Dyspro

Ich weiß, verdammt viel Ratte in letzter Zeit. Hier und auch bei Twitter. Ich komme mir schon vor wie so ne Rattenlady, aber die Möppels halten mich derzeit auch ganz schön auf Trab. Nachdem Cobalt nun endlich vom Tierarzt gesundgeschrieben war, und der Kopf tatsächlich nur noch ganz minimal schief steht, war ich so froh, dass der ganze Stress endlich vorbei ist. Da habe ich die Rechnung leider ohne die Möppels gemacht, denn kaum feierten wir anlässlich der Genesung eine Auslaufparty, während der ich Dyspro knuddeln wollte..war er da. An Dyspros Bauch. Ein kirschkerngroßer Tumor. Ach komm ey.. Hat Dyspro nicht wirklich gekümmert, während ich natürlich gleich wieder Amok gelaufen bin.

Was tun?

Erstmal die Schreckensvisionen über den plötzlichen Tod einer geliebten Ratte beiseite schieben und mal ein bisschen an der Raumforderung rumpröckeln. Klein, derb, unter der Haut und – dem Himmel sei Dank – gut abgegrenzt und leicht verschiebbar. Immerhin. Gut abgegrenzt und verschiebbar heißt operabel.

Nachdem das investigiert war, mussten die Alternativen abgewogen werden.

1. Tumor raus. Noch ist er klein. Dyspro ist jung und die Chance solch eine Op gut zu überstehen ist groß.

2. Abwarten. Solange der Tumor nicht stört und nicht wächst, ist ja eigentlich alles in Ordnung. Es stört ihn nicht, es stört die anderen Möppels auch nicht, also wieso nicht warten?

2.1. Abwarten. Der Tumor könnte wachsen. Der Tumor könnte doch invasiv sein. Wachsende Tumore platzen bei Ratten auch mal ganz gern..

2.2 Abwarten. Je länger ich warte, desto älter wird der Ratterich und desto schlechter wird er die Op wegstecken.

Ich sagte es ja, Schreckensvisionen.

Das Ding musste raus aus meiner Ratte und zwar flott.

Also die Tierarzt Abokarte, nebst Ratte unter den Arm geklemmt und ab zum Tierarzt. Der Mann muss mich auch für bekloppt halten, weil ich da ständig auftauche.

Arzt sagte aber immerhin, dass sich der kleine Zellhaufen gut würde entfernen lassen. Also einen Termin für die nächste Woche ausgemacht und gehofft, Dyspro würde so lange bei guter Gesundheit bleiben.

Gestern war also der Op Termin. Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erst betonen, dass ich ein Wrack war. Am Morgen ging es los. Bevor ich den Möppel aber in die Obhut des Tierarztes gab, holte ich noch ein paar Infos über den Ablauf der ganzen Sache ein. Niemand pröckelt in meiner Ratte rum, ohne dass ich weiß, was da abgeht.

Folgendes wollte ich unbedingt geklärt haben:

– Schneidet er die Haut nur auf, popelt den Tumor raus und näht wieder zu, oder schneidet er das Areal großflächig aus? Bei Zweitem hätte ich mir die Ratte gleich wieder gepackt und auf dem Absatz kehrt gemacht. Manche Tierärzte machen das so. Meiner glücklicher Weise nicht.

– Wird es eine Inhalationsnarkose oder eine Injektion? Inhalationsnarkosen werden für gewöhnlich besser weggesteckt und schlagen nicht so auf den Kreislauf wie eine Injektion. Auch hier gab es erfreuliches. Inhalationsnarkose.

– Resorbierbare Fäden oder Fäden, die man ziehen lassen muss? Resorbierbare Fäden haben natürlich den Vorteil, dass man sie nicht ziehen muss und der Ratte den Stress erspart. Der Nachteil ist aber, dass sie auch oft irritationen der Haut hervorrufen. Auch wenn mir die resorbierbaren lieber gewesen wären, gehe ich liebend gern auch nochmal zum Fädenziehen, wenn dafür das Risiko einer entzündung etwas gemindert wird.

Nachdem alle meine Fragen beantwortet waren, übergab ich den Patienten an die fähigen Hände des Tierarztes und machte mich auf den Heimweg.
Am Nachmittag konnte ich ihn wieder abholen, nachdem ich den ganzen Tag nichts produktiveres getan habe, als darauf zu warten, dass endlich Nachmittag wird oder mein Handy klingelt. Doch, ich habe noch den Quarantänekäfig aufgebaut.
Ich war so froh, als ich die große Transportbox mit dem Möppel drin wieder auf dem Schoß hatte. Der war noch ein bisschen benebelt und müde, aber bereits auf dem Rückweg war er schon wieder ganz munter.

Schnell wurde noch besprochen, wie die Op verlaufen war und wie man die Ratte am effektivsten davon abhalten könnte, sich die Fäden aus der Naht zu zupfen. Der Tierarzt empfahl mir eine Halskrause. Entweder eine echte, oder eine aus einem kleinen Joghurtbecher. Beim Überschlagen der Maße dieses Plastikungetüms wurde allerdings schnell klar, dass es die Ratte zu sehr einschränken würde. Er hätte mit dem Dingen um den Hals nichtmal ins Häuschen gepasst. Also wartete ich erstmal ab, ob er an den Fäden zupfen würde. War natürlich kein angenehmer Abend und eine noch weniger angenehme Nacht. Bei jedem Knistern stand ich quasi im Bett und schaute, ob die Ratte in Ordnung war. An erholsamen Schlaf war wirklich nicht zu denken. An konzentriertes Arbeiten in der Uni heute morgen auch nicht. Dyspro war den ganzen Vormittag allein. Zwar hatte er heute morgen gleich sein Antibiotikum und ein Schmerzmittel bekommen, aber auch wenn er die Naht vorerst in Ruhe gelassen hat, heißt das nicht, dass er sich das nicht jeder Zeit noch anders überlegen kann. Also werde ich noch ein bisschen Wache schieben müssen. Bis Dienstag genauer gesagt, denn da ist der Kontrolltermin und bei viel Glück werden dann auch die Fäden gezogen.
Dann wird auch besprochen wie lange der arme kleine noch allein im Käfig sitzen muss. Es tut mir so leid. Er saß gestern den ganzen Abend am Gitter und sah zu den anderen Ratzen rüber. Und eben sah er auch zu, als die anderen über mein Bett tobten. Leider kann ich sie noch nicht zusammen lassen. Die Gefahr, dass einer der anderen Krawallbürsten an der Naht rumzuppelt, ist einfach zu groß. Morgen früh darf er allein ein bisschen laufen und sollte er Dienstag immernoch allein bleiben müssen, werde ich vielleicht Cobalt zum Übernachten zu ihm setzen.

Bisher ist alles gut. Die Naht sieht gut aus. Er leckt sie zwar ab, aber das darf er ja ruhig. Er klettert auch schon wieder fröhlich durch den Käfig, obwohl er das natürlich nicht soll.

Leute, hofft mit mir, dass sich der Rest der Möppels sich nicht dazu entschließt auch noch krank zu werden, sonst bin ich bald so dermaßen pleite. Omma schlägt schon die Hände über dem Kopf zusammen, weil ich für die kleinen Wesen soviel Kohle beim Arzt lasse. Ich muss sie allerdings nur daran erinnern, dass sie damals ihrem Hund eine Grabstelle auf einem Tierfriedhof gekauft hat.😉

So, jetzt wisster wieder Bescheid. Haustiere sind manchmal schlimmer, als kleine Kinder.

14 Gedanken zu “Dyspro

    • Schade, dass es sowas wie die Bahncard nicht auch für den Tierarzt gibt. Wobei ich bei all meinen Ratten zuvor nie solche Tierarztkosten hatte. Manchmal erwischt man eben die unglückswürmer.
      Vielen Dank, ich richte es aus.🙂

  1. Wobei ich glaube das findet er in Ordnung. A) bringt es Moos und B) hatten die Viecher bisher ja immer was.
    Ach und c) die Nager sind nun mal anfällig. Insbesondere was Tumore angeht. Das Problem gibts ja auch bei Mäusen.

    • Die kleine Mistmade hat sich die Fäden selbst gezogen. Vor zwei Tagen, bei der Nahtkontrolle, hab ich ihn in den höchsten Tönen gelobt, weil er die Naht so brav in Ruh gelassen hat. Und heute will ich sie mir ansehen..sind die Fäden weg. Der kann so froh sein, dass ich ihn lieb habe..

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s