Die Fee und die grünen Männlein

Brüderchen ist krank. Naja ich würde eher sagen, er ist in seinen Bewegungsoptionen etwas eingeschränkt. Der Mann steckt in seinen zarten Jahren voller Gebrechen. Eins davon, sein Leistenbruch, wurde gestern kurzerhand wegoperiert. Nachdem ich einen ganzen Tag Ruhe vor ihm hatte, weil er den Schlaf der frisch operierten schlief, muss ich heute wieder ran und ihn zum Arzt fahren, Nachsorge und so. Das geht schnell. Eben mal den Blutkatheter gezogen und wieder raus. Weil Brüderchen aber Soldat ist, darf der zivile Medizinpöbel ihn nicht krank schreiben, also fahre ich ihn auch gleich zur Kaserne. Ich darf da sogar rein fahren, weil er zu gebrechlich ist, um die drölf Kilometer zu seiner Kompanie zu laufen. Ich bin mir schon lange nicht mehr so wichtig vorgekommen. In der Einfahrt steht eine Schranke, die von einem Männlein in grün darin unterstützt wird, den zivilen Pöbel davon abzuhalten unbefugt eindringen zu wollen. Das Männlein salutiert sogar, wenn man durchfährt, selbst wenn 50% in dem Fahrzeug ziviles Gewürm ist. Brüderchen wedelt mit seinem Dienstausweis vor dem Gesicht des Männleins rum, das guckt mich an, als sei ich ein Aussetziger, Brüderchen sagt, dass ich quasi sein persönlicher Krankentransport bin, Männlein guckt nochmal und bewegt dann die Schranke dazu sich aus der Horizontalen in die annähernd Vertikale zu begeben.

Und dann gehts los. Ein riehiehiesiges Gelände voller kleiner und großer grüner Männlein. Während Brüderchen mich noch durch die Gegend dirigiert und mir sagt, wo ich langfahren muss, versuche ich mir den Weg zu merken, damit ich mich auf dem Rückweg nicht verfahre.

An seiner Kompanie..heißt glaube ich so…angekommen, stehen da, natürlich, auch grüne Männlein, die mich auch ganz komisch beäugen. Die sind bestimmt neidisch, weil ich anziehen darf was ich will und sie da in grün rumstehen müssen. Da die aber nicht wirklich so aussahen, als würden sie sich bei der Arbeit überanstrengen, ist das wohl ein geringer Preis.

Den Rückweg zur Schranke finde ich tatsächlich gleich beim ersten Versuch und bin auch echt stolz drauf. An der Schranke angekommen, muss ich darauf warten, dass das WachMännlein mir seine Aufmerksamkeit schenkt und mich wieder aus dem Laden lässt. Ich fühle mich in meinem zivilen Auto und meinen schwarzen Sachen schon wie ein Fremdkörper unter all den grünen Menschen.
Männlein widmet mir seine Aufmerksamkeit und merkt an, dass das ja richtig schnell ging. Ja klar. Ich wollte da schließlich nicht noch Kaffee mit den Jungs trinken. Ich merke an, dass ich Brüderchen ja quasi nur aus dem fahrenden Auto schubbsen musste und verabschiede mich nett. Da salutiert der wieder. Das würd mir ja auch aufen Keks gehen. Nicht, dass ich mich nicht wieder voll wichtig fühle, aber sich bei jedem, der durch die Schranke will, die Hand an die Stirn zu werfen stelle ich mir irgendwie nervtötend vor. Aber ich gehe davon aus, dass er dafür gut bezahlt wird, also ist das wohl auch ein Opfer, dass man gerade so bringen kann..

8 Gedanken zu “Die Fee und die grünen Männlein

  1. An das Hand an die Stirn werfen gewöhnt man sich nach einiger Zeit so sehr, dass man das völlig unbewusst macht.
    Als ich während meiner Dienstzeit dann in einen höheren Stab versetzt wurde, gab es da sogar eine Befreiung von der Grußpflicht, das heißt wir brauchten nicht mehr jeden Dienstgradgruppenhöhreren grüßen sondern nur noch Generäle. Und selbst die sahen das ziemlich locker.

    Trotzdem gibt es immer wieder Gelegenheiten, bei denen man sich die Hand auch gut an die Stirn tackern/kleben/tapen könnte…🙂

  2. @Laborfee:
    Also eigentlich müsste er 2 Stationen anlaufen. Zuerst den San-Bereich (zwecks Arztunterschrift auf der Krankschreibung), welcher immer zur 1. Kompanie (Organisation & Logistik) gehört, aber meistens in einem anderen Gebäude ist, und danach zur „eigenen Kompanie“, um den Wisch abzugeben. Sitzt der San-Bereich im selben Gebäude wie die 1. Kompanie (bzw. hat der Deliquent den Wisch schon in BW-Krankenhaus bekommen) muss er nur selbigen beim „seinem“ Kompanie-Feldwebel abgeben.Wir Sanitöter (dunkelblaues Barett) haben und immer ein wenig über die ganzen Jungs mit den „Not-Aus-Schaltern“ auf den Köpfen lustig gemacht…😉

    Dein angeschaut-werden liegt m.E. aber weniger am zivilen Outfit sondern eher an der „Zusatzausrüstung“ an Deinem Brustkorb. Frauen haben halt noch nicht SO einen Durchsatz in der Truppe (und die zivil angestellten Frauen sind meist nicht im interessanten Altersbereich)… Insofern hätten Dir da bestimmt einige gern einen Kaffee ausgegeben. Mich wundert eher an Deinem Bericht, dass Du nicht Deinen Ausweis (oder etwas ähnliches) an der Wache (also beim Schrankenmännchen) vorzeigen/abgeben musstest. Laxe Sitten sind das geworden…

    @Nobelix:
    Die höheren Dienstgrade befreien die niederen Soldaten gerne von sowas, weil sie sonst gar nicht mehr aus den Grüßen rauskommen… Außerdem wissen sonst die Sniper, auf wen sie anlegen müssen…*kicher*

  3. Naja klar salutiert der. Das war Ausdruck des Neids, weil du schönes Schwarz tragen kannst, während er nur so’n schnödes Grün trägt. Und mal ehrlich? Grün sieht doch an niemanden wirklich schick aus, oder? :O

    Aber wünsch mal deinem Brüderchen gute Besserung vom Wolf. Und erinner ihn daran, dass Wölfe mit der Nase jagen. Grün tragen nutzt da nix, wenn er zu langsam zum weglaufen ist.

    Ährm…

    Nicht das ich ihn jagen würde. Nein! Niemals! *pfeif*

  4. Soso,
    lässt sich also nicht einfach zum Kaffee einladen. Das hätte die bestimmt gefreut, glaub mir. Und vermute ebenso, dass deine Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht das Bewundern deinerseits ausgelöst hat😉

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