmissen oder im Keller vergraben habe, sonst wäre das ja hinterher noch richtig leicht. Zuerst wird der Rest des Rudels wieder in den Käfig gestopft. Dyspro darf noch draußen bleiben, weil ich nicht weiß, wohin mit ihm. Dann finde ich noch ein kleines Käfiggitter, aber ohne Wanne. Wenn ich das allein auf den Boden stelle, kann ich ihn auch gleich in ein Quadrat aus Kreide setzen und ihn bitten sich da nicht rauszubewegen. Auf oder in einen Karton passt es natürlich auch nicht. Wir sind ja schließlich keine Anfänger mehr, da kann es schon eine Schwierigkeitsstufe höher sein.
Dann fällt mir ein, dass mein Bruder noch eine Klappkiste hat, die sogleich für einen guten Zweck geklaut ausgeliehen wird. Da passt das Gitter zwar auch nicht wirklich drauf, dafür aber ein schwerer Bilderrahmen. Nicht die optimale Lösung, aber besser, als Dyspro über Nacht in die Transportbox zu stecken.

Die Kiste wird noch ausbruchsicher gemacht. Der dicke Po passt zwar (wahrscheinlich) nicht durch die Griffe der Kiste, aber ich gehe davon aus, das Dyspro das nicht weiß und es deswegen versuchen wird. Also muss Tape her. Zum Glück kann ich mich mit Malerkrepp noch zuwerfen, so dass die Griffe schnell abgeklebt ist. Schnell noch eine Trinkflasche befestigt, Gurke, Trockenfutter und ein Handtuch in die Kiste geworfen, das kleine Rattenzelt als Schlafplatz reingelegt (Ja, meine Ratten haben ein Zelt. Sogar mit Heringen..) und schon ist die Kiste einsatzbereit. Die stille Kiste. Fast ein bisschen wie Camping für den guten Dyspro. Die Kiste stelle ich gleich neben den Käfig, so dass Dyspro seine Mitbewohner riechen kann und sich nicht allzu allein fühlt.

Im weiteren Verlauf des Abends verändert er sein Verhalten wieder. Er hüpft über das Bett, das Fell glänzt wieder und er klettert an mir hoch und auf mir herum. Er lässt sich auch anstandslos hochnehmen und von mir in die Kiste setzen. Der will mich doch verarschen. Fehlt ihm jetzt was oder nicht? In den Käfig darf er dennoch nicht. Er verbringt die Nacht in der Kiste.

Als besorgte Rattenmama muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen, dass ich die Nacht als nicht besonders erholsam empfinde. Zum ersten Mal war sie um halb drei vorbei. Das nächste Mal um sechs. Und wenn man um sechs aufwacht, kann man auch gleich wach bleiben und darüber schreiben, was einen wach hält. Wach werde ich übrigens, weil Dyspro keine Lust mehr auf Kiste hat und deswegen demonstrativ damit beginnt das Tape abzuzupfen, damit er rausgucken kann. Das muss ich ihm dann dafür aus dem Fell zupfen. Er begrüßt mich recht aktiv und neugierig, lässt sich wieder ohne murren von mir hochnehmen und läuft fröhlich über das Bett. Der will mich doch fertig machen.

Aber ist der Spuk von gestern Abend vorbei? Geht es ihm wieder gut? Waren es vielleicht nur Bauchschmerzen oder war er einfach nur schlecht gelaunt, weil sich die WG gegen ihn gestellt hat? Vielleicht hat er sich auch weh getan, als er mittags wieder mal die Schwerkraft für sich arbeiten ließ und sich einfach vom Brett fallen ließ, statt von diesem zu springen. Ich weiß es nicht. Ob er zurück in den Käfig kann, weiß ich auch nicht. Eine Referenzratte muss her. Als ich an den Käfig gehe, schmeißen sich mir gleich vier Referenzratten entgegen und wollen raus, weswegen das ganze Rudel nun im Rahmen der Wissenschaft auf meinem Bett herumläuft. Unwichtig zu erwähnen, dass sich Dyspro mit allen wieder blendend versteht. Jetzt gerade sitzt er mit Argon an der Bettkante und beobachtet den Horizont. Der Tierarzt wird also wohl noch warten können. Mal schauen, wie es ihm im Laufe des Tages geht. Einen oder zwei Tage werde ich also noch in Sorge leben müssen.

Nur Stress mit die Kinders.

9 Gedanken zu “Die stille Kiste

  1. Ich denke bei Tieren ist das wie bei Menschen, die haben halt auch mal einen schlechten Tag..schlecht geschlafen oder die Hormone spielen verrückt.
    Beobachten wirst du ihn ja weiterhin und wenn das wieder vorkommt, würde ich zum Tierarzt gehen, denn wie du schon sagst, vielleicht hat er dann doch Schmerzen..
    Hoffe aber, dass alles friedlich bleibt! :o)

    • Bisher ist alles gut. Das Rudel pennt in Gänze. Bewegt wird sich nur, um einen anderen Schlafplatz zu finden. Ich bin froh, dass ich den Tierarzt erstmal nicht brauche und es dem Kleenen scheinbar wieder besser geht. Dann bin ich schon zufrieden und kann mir den Herzinfarkt noch sparen.

  2. Wahrscheinlich ist er im Rudelstreit unterlegen und hatte miese Laune.
    Als dann Mama herkam und Zwangsfrohelaune verbreiten wollte, wollte ER das nicht und brachte das mit lauten Geschimpfe wilden Gebeiße klar. Wie soll er auch anders mit Riese Mamamensch kommunizieren, wenn sie [random Mimik hier] nicht versteht?🙂

    Mal ehrlich… wenn WIR schlechte Laune haben, fahren wir auch mal Unbeteiligte an, oder?🙂

    *als Fee nicht hinschaut, eben Dyspro schnapp*
    Und die Feenmama zu beißen ist böse! *knurrrrrrr*

    • Ja, kann wirklich sein, dass er einfach noch ein bisschen restaggro war. Normalerweise ist der oft frech wie Dreck. Als jüngster im Rudel muss man sich behaupten können. Aber da die Möppels sich ja eher seltener zu ihrem Befinden äußern, befinde ich mich bei jeder Verhaltensänderung in höchster Alarmbereitschaft und beißen und sträuben spricht normalerweise dafür, dass irgendwo Schmerzen vorhanden sind. Vielleicht hatte er auch einfach nur Bauchschmerzen. Solange es ihm jetzt wieder gut geht, nehme ich den Biss billigend in Kauf. Und er hatte mich ja mit vorherigem Zwicken gewarnt, dass er nicht angefasst werden will. Ich bin selbst Schuld, wenn ich es drauf ankommen lasse.

  3. Ich glaube ja, er war ein wenig sauer, weil er mal in der Wikipedia nachgeschlagen hat, von welchem grichischen Wort (und desser deutscher Bedeutung) sein Name abgeleitet ist. Kann ich ja verstehen, dass man da mal seinen Gefühlen freien Lauf lässt… *frechschau*

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